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DEUTSCH-DÄNISCHER KRIEG : 1864: Der letzte Sieg der Dänen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Düppeler Schanzen waren erstürmt, die Festung Fredericia von den Dänen aufgegeben. In London wurde verhandelt, da eröffneten am 9. Mai 1864 vor Helgoland dänische Schiffskanonen das Feuer auf alliierte Verbände – und siegten. Doch das konnte die Niederlage der Dänen nicht mehr abwenden.

Helgoland | Im Jahr 1510 übertrug der dänische König Johann I. das neugeschaffene Amt eines Flottenvorstehers an den Adeligen Henrik Krummedike: Die Gründung der Dänischen Marine begründete auch den Aufstieg des Königreiches zu einer nordeuropäischen Großmacht. Bis zu den Napoleonischen Kriegen beherrschten die Dänen Ost- und Nordsee, zeigten jedoch auch in Übersee verstärkt Flagge. Doch am 2. April 1801 griffen die Briten unter den Admiralen Sir Hyde Parker, Horatio Nelson und Thomas Graves die dänische Flotte vor Kopenhagen an und vernichteten sie. Nach dem Kieler Frieden vom 14. Januar 1814 wurde die dänische Flotte wieder aufgebaut, erlangte aber nie wieder ihre einst dominierende Stellung. Trotzdem waren die Seestreitkräfte Dänemarks den alliierten Schiffen im Jahr 1864 weit überlegen.

Nach Ausbruch des Krieges am 1. Februar erklärte Dänemark am 26. Februar eine Seeblockade gegen alle schleswig-holsteinischen und am 8. März auch gegen alle preußischen Häfen. Die dänische Seeblockade wurde zunächst von der Schraubenfregatte Niels Juel und später von der Schraubenkorvette Dagmar sichergestellt. Letztere brachte bereits am 18. März vor Texel den hamburgischen Schoner Tekla Schmidt auf. Da die preußische Marine zu schwach war, um der dänischen entgegenzutreten, entsandte Österreich Anfang März 1864 aus dem Mittelmeer ein Geschwader unter Linienschiffskapitän Wilhelm von Tegetthoff mit den beiden Fregatten Schwarzenberg und Radetzky sowie dem Kanonenboot Seehund. Die Seehund wurde im Ärmelkanal bei einem Unfall beschädigt und musste einen englischen Hafen anlaufen. Anfang Mai erreichte das restliche österreichische Geschwader die Nordsee. Preußen hatte ein kleines Geschwader unter dem Befehl von Korvettenkapitän Gustav Klatt aus dem Mittelmeer zurückbeordert. Es bestand aus dem Raddampfer Preussischer Adler und den beiden Kanonenbooten Basilisk und Blitz. Die beiden Geschwader vereinigten sich vor Texel.

In die entscheidenden Gefechte um Schleswig-Holstein sowie bei der Schlacht um die Düppeler Schanzen konnte die Marine jedoch nicht wirksam eingreifen. Als die Preußen am 18. April 1864 um 10 Uhr mit 37 000 Mann zum Sturmangriff antraten, konnte selbst das damals modernste Panzerschiff der Welt, die Rolf Krake, mit ihren vier Acht-Zoll-Geschützen, den Vormarsch trotz 95 abgefeuerter Granaten nicht stoppen. Im Gegenteil, nach einem schweren Treffer der preußischen Krupp-Kanonen, der das Deck durchschlug und im Schiffsinneren detonierte, drehte das europaweit als erstes mit drehbaren Geschütztürmen bestückte Kriegsschiff ab und musste in die Werft. Die Rolf Krake fiel deshalb für das Gefecht bei Helgoland aus.

Die dänsiche Marine zog das Nordseegeschwader unter Orlogskapitän Edouard Suenson zusammen, das aus der Niels Juel, der Dagmar und der Schraubenkorvette Hejmdal bestand. Das Geschwader sollte die dänischen Handelsschiffe schützen und deutsche Einheiten kapern. Nachdem die Dagmar durch die Schraubenfregatte Jylland abgelöst wurde, patrouillierte das dänische Geschwader in der Nordsee und erwartete die Österreichisch-preußische Flotte.

Dabei näherten sich die Dänen am 9. Mai 1864 von Norden her der damals britischen Hochseeinsel Helgoland. Gegen 10 Uhr wurde ein Schiff gesichtet, aber es handelte sich nur um die britische Fregatte Aurora. Direkt danach entdeckten die Dänen weitere fünf Schiffe in Richtung Südsüdwest. Die beiden Geschwader nahmen Kurs aufeinander, und kurz nach 13 Uhr eröffnete das österreichische Flaggschiff Schwarzenberg das Feuer. Die Dänen erwiderten den Beschuss erst bei deutlich geringerem Abstand. Orlogskapitän Edouard Suenson verfügte auf seinen drei Schiffen über 106 Geschütze, die Alliierten auf ihren fünf Einheiten über 92 Kanonen. Bei Geschwader liefen unter starkem gegenseitigen Beschuss in einem Abstand von 1800 Metern auf Parallelkurs. Während die Niels Juel die Schwarzenberg beschoss, konzentrierte sich das Feuer der Jylland und der Hejmdal auf die Radetzky. Die preußischen Kanonenboote waren so weit entfernt, dass ihr Feuer wirkungslos blieb. Gegen 15.30 Uhr fing die Schwarzenberg Feuer und konnte den Kampf nicht fortsetzen. Der alliierte Befehlshaber Tegetthoff gab das Signal zum Abbruch, und das österreichisch-preußische Geschwader zog sich, im Feuerschutz der Radetzky, in die neutralen Gewässer der Insel Helgoland zurück. Da das dänische Flaggschiff Jylland genau zu diesem Zeitpunkt einen Treffer in die Kommandantenkammer erhalten hatte, der ihre Ruderanlage beschädigte, kam der dänische Versuch, die Gegner noch abzufangen, zu spät. Die Aurora hatte das ganze Gefecht beobachtet und stand bereit, das britische Hoheitsgebiet zu verteidigen. Daher musste Suenson die Verfolgung nach eine Stunde abbrechen, konnte aber den letzten Sieg der Dänen für sich verbuchen. Das dänische Geschwader hatte 14 Tote und 55 Verwundete zu beklagen, die österreichischen Schiffe 32 Tote und 59 Verwundete. Auf den preußischen Booten hatte es keinerlei Verluste gegeben.

Die Dänen warteten außerhalb der Hoheitsgewässer Helgolands, aber im Schutze der Dunkelheit zogen sich die österreichischen und preußischen Schiffe nach Cuxhaven zurück. Das dänische Geschwader wurde dann nach Kopenhagen zurückbeordert, da ab dem 12. Mai ein Waffenstillstand in Kraft trat. Die Blockade war damit aufgehoben und der Krieg entschieden.

Sowohl in Dänemark als auch in Österreich wurde das Ergebnis des Gefechts als Sieg betrachtet. Das dänische Geschwader wurde bei der Ankunft in Kopenhagen begeistert gefeiert, und Österreich beförderte Tegetthoff zum Konteradmiral.

Das Seege-fecht bei Helgoland war das letzte offene Seegefecht, das mit Holzschiffen ausgetragen wurde, und gleichzeitig auch das letzte, an dem Dänemark beteiligt war. Denkmäler an die österreichischen Toten der Schlacht gibt es in Hamburg-Altona sowie in Cuxhaven. Eine Gedenkplatte erinnert an die in den Hamburger Hospitälern verstorbenen Österreichischen Land- und Seesoldaten in der St.-Joseph-Kirche auf St. Pauli. Dazu wurde eine Ehrentafel auf Helgoland errichtet, sie steht auf dem Friedhof der Namenlosen auf der Düne. Die dänische Fregatte Jylland existiert heute noch als Museumsschiff und kann in der dänischen Stadt Ebeltoft besichtigt werden.

Die preußische Marine kam zwar im folgenden deutsch-österreichischen Krieg kaum zum Einsatz, wurde später aber massiv ausgebaut. Auch wenn Preußen sich stets als kontinentale Landmacht verstanden hat, waren doch Aufstieg und Untergang eng mit dem Schicksal brandenburgisch-preußisch-deutscher Seestreitkräfte verbunden. Seemacht und Kolonien gehörten zu den Machtattributen der damaligen Zeit, die auch für mittlere Mächte wie Dänemark und die Schweden selbstverständlich waren. Nach 1871entwickelte sich die nun kaiserliche Marine zu einer der größten und modernsten Kriegsflotten der Welt, was durch imperiale Bestrebungen und die Marinebegeisterung des deutschen Kaisers Wilhelm II. begünstigt wurde. 1914 war die Kaiserliche Marine nach der Royal Navy und vor der US Navy die zweitstärkste Marine der Welt. Diese enorme Aufrüstung, die Großbritannien als führende Seemacht herausforderte, führte später zum 1. Weltkrieg.

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erstellt am 04.Mai.2014 | 09:25 Uhr

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