zur Navigation springen

Vogelfluglinie : 50 Jahre Fehmarnsundbrücke: Die Insel feiert

vom

Auf dem Weg der Zugvögel von Skandinavien nach Deutschland - dieser Traum wurde 1963 mit der Fehmarnsundbrücke in Beton gegossen. Fehmarn feiert den "Kleiderbügel".

shz.de von
erstellt am 01.Mai.2013 | 07:07 Uhr

Fehmarn | Vor 50 Jahren bekam die Insel Fehmarn mit der Eröffnung der Vogelfluglinie Anschluss an Europa. Am 30. April 1963 wurde die rund 960 Meter lange Straßen- und Eisenbahnbrücke über den Fehmarnsund eröffnet. Am 14. Mai folgte die feierliche Einweihung der Fährverbindung zwischen Puttgarden auf Fehmarn und Rödby auf der dänischen Insel Lolland. Damit wurde ein Plan verwirklicht, den genau 100 Jahre zuvor der königlich-dänische Baumeister Gustav Kröhnke vorgelegt hatte: eine Straßen- und Eisenbahnverbindung zwischen Hamburg und Kopenhagen, die dem Weg der Zugvögel folgt.

Noch bis zum 5. Mai wird das Jubiläum auf Fehmarn gefeiert, unter anderem mit einem Festakt am heutigen Dienstag. Eine Wanderausstellung, die bis Ende September zu sehen sein wird, gibt Einblicke in die Geschichte und die Zukunft der Verbindung. Den offiziellen Geburtstag am 14. Mai feiert die Fährreederei Scandlines auf einer Jubiläumsüberfahrt mit geladenen Gästen. Weder die dänische Königin Margrethe II. noch Bundespräsident Joachim Gauck kommen zu dem Jubiläum. "Ich hatte beide eingeladen, aber sie haben wegen anderer Termine abgesagt", sagte der Bürgermeister von Fehmarn, Otto Uwe Schmied, mit Bedauern. Mitte Mai 1963 hatten König Frederik IX.und Bundespräsident Heinrich Lübke die Verkehrsverbindung eingeweiht.

Brücke ist das "Herzstück" der Vogelfluglinie

210 Millionen D-Mark, umgerechnet rund 107 Millionen Euro, hat der Bau der Vogelfluglinie gekostet, davon entfielen 55 Millionen DM (gut 28 Millionen Euro) auf die Fehmarnsundbrücke. Auf dänischer Seite kamen noch einmal 80 Millionen DM (knapp 41 Millionen Euro) für den Fährhafen Rödby hinzu.

Die Vogelfluglinie verkürzte die Fahrzeit deutlich und entwickelte sich schnell zum meistgenutzten Verkehrsweg zwischen Deutschland und Skandinavien. "Streng genommen gehört auch die Fährverbindung nach Dänemark zur Vogelfluglinie. Aber für die Insulaner ist und bleibt die Brücke das eigentliche Herzstück, denn sie hat ihnen den Anschluss ans Festland gebracht", erklärte Schmied.

Seit 1999 unter Denkmalschutz

Heinz Voderberg, 1942 auf Fehmarn geboren, erinnert sich noch gut an die Zeit vor 1963, als eine Trajektfähre für bis zu vier Eisenbahnwagen die einzige Verbindung nach Schleswig-Holstein war. "Man musste zunächst mit der Inselbahn ins Dorf Fehmarnsund und von dort mit der Fähre rüber nach Großenbrode. Das war ziemlich umständlich, so dass man es sich zweimal überlegt hat, ob man die Reise wirklich auf sich nehmen sollte", erzählt er. Der Bau der Vogelfluglinie, der 1959 begann, brachte Leben auf die beschauliche Insel. "Die Bauarbeiter kamen aus allen Teilen Deutschlands, aus Spanien, Italien und Portugal und bescherten den Gastwirten sehr gute Umsätze", sagt Voderberg.

Karl-Wilhelm Klahn, heute 83 Jahre alt, war Fahrdienstleiter im Bahnhof der "Inselhauptstadt" Burg, als der mit Girlanden geschmückte erste Personenzug über die Brücke rollte. "Schon seit Mitte März waren allerdings die Güterzüge über die Brücke gekommen, die das Material für die Fertigstellung des Fährhafens nach Puttgarden brachten", erinnert sich Klahn. "Da der 14. Mai als Termin für die Eröffnung der Fährlinie feststand und die Bauarbeiten wegen des sehr strengen Winters 1962/63 im Rückstand waren, blieben für den Hafen nur sechs Wochen Zeit."

Inzwischen schreiben Verkehrsplaner an einem neuen Kapitel der Vogelfluglinie. Zwischen Puttgarden und Rödby soll ein Straßen- und Eisenbahntunnel gebaut werden, der die Fahrtzeit weiter verkürzen wird. Veranschlagte Kosten: rund 5,5 Milliarden Euro. Weil die Fehmarnsundbrücke dem dann erwarteten Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen sein wird, muss eine zweite Querung her. Ob es auch hier einen Tunnel geben wird oder eine zweite Brücke, ist noch nicht klar. Eines steht jedoch fest: Die Fehmarnsundbrücke - wegen ihrer markanten Form im Volksmund "Kleiderbügel" genannt - bleibt erhalten. Sie steht seit 1999 unter Denkmalschutz.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen