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Prozess am Landgericht Kiel : 29-Jähriger gesteht Gewaltexzess gegen Freundin

vom

Immer wieder Schläge, bis es zum Tod kam: Eine junge Frau soll tagelang von ihrem Freund misshandelt worden sein. Vor Gericht in Kiel erklärte der, rasend vor Eifersucht gewesen zu sein.

Kiel | Ein Seitensprung war der Auslöser: In einem grausamen Gewaltexzess soll ein junger Mann seine Freundin in Kiel zu Tode geprügelt haben. Am Montag gestand der 29 Jahre alte Angeklagte nach wochenlangem Schweigen vor dem Landgericht, dass er auf die 20-Jährige im Streit und aus Eifersucht einschlug. Die Freundin habe ihm einen Seitensprung geschildert, erst Flirt und Küsse eingeräumt, dann, dass sie mit dem anderen geschlafen habe.
"Es traf mich wie ein Blitz", hieß es am 15. Verhandlungstag in einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung weiter. Unter Drogeneinfluss habe er "spontan reagiert und die Kontrolle verloren".

Opfer soll sich geweigert haben, die Wohnung zu verlassen

Nach seinen Angaben hätte das Opfer zuvor jederzeit die Wohnung verlassen können. Die Freundin habe sich aber geweigert, ins Krankenhaus oder zu den Eltern zu gehen - angeblich, weil sie die erst wenige Wochen alte Beziehung retten wollte.
Die Anklage lautet auf Mord durch Unterlassen, weil der 29-Jährige nicht rechtzeitig Hilfe geholt habe. Demnach starb die junge Frau am 12. November 2011, nach einer Woche schwerer Misshandlungen. Am Ende des Martyriums war das Opfer laut Anklage bewegungs- und sprechunfähig - die Schläge hatten der 20-Jährigen auch den Kiefer zertrümmert. Der Körper war übersät mit Wunden und Blutergüssen.

"Ich ging davon aus, dass man sie noch retten kann"

Der Angeklagte will erstmals am 8. November 2011 zugeschlagen haben, zwei Tage später als die Staatsanwaltschaft annimmt. Die tödlichen Schläge waren demnach nicht beabsichtigt. Als die Freundin dann stark blutend aufs Bett fiel, habe er noch versucht, sie wiederzubeleben. In Panik habe er seine Schwester und eine Bekannte angerufen, danach den Notarzt. "Ich ging davon aus, dass man sie noch retten kann."
Dass er bereits an den Tagen zuvor seine Freundin massiv verletzte, machte die Erklärung des Angeklagten auch deutlich. Demnach versorgte er sie notdürftig selbst, kaufte unter anderem Kühlpads und Verbandsmaterial ein.

Fortsetzung am 8. Oktober

Das Schwurgericht hat in der Beweisaufnahme den Hinweis gegeben, dass der Angeklagte den Tod der Freundin billigend in Kauf nahm. Demnach droht eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Dafür sieht das Gesetz mindestens drei Jahre Haft vor. Auf Mord steht dagegen eine lebenslange Freiheitsstrafe.
Die Mutter des Opfers ist in dem Verfahren Nebenklägerin. Das Gericht will den Prozess am 8. Oktober fortsetzen.

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erstellt am 07.Aug.2013 | 07:46 Uhr

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