Unterrichtsversorgung : 5800 Schüler weniger: Lehrer fehlen trotzdem

Wenn am Montag die Schule beginnt, werden 5800 Kinder weniger in den Klassen sitzen als vor den Ferien. Entscheidende Nachricht für die Eltern: Auch die Zahl der Lehrkräfte verringert sich um 300.

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13. August 2011, 11:51 Uhr

Kiel | Die SPD fürchtet bereits, dass sich die Stellenstreichungen bitter rächen werden, da sich die Unterrichtsversorgung verschlechtert. Während im Vorjahr noch 400.600 Schüler die allgemein und berufsbildenden Schulen im Land besuchten, werden 2011/12 nur noch rund 394.800 erwartet. "Damit setzt sich der Abwärtstrend auch im neuen Schuljahr fort", teilte das Bildungsministerium gestern in Kiel mit.
Eindeutige Gewinner sind die 135 Gemeinschaft- und 65 Regionalschulen, die von der Abschaffung der Haupt- und Realschulen profitieren. Etwa 13.500 Schüler besuchen Regionalschulen (9800 im Vorjahr). An den Gemeinschaftsschulen werden 57.700 Schüler unterrichtet (46.700 im Vorjahr). An den 99 Gymnasien wird ein leichter Anstieg auf insgesamt 86.800 Schüler erwartet - 0,7 Prozent mehr als 2010/11.
"Die Leidtragenden werden die Schülerinnen und Schüler sein"
Die knapp 400 Grundschulen im Norden schrumpfen hingegen, obwohl in der kommenden Woche rund 24.000 Abc-Schützen eingeschult werden. Da jedoch relativ viele Viertklässler auf weiterführende Schulen wechselten, sinkt die Zahl der Grundschüler insgesamt um 2,4 Prozent auf knapp 100.700. Einen deutlichen Rückgang (1,7 Prozent) verzeichnen auch die 33 Berufsschulen, die nur noch von 93.700 Jugendlichen besucht werden.
Überschattet wird der Schulstart durch den Streit über die Lehrerversorgung. Weil die Landesregierung im Zuge der Rotstiftaktion im Doppelhaushalt 2011/12 300 Lehrerstellen gestrichen hat, fürchten viele Eltern, dass ihre Kinder nicht genug Unterricht bekommen. Die SPD hält diese Sorge für berechtigt: Die Schülerzahl sei zwar zurückgegangen, aber nicht so stark wie bei den Etatberatungen prognostiziert. "Die Leidtragenden werden die Schülerinnen und Schüler sein", sagte der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Martin Habersaat. Den Gemeinschaftsschulen habe das Land die Differenzierungsstunden halbiert, und für Integrationsklassen stünden weniger Stunden zur Verfügung.
Bildungsminister Ekkehard Klug hält seit Wochen dagegen: Der Rückgang der Schülerzahlen und die Erhöhung der Pflicht stunden für Gymnasial- und Berufsschullehrer erlaubten es, 300 Stellen einzusparen. Sein Ministerium weist darauf hin, dass im neuen Schuljahr Haushaltsmittel für 22.817 Lehrerstellen, 1819 Refendare sowie einen Vertretungsfonds mit 12,1 Millionen Euro zur Verfügung stehen. 1200 Lehrer- und 618 Referendarstellen seien neu besetzt worden. Für die allgemein bildenden Schulen lagen 1156 Bewerbungen vor, davon 528 aus Schleswig-Holstein.
(kim, shz)

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