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Videos und Fototouren : 360-Grad-Erlebnisse: So funktioniert die neue Technik

vom
Aus der Onlineredaktion

Rundum-Videos vermitteln den Eindruck, mitten im Geschehen zu sein. Aber wie geht das? Der sh:z-Experte Marc Schulz steht Rede und Antwort.

Was ist ein 360-Grad-Video?

Ein Video, das die gesamte Umgebung abbildet und so einen 360-Grad-Rundumblick gibt. Auf dem Bildschirm oder dem Smartphone sieht man einen Ausschnitt, der hin- und herbewegt werden kann, damit sich die gesamte Umgebung erschließt.

Wie werden solche Videos erstellt?

Die Produktion ist gar nicht so einfach. 360-Grad-Videos werden mit mindestens zwei, teilweise sogar mit bis zu zwölf Kameras aufgenommen. Die Kameras filmen jeweils ein Stück von der Umgebung. Dabei wird die ganz Fläche gleichzeitig abgefilmt, damit keine Fehler durch zeitliche Verzögerungen entstehen. Die einzelnen Bilder werden dann anschließend am Computer zusammengesetzt. Aus allen einzelnen Puzzlestücken ergibt sich dann das 360-Grad-Bild. Wichtig: Die Perspektiven der Kameras sollten sich ein kleines Stück überlappen, um Lücken zu vermeiden.

Welches Ausrüstung ist für die Erstellung notwendig?

 

Ich arbeite zurzeit mit sechs GoPro-Kameras und einer Halterung, die sie richtig zusammen hält. Die Halterung habe ich extra in einem 3-D-Drucker hergestellt. Für die Zusammensetzung der einzelnen Teile verwende ich eine Software, die sich Kolor Autopano nennt. Das ist eine gängige Software, die ich auch empfehlen würde.

Können auch Laien die Technik schnell lernen?

Es ist eine ganz neue Technik bei der auch erfahrener Filmemacher vollkommen umdenken und die Kamera ganz anders bedienen müssen. Bisher ist die Technik auch noch ziemlich fehleranfällig. Bilder können unterschiedlich aussehen, weil sich Kameras spontan umgestellt haben. Dieses Problem wird mit der Zeit und neuen Entwicklungen aber besser. Es gibt heute auch schon einige Konsumer-Lösungen. Die haben zwar nicht so eine hohe Auflösung, dafür lösen sie solche Probleme aber automatisch. Ein Beispiel wäre die Ricoh Theta S, eine Vollspährenkamera. Zur Bedienung gibt es auch Anleitungen auf Youtube. Ansonsten gibt es auch Apps, mit denen zumindest 360-Grad-Fotos gemacht werden können.

Was empfehlen Sie Einsteigern?

Die Ricoh Theta S ist tatsächlich ein gutes Einsteigermodell - trotz der noch nicht ganz ausgereiften Qualität. Sie ist einfach zu bedienen und die Fotos sind schon ganz akzeptabel. Theoretisch könnten auch mit einer Kamera alle Perspektiven einmal abgefilmt werden. Das funktioniert aber nur im Optimalzustand. Durch die zeitliche Verzögerung entstehen meistens Fehler, weil sich zum Beispiel Wolken verschoben haben. Die Unterschiede sieht man später auf jeden Fall.

Worauf muss man beim Filmen achten?

Die Kamera sollte nicht allzu nah an die Dinge herankommen. Ungefähr 50 Zentimeter Abstand sind das Minimum, am besten aber drei Meter. Ist der Abstand nicht groß genug, haben die Kameras Schwierigkeiten beim Zusammensetzen und Fehler im Gesamtbild können entstehen. Zudem sollte in der Umgebung auf jeden Fall etwas passieren. Nur dann machen Rundum-Videos überhaupt Sinn. Auch sollte man darauf achtgeben, dass die Kameras möglichst wenig wackeln.

Welche Vorteile haben 360-Grad-Videos? Und welche Nachteile?

Ein Vorteil ist, dass man das Gefühl bekommt, näher dran zu sein. Wissenschaftlich wird das auch als Immersion, als Eintauchen, bezeichnet. Außerdem kann man selber auswählen, was man sehen will - je nach Interesse. Und das Bild ist näher an der natürlichen Perspektive. Man bekommt so das Gefühl live dabei zu sein. Der Blick schafft auch Transparenz. Zuschauer können hinter die Kulissen schauen. Gerade in Zeiten der Medienkritik ist das ein großes Plus der 360-Grad-Videos.

Nachteile sehe ich bei der Technik und Bedienung. Häufig entstehen Ränder, wenn die einzelnen Aufnahmen zusammengefügt werden. Auch stellt sich die Frage, wie man die Kamera überhaupt aufstellen will. Bei der Rundum-Perspektive sehen Zuschauer immer den Filmer. Es bedarf also viel Vorbereitung. Anschließend ist auch das Zusammenfügen ziemlich aufwendig. Ein 360-Grad-Video dauert etwa doppelt so lange in der Produktion wie ein normales Video.

Können 360-Grad-Videos auch mit den Handy aufgenommen werden?

Es gibt bisher ein Handy, das dazu in der Lage ist - das LG G 5. Aber es wird noch etwas dauern, bis mehrere Handys 360-Grad-Filme aufnehmen können. Der Bereich entwickelt sich jetzt grade erst. Die App Cardboard Camera von Google für Android kann das für Fotos schon.

Auf welchen Plattformen können 360-Grad-Videos hochgeladen werden?

Bei Youtube und Facebook und auf einen unbekannteren Seite namens Vrideo ist das heute möglich.

 

Marc Schulz studiert an der FH Kiel Multimedia Production und dreht seit einem Jahr 360-Grad-Videos. In Zusammenarbeit mit shz.de schreibt er seine Bachelor-Arbeit und hat schon diese 360-Grad-Erlebnisse produziert:

Die Windjammerparade der Kieler Woche:

Der Internationale Markt in der 360-Grad-Perpektive:

 

Die Landesgartenschau in Eutin im 360-Grad-Rundgang:

 

Mitsegeln bei der Rumregatta in Flensburg:

 

Für eine optimale Darstellung empfehlen wir, das Video über die Youtube-App auf Smartphone oder Tablet aufzurufen. Das Video ist auf dem shz-Kanal youtube.com/shzonline zu finden.

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erstellt am 27.Jun.2016 | 23:43 Uhr

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