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Erfindung aus Hamburg : 175 Jahre: Happy Birthday, Adventskranz

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Der Adventskranz ist seit langer Zeit in vielen Familien Tradition. Vor 175 Jahren wurde der erste Adventskranz erfunden – in Hamburg.

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erstellt am 27.Nov.2014 | 19:36 Uhr

Hamburg | Vier Kerzen begleiten die Menschen durch den Advent und bringen Licht in die dunkle Jahreszeit. In vielen Haushalten erstrahlen die Adventskerzen vom ersten Advent an nach einander, bis schließlich alle vier brennen. Dann ist Weihnachten – das weiß jeder.

Johann Hinrich Wichern, „Vater“ des Adventskranzes
Johann Hinrich Wichern, „Vater“ des Adventskranzes Foto: imago/epd

Der erste Docht wurde in Hamburg angezündet. Das „Rauhe Haus“ in Hamburg diente seit seiner Gründung 1833 als Rettungshaus für verwaiste Kinder und Jugendliche. Der Gründer, Johann Hinrich Wichern, war ein deutscher Theologe und Sozialpädagoge. Während seiner Zeit als Oberlehrer an einer Sonntagsschule lernte er die Kinder und Jugendlichen aus den Armenquartieren und deren Leben und Wohnraum kennen. Die Armut und Verwahrlosung, die er dort erlebte, brachte ihn dazu,bereits ein Jahr nach seinem Antritt als Oberlehrer das „Rauhe Haus“ zu gründen. Er kümmerte sich um die Kinder und gab ihnen eine Chance auf ein geordnetes Leben, ohne Diebstahl, Gewalt und Lügen. Über die Jahre hat das „Rauhe Haus“ sich weiter entwickelt. Es hilft heute wie zu damaligen Zeiten noch immer Kindern und Jugendlichen, stellt inzwischen aber auch noch eine Sozialpsychiatrie und Altenhilfe sowie Behindertenhilfe bereit.

Seit 1833 bietet das „Rauhe Haus“ den Jugendlichen eine neue Familie. Neben Lernen und Arbeiten wurde auch viel gefeiert. Das Weihnachtsfest wurde von den Kindern aufs Sehnlichste herbeigewünscht. Natürlich konnten sie es kaum erwarten und fragten Wichern oft, wie lange es bis Weihnachten denn noch dauern würde.

Der erste Adventskranz bestand aus einem großen Wagenrad, welches mit 23 Kerzen bestückt wurde – 19 kleine, rote und vier große, weiße Kerzen.
Ein Wichern-Adventskranz in der Laurentiuskirche in Bezgenriet. Von Hamburg aus breitete sich der Brauch erst in Norddeutschland und anschließend in ganz Deutschland aus. Foto: imago/Horst Rudel
 

1839 entschloss Wichern sich dazu, 23 Kerzen aufzustellen, für jeden Tag bis Weihnachten eine. Für die Adventssonntage stellte er große, weiße Kerzen auf ein Wagenrad. Für die Wochentage kleine, rote. Jeden Tag wurde nun eine weitere Kerze angezündet. Der erste Adventskranz war geboren.

Die erste Kerze wurde immer am ersten Advent angezündet und von da an kam immer ein Licht mehr hinzu. Deshalb änderte sich jedes Jahr die Zahl der Kerzen vom ersten Advent bis zum Heiligen Abend. Erst elf Jahre nach der Erfindung wurde das Wagenrad mit Tannengrün geschmückt.

Johann Wichern leitete das „Rauhe Haus“ zu einer Zeit, in der viel Armut herrschte. Viele Kinder und Jugendliche lebten auf Hamburgs Straßen und mussten betteln oder klauen. Wichern bot den Kindern ein Dach über den Kopf.
Jedes Mal zur Weihnachtszeit fragten sie ihn, wie lange es noch bis Heiligabend dauert. 1839 stellte er zum ersten Mal Kerzen auf, um den Kindern die Restzeit bis Weihnachten zu verdeutlichen.
Johann Wichern leitete das „Rauhe Haus“ zu einer Zeit, in der viel Armut herrschte. Viele Kinder und Jugendliche lebten auf Hamburgs Straßen und mussten betteln oder klauen. Wichern bot den Kindern ein Dach über den Kopf. Jedes Mal zur Weihnachtszeit fragten sie ihn, wie lange es noch bis Heiligabend dauert. 1839 stellte er zum ersten Mal Kerzen auf, um den Kindern die Restzeit bis Weihnachten zu verdeutlichen. Foto: imago/McPHOTO/Godowitsch
 

Heute erstrahlt in vielen Wohnungen die kleine Variante des Adventskranzes. Die vier großen Kerzen der Adventssonntage sind geblieben. Und noch immer zählt der Kranz die Zeit bis zum Heiligen Abend.

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