Armutsbericht : 71.300 Kinder haben zu wenig zum Leben

In Schleswig-Holstein sind 14 Prozent der Kinder arm, das entspricht 71.300 Jungen und Mädchen. Foto: dpa
In Schleswig-Holstein sind 14 Prozent der Kinder arm, das entspricht 71.300 Jungen und Mädchen. Foto: dpa

Sie stecken fest im "Armutszirkel" - soziale Benachteiligung, geringe Bildungschancen und schlechte Gesundheit sind die Folge. 14 Prozent der Kinder in Schleswig-Holstein sind arm.

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23. September 2011, 11:15 Uhr

Wiesbaden/Kiel | In Schleswig-Holstein sind aktuell mehr Menschen von Armut bedroht als noch vor fünf Jahren. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte, stieg das Armutsrisiko im Norden von 13,3 im Jahre 2005 auf aktuell 13,8 Prozent. Regional ist die Situation weiterhin sehr unterschiedlich. In Ost- und Norddeutschland gibt es nach wie vor mehr Arme als im Westen und Süden. So war 2010 etwa jeder Fünfte in Mecklenburg-Vorpommern und Bremen von Armut bedroht. In Hamburg lag die Quote bei 13,3 Prozent, vor fünf Jahren waren es noch 15,7 Prozent. In Baden-Württemberg und Bayern war das Risiko 2010 geringer: Ungefähr jeder Neunte galt als arm.
"Spätestens angesichts dieser Zahlen sollte jedem politisch Verantwortlichen klar sein, dass die Einführung eines bundesweiten gesetzlichen Mindestlohns überfällig ist", erklärte der Landesvorsitzende des Sozialverbandes, Sven Picker, in Kiel. "Die Menschen müssen von ihrer Arbeit wieder leben können." Sowohl die steigende Altersarmut als auch die Armutsgefährdung von Kindern, deren Eltern Geringverdiener sind, sei letztlich nur mit einem Mindestlohn, der deutlich über acht Euro liege, wirksam zu bekämpfen. Die schleswig-holsteinische Landesregierung sollte sich im Bundesrat schnellstmöglich für die Einführung eines Mindestlohns einsetzen.
Geringe Bildungschancen - schlechte Gesundheit
Auch für die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein, Irene Johns, sind die Zahlen aus Wiesbaden erschreckend. "Sie decken sich mit unserer aktuellen Untersuchung. Im Mai waren in Schleswig-Holstein 14 Prozent der Kinder arm, das entspricht 71.300 Jungen und Mädchen." Genauso wie der Sozialverband fordert sie, die Anpassung ders Hartz-Regelsatzes für Kinder an die tatsächlichen Bedürfnisse. Johns sprich von einem "Armutszirkel", Pickert von einem "Teufelskreis" aus Armut mit daraus folgender sozialer Benachteiligung, geringen Bildungschancen und schlechter Gesundheit. Der müsse endlich durchbrochen werden. Für Hartz IV Kinder seien nur 2,60 Euro pro Tag für Essen vorgesehen, davon 95 Cent für die Mittagsmahlzeit. "Davon kann man kein Kind gesund ernähren", so Johns.
Nach der Definition der Statistiker gilt als "armutsgefährdet", wer von weniger als 826 Euro im Monat leben muss. Bei Familien mit zwei Kindern beginnt Armut bei 1735 Euro. Nach einer Festlegung der Europäischen Union sind Menschen dann armutsgefährdet, wenn sie mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung auskommen müssen.

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