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Radfahrerinnen-Prozess : 28-jährigem Vergewaltiger droht lange Haftstrafe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die brutalen Überfälle auf die zwei Radfahrerinnen geschahen im Juli 2012 und im August 2013. Laut Anklage soll der Elmshorner die Frauen an einen Ort verschleppt haben, an dem er sie dann vergewaltigte. Das Urteil wird am Mittwoch erwartet.

shz.de von
erstellt am 09.Apr.2014 | 07:53 Uhr

Itzehoe | Es waren zwei der schlimmsten Straftaten, die in den vergangenen Jahren in den Kreisen Pinneberg und Steinburg begangen wurden. Ein 28 Jahre alter Elmshorner soll über zwei Frauen hergefallen sein, sie entführt und anschließend „unter erheblicher Gewaltanwendung“ vergewaltigt haben, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Nun muss sich der Mann vor Gericht verantworten. Er ist angeklagt wegen Vergewaltigung in zwei Fällen, Freiheitsberaubung und Körperverletzung.

Die brutalen Überfälle auf die beiden Frauen geschahen am 29. Juli 2012 und am 3. August 2013. Laut Anklage soll der Elmshorner die Frauen an einen Ort verschleppt haben, an dem er sie dann vergewaltigte. Um seine Opfer wehrlos zu machen, habe sie der Kriminelle mit Panzerklebeband gefesselt. Konkrete Angaben zu den Opfern wollte Staatsanwalt Peter Müller-Rakow mit Rücksicht auf die Frauen damals nicht machen.

In einer ersten Anhörung erklärte der Angeklagte, seine Überfälle auf junge Frauen in den vergangenen zwei Jahren seien nicht geplant oder von langer Hand vorbereitet, sondern spontane Ideen gewesen. Sein erstes Opfer habe er in der Nacht zum 29. Juli 2012 nahe Kollmar aus seinem Auto heraus auf der Straße radeln sehen. Dreimal habe er gewendet, um sie noch einmal anzuschauen. „Beim zweiten Mal kam mir die Idee zu einer Vergewaltigung“, erzählte er nahezu emotionslos: „Das hatte ich anfangs gar nicht vor, sonst hätte ich ein Kondom mitgehabt.“ Mehrmals habe er der 16-Jährigen seine Faust ins Gesicht geschlagen, bevor er sie mit der Ankündigung „Ich will dich jetzt vergewaltigen“ in den Kofferraum seines Wagens stieß. Er habe sich anschließend in einem Wäldchen eine halbe Autostunde entfernt an dem Mädchen vergangen.

Die Kripo hatte sich nach der Tat mit einem Phantombild an die Bevölkerung gewandt und um Hilfe gebeten. Doch die Fahndung blieb erfolglos.

Ein Jahr später überfiel der Täter erneut eine Frau. Wieder war das Opfer eine Fahrradfahrerin. Seinem zweiten Opfer brach der 28-Jährige in der Nacht zum 3. August 2013 in Hohenfelde die Nase. Er habe die 18-Jährige mit einem Fausthieb vom Rad geholt und der jungen Frau am Boden 15 weitere Schläge verpasst, erinnerte er sich: „Immer aufs Gesicht.“ Die 18-Jährige habe Angst um ihr Leben gehabt, ihn immer wieder angefleht, sie nicht zu töten. Er habe die Schülerin dann in seinem Wagen verschleppt zu einem Wäldchen nur wenig entfernt von jenem Ort, an dem ein Jahr zuvor die 16-Jährige sein Opfer gewesen war.

An der anschließenden Fahndung waren Polizisten aus ganz Schleswig-Holstein sowie Spezialkräfte beteiligt. Der intensive Einsatz führte schließlich zum Erfolg. Einer Polizeistreife kam der Elmshorner seltsam vor. Seine Personalien wurden aufgenommen. Die weiteren Ermittlungen erhärteten den Verdacht gegen den 28-Jährigen. Der Elmshorner wurde aufgefordert, eine DNA-Probe abzugeben. „Zu diesem Termin haben wir ihn gleich festgenommen. Er zeigte sich halbwegs geständig“, sagte Oberstaatsanwalt Uwe Dreeßen damals im Gespräch mit den Elmshorner Nachrichten. Der Mann kam wegen Wiederholungsgefahr in Haft.

Warum er so brutal war? „Ich war einfach so drauf“, sagte der junge Mann mit einem Schulterzucken. Auf die Frage des Sachverständigen, ob er zwischendurch in anderen Nächten erfolglos auf der Suche nach Opfern gewesen sei, schüttelte der Angeklagte den Kopf. Bei den Vergewaltigungen wirkt laut Staatsanwaltschaft strafverschärfend, dass der Täter ein „mitgeführtes Mittel“ für seine Tat einsetzte, um den Widerstand des Opfers zu brechen, in diesem Fall das Panzerklebeband. Im zweiten Fall fügte er seinem Opfer „erhebliche Verletzungen“ zu, so Staatsanwalt Müller-Rakow. Auch das sei strafverschärfend. Dem Mann drohen deshalb für jede der beiden Taten bis zu 15 Jahre Haft.

Vor dem Landgericht Itzehoe begann der Prozess am 5. März 2014. Der Angeklagte legte zwar ein umfassendes Geständnis ab, doch Mitgefühl für seine Opfer spürten die Prozessbeobachter in seinen Worten nicht. Während der Zeugenbefragung wurde die Öffentlichkeit zeitweise ausgeschlossen. Verständlich, denn es ging um brutale Gewalt-Phantasien des 28-Jährigen. Mehrmals in der Woche habe er seine Träume mit Vergewaltigungs-Pornos aus dem Internet ausgelebt, erzählte er. Eine Freundin hatte der junge Mann bislang noch nie, berichteten Kollegen des Angeklagten übereinstimmend dem psychiatrischen Gutachter.

Am Mittwochvormittag wird der Prozess vor dem Landgericht in Itzehoe fortgesetzt.

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