Immunisierung : 500.000 Impfdosen gegen die Grippe

Dr. Thomas Maurer aus Leck impft Ernst Johannsen (74) gegen die Grippe.
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Dr. Thomas Maurer aus Leck impft Ernst Johannsen (74) gegen die Grippe.

Wer sich in Schleswig-Holstein gegen Grippe impfen lassen möchte, muss in diesem Jahr keine Engpässe befürchten. Mediziner empfehlen eine Immunisierung bis Ende November.

shz.de von
14. November 2013, 00:33 Uhr

Leck/Norderstedt | Die Engpässe des vergangenen Jahres sind vergessen: Allein in der Praxis von Allgemeinmediziner Dr. Thomas Maurer in Leck haben sich in dieser Saison bereits 400 bis 500 Patienten gegen die Grippe impfen lassen. „Das sind mehr als 2012, als die Verunsicherung um den Impfstoff die Quote drückte. Sie hat inzwischen wieder Normalniveau erreicht“, sagt Maurer.

Das bestätigt Jens Kuschel, Sprecher der Krankenkasse AOK Nordwest. Ein reibungsloser Ablauf der Lieferungen und eine „großzügige Kalkulation“ hätten sichergestellt, dass genug Impfstoff im Land zur Verfügung stehe. „Wir haben einen Bedarf von gut 500.000 Impfdosen für die gesamte Saison von Oktober bis Ende März vorgesehen. Davon wurden bislang etwa 400.000 an Zwischenhändler, Apotheken und Ärzte ausgeliefert – so viele, wie 2012 insgesamt verimpft wurden.“ Die AOK Nordwest koordiniert die Versorgung für alle Kassen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Wie viele Menschen sich 2013 bereits dem kleinen Piks mit großer Wirkung unterzogen haben, lasse sich jedoch nicht beziffern. „Wir können ja nicht nachvollziehen, welche Mengen schon verabreicht wurden oder noch bei Ärzten oder Apothekern im Kühlschrank lagern.“

Durch Rabattverträge mit nur einem Anbieter war es 2012 zu Lieferschwierigkeiten des Serums gekommen. Das Pharma-Unternehmen Novartis konnte zunächst seinen Verpflichtungen nicht nachkommen. Als dann Impfstoff nachgeliefert wurde, stellte sich heraus, dass viele Dosen Qualitätsmängel aufwiesen – die Flüssigkeit war ausgeflockt. Mit dem neuen Partner Sanofi-Pasteur klappe es aufgrund eines ausgeklügelten Berichtswesens besser, sagt Kuschel. Und: Sollte die Nachfrage die kalkulierte Menge übersteigen, sei es kein Problem, innerhalb weniger Tage Nachschub zu bekommen. „Die Lieferungen sind bis zum Ende der Grippesaison garantiert. Die Lager sind voll.“

Auch bei dem Allgemeinmediziner Dr. Svante Gehring in Norderstedt sind seit September wieder mehr Impfpatienten als 2012 in die Sprechstunde gekommen – insgesamt bereits 250 bis 300. Er sieht in diesem Jahr gute Voraussetzungen dafür, dass es keine so starke Grippewelle gibt. „Wenn die Grippe einmal heftig ausgefallen ist, gibt es erfahrungsgemäß zwei bis drei Jahre Ruhe, weil in der Bevölkerung noch zumindest eine Teilimmunität besteht“, sagt der Arzt. Ein weiterer Faktor sei natürlich, dass genug Impfstoff zur Verfügung stehe. „Je mehr Menschen geimpft sind, desto besser kann die Ausbreitung eingedämmt werden.“ Deshalb sei es wichtig, dass sich möglichst viele gegen die Grippe, auch Influenza genannt, schützen.

Dem stimmt auch Thomas Maurer zu. „Die Grippe ist eine Infektionskrankheit, die den Körper schwerwiegend befällt und zum Beispiel Lungen- oder Hirnhautentzündung zur Folge haben kann.“ Der Grippe-Schutz bei der Impfung entstehe, indem abgetötete Anteile des Virus gespritzt würden. Dadurch werde das Immunsystem angeregt, Abwehrstoffe zu produzieren. Das dauere zwei bis drei Tage, bis zur vollen Entfaltung im gesamten Körper acht Tage. „Durch die Impfung steht eine Armee an Antikörpern bereit, die die Viren unmittelbar unschädlich machen, so dass sie sich nicht vermehren können“, erklärt Maurer. Der Schutz bleibe über mehrere Monate bestehen. Der Mediziner empfiehlt, sich deshalb noch bis Ende November impfen zu lassen.

Eine Grippe (Influenza) ist im Gegensatz zum grippalen Infekt, also einer gewöhnlichen Erkältung, leicht zu erkennen, sagt Svante Gehring: „Charakteristisch ist, dass die Krankheit wie ein Faustschlag kommt. Eben war der Patient noch gesund, eine Stunde später ist er sehr krank. Er fühlt sich niedergeschlagen, hat Gliederschmerzen und es tut ihm bei Bewegung hinter den Augen weh. Hinzu kommen Fieber und ein starker Reizhusten, weil sich die Erreger in den oberen Bronchien vermehren.“ Der grippale Infekt hingegen entwickle sich schrittweise. Eine „leichte Welle“ davon habe es bereits gegeben, sagt Gehring. Einen Influenza-Fall habe er in dieser Saison in seiner Praxis jedoch noch nicht registriert.

„Chronisch Kranke sollten sich in jeden Fall gegen Grippe impfen lassen“, rät Gehring. „Deren Sterblichkeitsrisiko sinkt dadurch nachweislich.“ Empfohlen wird die Immunisierung auch für Ältere und Personen, die mit vielen Menschen in Kontakt kommen. Dazu gehörten Angestellte im Gesundheitswesen, aber auch in Kindergärten oder Banken.

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