Zahlen für 2017 : 20.000 Fälle: Fahrerflucht in SH auf Rekordhoch

Wer nach einem Unfall einfach davonfährt, kann im Nachhinein noch bitter ausgebremst werden.
Foto:
Wer nach einem Unfall einfach davonfährt, kann im Nachhinein noch bitter ausgebremst werden.

Im vergangenen Jahr wurden ein Viertel mehr Falle gemeldet, als noch vor einem Jahrzehnt.

fju_maj_0203 von
08. Januar 2018, 21:46 Uhr

Kiel | Die Zahl der Unfallflüchtlinge steuert in Schleswig-Holstein auf einen neuen Höchststand zu: Auch wenn die Zahlen für 2017 noch nicht endgültig aufbereitet sind, hat die Polizei im vergangenen Jahr bislang annähernd 20.000 Strafanzeigen wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort verzeichnet. Das Landespolizeiamt spricht gegenüber dem Vorjahr von einem Plus um 3,5 Prozent. Es ist der höchste Wert seit 2006. Da lag die Zahl mit 14.916 fast um ein Viertel niedriger.

„Eine Unfallflucht ist keine Bagatelle, sondern eine Straftat, die schnell auch den Führerschein kosten kann“, betont der Sprecher des Landespolizeiamts, Jürgen Börner. Um die Ermittlungen zu intensivieren, hat die Polizei im Herbst 2017 landesweit eine Spezialfolie in ihren Werkzeugkoffer aufgenommen. Damit lassen sich zügig mikroskopisch kleine Lackspuren sichern und auswerten. Ein vorgeschaltetes Pilotprojekt in Kiel habe gute Erfolge gebracht. „Viel schneller als früher wird klar, welchen Verdächtigen wir ausschließen können, ob es eventuell eine vorgetäuschte Tat gab und wer am Ende der Kette der Verursacher war“, sagt Börner. In der Vergangenheit lag die Aufklärungsquote bei Unfallfluchten bei rund 50 Prozent.

Bei den Gründen zu den steigenden Fallzahlen tut sich die Polizei schwer. Mit eine Rolle spielten wachsende Abmessungen der Autos und ein umso höheres Risiko, andere Wagen zu rammen. Die Maße von Stellplätzen entsprächen oft nicht mehr den aktuellen Fahrzeugtypen von oft zwei Meter und mehr, inklusive Spiegel. Zudem verweist die Polizei auf höhere Kosten für die Wiederherstellung lackierter Fahrzeugteile. Das bestätigen die Versicherungen Provinzial und Itzehoer. Hintergrund sei unter anderem, dass zum Beispiel Stoßfänger oder Windschutzscheibe häufiger mit anderen Teilen verbunden seien, etwa mit Abstands- oder Regensensoren. Eine Tür zu lackieren, kann laut Provinzial teils mit 700 bis 800 Euro zu Buche schlagen. „Bagatellschäden gibt es somit kaum mehr“, sagt Sprecher Heiko Wischer. Manche Unfallflüchtlinge wollten „sicherlich auch einer Höherstufung in der Kaskoversicherung entgehen“.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen