"Wir fürs Land - sichtbar aktiv" : 72 Stunden: Die Landjugend packt an

Ehrenamtliches Engagement ist für ihn selbstverständlich: Sören Kruse von der Landjugend Grundhof. Foto: Ruff
Ehrenamtliches Engagement ist für ihn selbstverständlich: Sören Kruse von der Landjugend Grundhof. Foto: Ruff

"Wir fürs Land - sichtbar aktiv": Drei Tage lang arbeiten 1000 Landjugendliche für ihre Gemeinden. Einer von ihnen ist Sören Kruse aus Grundhof.

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14. Mai 2009, 07:02 Uhr

Grundhof | Minderjährige Bauern, die auf Scheunenpartys die Sau rauslassen - das ist das Klischee, mit dem die Landjugend Schleswig-Holstein immer noch zu kämpfen hat. Sören Kruse aus Grundhof (Kreis Schleswig-Flensburg) kennt das Problem. "Wenn meine Kommilitonen an der Fachhochschule Flensburg hören, dass ich in der Land jugend bin, schreckt sie das oft ab. Sie denken, wir sind alle Bauerntrampel."

Dabei kommt nur noch jedes fünfte Mitglied im Landjugendverband Schleswig-Holstein aus einem landwirtschaftlichen Betrieb. In der 30-köpfigen Ortsgruppe Grundhof zum Beispiel stammen lediglich sechs Mitglieder aus Bauernfamilien. "Die Landwirtschaft steht bei uns gar nicht im Fokus, sondern die Gemeinschaft", sagt Sören Kruse, der seit sieben Jahren in der Landjugend ist.

Jeden Mittwoch abend trifft sich der inzwischen 24-jährige Student mit den Mädchen und Jungen seiner Ortsgruppe. Sie spielen Beachvolleyball, fahren Cart, besuchen einen Vortrag über die Polizeiarbeit vor Ort oder sitzen bei Bier und Grillwurst zusammen im Grundhofer Landjugendraum. Besonderer Höhepunkt des Jahres: "Ein großes Scheunenfest - unsere Haupteinnahmequelle", so der Kassenwart.
72 Stunden gemeinnützige Aufgaben

Doch es ist längst nicht nur der reine Spaßfaktor, der die Landjugend zusammentreibt. Das wollen 31 der insgesamt 84 Landjugend-Ortsgruppen in Schleswig-Holstein heute unter Beweis stellen. 1000 Landjugendliche in Schleswig-Holstein arbeiten 72 Stunden lang an gemeinnützigen Aufgaben, die sie von ihren Ortsvorständen gestellt bekommen - eine Herausforderung, der sich auch die Grundhofer Landjugend stellt.

Sören Kruse und seine Vorstandskollegen bereiten seit Wochen die Aufgaben vor. Sie haben mit ihrer Gemeinde ein streng geheimes Konzept erarbeitet, das bis Sonntag, 17. Mai, 18 Uhr umgesetzt werden soll. Streng geheim? "Naja, unsere Gemeinde ist ja nicht groß, die Möglichkeiten sind also begrenzt", sagt Kruse und spricht von einem Spielplatz, der saniert, und einer Grillhütte, die gebaut werden soll. Die Maschinen wie Bagger, Rüttelwalze und Trecker mit Kipper hat der Vorstand von ortsansässigen Unternehmen organisiert. "Das ist nicht so schwer, die Landjugend Grundhof hat einen guten Ruf", sagt Kruse. "Wir engagieren uns oft für die Gemeinde. Uns leiht man eigentlich alles."
Landjugend bringt gute Freunde

Auf die Frage, warum die Landjugend für ihn attraktiver ist als Kneipenabende oder Computerspiele, antwortet Kruse ohne zu zögern. In der Landjugend habe er gute Freunde gefunden, mit denen er sich austauschen könne. "Mir ist es im Prinzip egal, was wir mittwochs machen. Ich bin immer dabei."

Und dann ist da natürlich noch die Liebe zur Region. Nach seinem Studium (Energie- und Umweltmanagement) möchte Sören Kruse am liebsten in Dänemark arbeiten - und in Grundhof wohnen bleiben.

Und wenn man ihn in seiner 900 Einwohner starken Heimatgemeinde zwischen Rapsfeldern und Friesenhäusern besucht, versteht man, dass er sich dieses Stück heile Welt unbedingt erhalten möchte.

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