Lastverkehr in SH : 7,5-Tonner: Maut-Killer und Sicherheitsrisiko

Gefahr im Verkehr: Ein Leicht-Gespann, das von einer Windböe einfach umgepustet wurde.
Gefahr im Verkehr: Ein Leicht-Gespann, das von einer Windböe einfach umgepustet wurde.

Spediteure sparen mit kleinen Lastwagen die Maut. Bei Sturm können die Federgewichte lebensgefährlich sein.

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16. Januar 2015, 10:16 Uhr

Lastzüge in Leichtbauweise boomen auf den Straßen - auch in Schleswig-Holstein. Die Spediteure müssen keinen Cent Maut zahlen. Die Bundesregierung legt den „Mautkillern“ das Handwerk. Zum 1. Oktober werden aber Fahrzeuge bereits ab 7,5 Tonnen mautpflichtig – und nicht länger ab zwölf Tonnen zulässigem Gesamtgewicht.

In Deutschland sind mittlerweile 85.000 davon unterwegs. Bezogen auf die mautpflichtigen Standard-Lkw ist das ein Anteil von 14 Prozent. „Sparen sie 14.100 Euro auf 100.000 Kilometern“, werben die Hersteller der „Mautkiller“ selbstbewusst.

Die Konsequenz: viele kleine Laster auf der Straße statt einiger großer. „Die so entstandene Mautlücke hat zu einem erheblichen Preisdruck in der Branche geführt4, sagt Thomas Rackow, Geschäftsführer der Fachvereinigung Spedition und Logistik aus Neumünster. „Zudem rechnet es sich für osteuropäische Speditionen wegen der geringen Lohnkosten, eine Ladung auf mehrere nicht mautpflichtige Fahrzeuge zu verteilen.“ Er begrüßt den Schritt von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). „Grundsätzlich sollten alle zahlen.“

Auf einen Rückzug der „Mautkiller“ hofft auch die Polizei in Schleswig-Holstein– allerdings aus anderen Gründen. Im stürmischen Norden sind sie eine Gefahr. Lothar Gahrmann, Sprecher des Landespolizeiamts: „Die Fahrzeuge wiegen wenig, bieten dem Wind aber eine große Angriffsfläche.“ In Erinnerung geblieben ist der spektakuläre Unfall auf dem Hindenburgdamm im September 2009. Heftige Sturmböen hatten damals einen Leicht-Laster samt Hänger vom Sylt-Shuttle geweht. Das Gespann war voll beladen.

Während aber ein normaler Lkw leer etwa 15 Tonnen auf die Waage bringt, sind es bei einem beladenen „Mautkiller“ gerade einmal 11,99 Tonnen. Spediteur Armin Klein warnt: „Wenn also die Fehmarnsundbrücke für leere Lkw gesperrt ist, darf ein vollbeladener ,Mautkiller‘ fahren – obwohl er leichter ist.“ Für den Unternehmer aus Celle ist das unverantwortlich. Er dokumentiert bundesweit alle Unglücke der Federgewichte im Gewand von Brummis.

Seinen Kampf gegen die „Mautkiller“ hat er nach dem Unglück auf dem Hindenburgdamm aufgenommen – der 32 Jahre alte Fahrer aus seinem Heimatort Celle war gestorben. Nach dem jüngsten Sturm hat Klein 13 Fälle zusammengetragen, bei denen Leicht-Lastzüge vom Wind umgeworfen wurden.

„Den Spediteuren, die solche Fahrzeuge einsetzen, dürften die Gefahren bewusst sein“, sagt Klein. „Ein Ingenieur hat berechnet, dass eine Kippgefahr bereits bei einem Seitenwind von 70 Stundenkilometern besteht.“ Das Problem sei meist der Anhänger, fast so lang und ebenso hoch wie das Zugfahrzeug – aber ähnlich wie ein Wohnwagen oft mit nur einer zentrale Achse ausgestattet. „Er wiegt so viel wie ein Mittelklassewagen, bietet jedoch die fünffache Windangriffsfläche, etwa 30 Quadratmeter.“

Armin Klein fordert gesetzliche Regelungen, die Leicht-Gespanne zwingen, bei höheren Windgeschwindigkeiten Parkplätze anzufahren. „Wenn so ein Ding in eine Bushaltestelle mit Kindern geweht wird, ist es zu spät“, so seine Sorge.

In seinen Augen wird die Maut für die leichten Laster zunächst wenig Einfluss auf die Zahl ihrer Gespanne haben. „Sie sind gekauft, werden uns noch zehn Jahre auf den Straßen begegnen.“ Der Polizei von Schleswig-Holstein rät er in einem Sofort-Schritt die Verkehrsmeldungen an stürmischen Tagen zu präzisieren: „Die Sperrung von Brücken sollte auf beladene Leicht-Gespanne ausgeweitet werden, auf dem Sylt-Shuttle sollten sie auch voll stets fest verzurrt werden.“

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