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Gas-Pipeline : 64 Kilometer Millimeterarbeit

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zwischen dem Nord-Ostsee-Kanal und der dänischen Grenze entsteht eine neue Gas-Pipeline – ein Job für Experten.

Vier weiße Zelte schweben an Kränen. Sie haben keinen Boden und senken sich über die Enden gewaltiger Stahlrohre – die Elite der europäischen Schweißer erschafft darunter eine Nahtstelle, die belastbarer ist als die Rohre selbst.

Für eine unterirdische Erdgas-Pipeline hat das niederländische Unternehmen „Gasunie“ seit März eine 33 Meter breite Trasse ins Land gegraben: Von Ellund an der dänischen Grenze bis nach Fockbek bei Rendsburg. Es ist die momentan längste Baustelle Schleswig-Holsteins: 64 Kilometer. Ein Ort für Experten, an dem nicht nur geschweißt wird. Mit gewaltigen Maschinen werden Rohre in Form gebogen, unter Straßen und Gleise gepresst oder gleich in einem ganzen Strang unter einem Naturschutzgebiet hindurch gezogen.

Bauleiter ist Ad Marijnissen (48) von „Gasunie“. Sonnenbrille, fester Händedruck und, unüberhörbar, ein niederländischer Akzent. „Im Oktober sind wir wie geplant fertig, dann kann das Gas fließen“, sagt er. An dem Projekt arbeiten 284 Mann, eine Arge von PPS Pipeline Systems (Quakenbrück) und Rohr-Spezialist Vorwerk (Tostedt).

Die 3600 Rohre, produziert im Sauerland, lagerten zunächst auf dem ehemaligen Militärflugplatz Eggebek (Kreis Schleswig-Flensburg). Mittlerweile sind die 18 Meter langen und 6,5 Tonnen schweren Kolosse mit 90 Zentimetern Durchmesser fast alle entlang der Trasse abgelegt worden. Angehoben werden sie von einem Bagger mit Vakuumgreifer, um die Isolierung, die ein Rosten verhindert, nicht zu beschädigen. Zwei hydraulische Biegemaschinen sorgen dafür, dass die Rohre dem Verlauf der Trasse folgen. „Maximal 20 Grad können wir sie kalt biegen ohne das der Stahl leidet“, sagt Martin Schadeberg (48) Projektleiter der Arge. Für Kurven von 30 bis 45 Grad hat der Hersteller gleich bei der Produktion Rohre in diese Form gebracht.

Das Team der Schweißer arbeitet derzeit bei Klein Rheide (Kreis Schleswig-Flensburg). Jede Naht wird in vier Schritten fertiggestellt – jeweils in einem der Zelte. Viermal zwölf Minuten dauert das, 30 Nähte schaffen die Männer pro Tag. „Aber selbst ausgebildete Schweißer müssen hier erst einmal zwei Jahre zugucken, damit sie können, was wir verlangen“, sagt Schadeberg und fügt hinzu: „Der Pipelinebau verträgt keine Deppen.“ Das Gas wird einmal mit 84 bar Druck durch die Rohre rauschen. Deshalb wird jede Naht auch mittels Ultraschalluntersuchung abgenommen.

24 Kreis- und Landesstraßen queren die Pipeline-Trasse, dazu drei Eisenbahnstrecken, 388 Knicks, der Fluss Treene und das Naturschutzgebiet Bollingstedter Au. Um es zu schützen, wird gebohrt. Bohrschlamm sprudelt, und ein Bohrgestänge vibriert. Ein Team hat neben der Au einen Bohrkopf schräg in die Erde gesenkt, hinab bis in zehn Meter Tiefe, und ihn hinter dem Naturschutzgebiet wieder auftauchen lassen. Dort liegt ein Rohrstrang von 517 Metern Länge bereit, an dessen Ende ist eine riesige Öse geschweißt ist. „Am Dienstag werden wir diesen Strang durch den gebogenen Tunnel ziehen“, sagt Bauleiter Marijnissen. „Das ist kein Problem, der Stahl ist bei dieser Länge sehr biegsam.“

Die 64 Kilometer lange Erdgas-Pipeline soll die Versorgung Dänemarks sichern, dessen eigene Förderung in der Nordsee zurückgeht. Sie wird bei Fockbek an das bestehende Netz gekoppelt, auch der Anschluss auf dänischer Seite ist bereits fertig. Gasnetz-Betreiber „Gasunie“ investiert 180 Millionen Euro in das Projekt. Nach ihrer Fertigstellung liegt die Pipeline einen Meter unter der Erde und wird nicht mehr zu sehen sein.
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erstellt am 23.Mai.2014 | 12:43 Uhr

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