"Familienknast" : 28-Jährige leitet kleinstes Gefängnis im Norden

Alexandra Serger auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt. Foto: dpa
Alexandra Serger auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt. Foto: dpa

Sie ist jung, attraktiv und hat mit schweren Jungs zu tun: Verena Serger leitet von diesem Donnerstag an das Gefängnis in Itzehoe.

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25. September 2008, 11:04 Uhr

Die 1876 gegründete Justizvollzugsanstalt ist der älteste und kleinste Knast in Schleswig-Holstein. Und mit ihren 28 Jahren ist Serger die jüngste Anstaltsleiterin im Norden.
In Kiel geboren, wuchs Serger in Nortorf (Kreis Rendsburg- Eckernförde) auf, ging hier zur Schule und machte das Abitur im Gymnasium in Rendsburg. "So ganz schlüssig war ich noch nicht, was ich nach der Schule machen sollte", erläutert die junge Frau mit den pechschwarzen Haaren. "Auf den Beruf im Strafvollzug wäre ich ohne das Berufsinformationen- Zentrum nicht gekommen, denn zuvor hatte ich bislang keine Berührungspunkte mit einem Gefängnis". Schon ein Jahr vor dem Abitur hatte sie sich dafür entschieden, diesen Job zu machen.
"Ich hätte nicht gedacht, dass es schon so früh klappt"
Im Jahr 2000 begann sie ihr Studium im Bereich "Vollzugs- und Verwaltungsdienst" an der Fachhochschule in Bad Münstereifel (Nordrhein-Westfalen). Währen der Ausbildung absolvierte sie zudem Praxisabschnitte in Itzehoe und Neumünster. Anschließend arbeitete sie im Lübecker Gefängnis. Im Jahr 2007 wurde sie zur Justizoberinspektorin befördert.
Zum Bestandteil ihres Studiums gehörte es damals, einen Monat lang in einem kleinen Gefängnis zu arbeiten. So kam Serger in die Stadt Itzehoe. "Hier fühlte ich mich sehr wohl, denn es war ein überschaubarer Kreis von Mitarbeitern". Als Mitte des Jahres dort eine neue Leitung ausgeschrieben wurde, bewarb sich die 28-Jährige auf den Posten und setzte sich gegen mehrere Mitbewerber durch. "Ich hätte nicht gedacht, dass es schon so früh klappt", sagt sie.
"Wir kennen alle unsere Gefangenen"
"Mit nur 25 Mitarbeitern in der Anstalt ist es viel familiärer als beispielsweise in einem großen Gefängnis wie in Lübeck", schildert sie. Einige der Beschäftigten sprechen sogar von einem "Familienknast". "Wir kennen alle unsere Gefangenen, weil es nur 39 Haftplätze gibt - das ist noch eine überschaubare Zahl", so Serger. "Die JVA ist eine Untersuchungshaftanstalt, Strafgefangene sind die Ausnahme".
Am Donnerstag wird Schleswig-Holsteins Justizminister Uwe Döring (SPD) den bisherigen Leiter, Udo Doll, nach 48 Jahren verabschieden. Gleichzeitig wird Verena Serger in ihr neues Amt eingeführt. Döring begrüßte es, dass es gelungen sei, eine junge Frau als Leiterin in Itzehoe gewinnen zu können. "Die Justiz braucht Frauen die sich trauen, anspruchsvolle Führungsaufgaben zu übernehmen". Dank ihrer beruflichen Erfahrung und Kompetenz werde sie ihre Aufgabe "mit Bravour bewältigen", sagte der Minister.

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