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Hof in Süderheistedt : 700 Kühe vernachlässigt: Bäuerin weist im Milchbauern-Prozess Schuld zurück

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Die Ställe zu klein, versickernde Silagesäfte, Asbestabfälle: Die Bäuerin meint jedoch, das Tierwohl habe stets an erster Stelle gestanden.

shz.de von
erstellt am 27.Jun.2016 | 15:05 Uhr

Meldorf/Süderheistedt | Im Prozess gegen einen Milchbauern aus Dithmarschen, der seine mehr als 700 Kühe vernachlässigt haben soll, hat die Bäuerin die Vorwürfe bestritten. Das Tierwohl habe stets an erster Stelle gestanden, sagte sie am Montag als Zeugin vor dem Amtsgericht Meldorf. „Wir haben alles Menschenmögliche versucht.“ Der angeklagte Landwirt hat vor Gericht bisher geschwiegen.

Die Bäuerin erklärte, für den Tierarzt habe sie teilweise mehr als 5000 Euro pro Monat bezahlen müssen. Da die Sterberate der jungen Kälber trotzdem überdurchschnittlich geblieben sei, habe sie bei den Tieren homöopathische und vermeintliche Wundermittel ausprobiert. Den Durchfall ihrer Rinder habe sie letztendlich mit selbst gekochtem Mohrrüben-Mus bekämpft. „Das hat gut geholfen.“

Bei einer Razzia im Dezember 2014 musste ein Tierarzt fünf Tiere noch vor Ort einschläfern, 47 weitere benötigten dringend medizinische Hilfe. Viele der Rinder hatten damals starke Schmerzen, wie Zeugen vor Gericht sagten.

Nach Angaben der Polizei war der Gesundheits- und Pflegezustand vieler Tiere besorgniserregend, die Kälber zum Teil stark verschmutzt. Auch die Stallungen seien teils stark verdreckt gewesen, zu dunkel und zu eng. Bei der Geburt ihrer Kälber mussten die Kühe auf nacktem Betonboden stehen. Silagesäfte strömten laut Polizei ungehindert und in großen Mengen in angrenzende Gräben und Flüsse beziehungsweise versickerten auf Wiesen, Asbestabfälle und landwirtschaftliche Fahrzeugwracks lagen auf dem zum Teil verwilderten Gelände.

Die Ermittler waren auf den Milchbauern durch eine „unverhältnismäßig hohe Sterberate unter den Rindern“ aufmerksam geworden, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe sagte.

Ein Großaufgebot von Polizei, Ordnungsamt und Veterinärbehörden brauchte zwei Tage, um die Zustände in dem Betrieb zu dokumentieren. Der Bauer muss sich wegen Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und das Umweltrecht verantworten. Der Prozess wird fortgesetzt.

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