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Verbrechen in SH : 15-Jahres-Hoch bei Einbrüchen: So können Sie sich schützen

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Alle dreieinhalb Minuten wird ein Wohnungseinbruch in Deutschland verübt – der höchste Stand seit 15 Jahren. Das Konzept der Schleswig-Holsteinischen Landespolizei gegen die Einbrecher scheint wirkungslos.

Flensburg | Eine brutale Räuberbande hält derzeit den Süden Schleswig-Holsteins in Atem. Für mindestens elf Überfälle soll die Bande seit 2010 verantwortlich sein. Dabei geht sie ausgesprochen skrupellos vor: Nachdem sie über mehrere Tage ihr nächstes Opfer ausbaldowert haben, schlagen sie zu. Nachts steigen sie in die Häuser ein – und stehen plötzlich mit Messern oder Schusswaffen am Bett, um die Bewohner zu wecken und sie zu zwingen, ihnen die Wertgegenstände auszuhändigen.

Die Bande ist besonders skrupellos, doch sie ist bei weitem nicht die einzige, die derzeit im Land ihr Unwesen treibt. Allein in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres hat die Polizei in Schleswig-Holstein knapp 5900 Wohnungseinbrüche registriert. Nur jeder achte Fall wurde aufgeklärt, wie das Innenministerium mitteilte. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres wurden etwa 5500 Taten gemeldet, von denen nur knapp jede zehnte aufgeklärt wurde.

Wohnungseinbrüche – gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit keine Seltenheit. Deshalb hatte die Landespolizei 2012 eine neue Strategie aufgelegt. Überregionaler, insbesondere auf organisierte Banden ausgerichtet sind die Ermittlungen seitdem. Doch statistisch deutlich nachweisbare Erfolge lässt das Konzept bis heute vermissen. Denn Einbrüche sind nach wie vor ein Sorgenkind der Polizei. Die Zahl der angezeigten Wohnungseinbrüche in Schleswig-Holstein ist von 2012 auf 2013 nur unwesentlich zurückgegangen – von 7654 auf 7534.

Zum Vergleich: 2005 waren in Schleswig-Holstein erst 4996 Einbrüche erfasst worden. Die Aufklärungsquote ist sogar noch weiter gesunken: von 11,3 Prozent im Jahr 2012 auf 10,2 Prozent im vergangenen Jahr. Zugleich wird der Appetit der Täter immer größer: Die Zahl der versuchten Einbrüche stieg von 3008 im Jahr 2012 auf 3037 im Jahr 2013.

Eine Änderung ist nicht in Sicht. Der Sprecher des Landespolizeiamts, Lothar Gahrmann, kommt zu der Erkenntnis: „Die Aufklärungsquote wird durch das neue Landeskonzept kaum beeinflusst. Wir halten es für einen richtigen Schritt – müssen aber nach wie vor sagen: Wir haben das Problem nicht wirklich im Griff.“

Appelle an die Bürger

Deshalb setzen Innenministerium und Polizei verstärkt auf die Hilfe der Bürger. Innenminister Stefan Studt appelliert an die Bürger, ihre Häuser und Wohnungen gegen Einbrüche zu sichern. Kaum einem anderen Delikt könne besser vorgebeugt werden, so Studt. „Melden Sie uns verdächtige Beobachtungen, gerade in dieser dunklen Jahreszeit“, ergänzt Jürgen Niemann, Leiter der Präventionsstelle der Polizeidirektion Lübeck. Dazu sollten Bürger Fenster auch bei kurzen Abwesenheiten nicht kippen. „Das ist, als ließe man sie ganz offen stehen.“ Technische Neuerungen könnten zusätzlichen Schutz bieten: „Wenn ein Einbrecher eine Tür oder ein Fenster nicht in fünf Minuten aufbekommt, bricht er den Einbruch meist ab“, weiß Niemann. Allerdings sei auch hier der Bürger gefordert. „Das beste Schloss nützt nichts, wenn es nicht richtig abgeschlossen wird.

Besonders häufig wird im Hamburger Umland in Wohnungen eingestiegen. Die Polizei führt das auf die dichtere Besiedlung und die besseren Einkommensverhältnisse gegenüber anderen Landesteilen zurück. Wurde im letzten Jahr zum Beispiel im Kreis Pinneberg 1018-mal eingebrochen und im Kreis Stormarn 841-mal, passierte dies im Kreis Schleswig-Flensburg nur 265-, im Kreis Nordfriesland sogar nur 184-mal.

„Das Thema Einbruchschutz liegt uns am Herzen“, sagt Sandra Mohr, Sprecherin der für den Kreis Pinneberg zuständigen Polizeidirektion Bad Segeberg. Kein Wunder: Bei 42,6 Prozent aller registrierten Straftaten im Kreis Pinneberg handelt es sich um Diebstahldelikte, zu denen Einbrüche in Wohnungen zählen. In speziellen Fahndungsgruppen sind nun auf den Polizeirevieren ganz gezielt Beamte vorgehalten, die ausschließlich für diese Aufgabe zuständig sind. „Damit versprechen wir uns, frühzeitig Erkenntnisse über die Tatstrukturen und Täter zu erlangen und schnell auf neue Serien reagieren zu können“, erklärte Mohr.

Sechs Tipps: Wie Sie sich gegen Einbrüche schützen

Tipp 1: Schützen Sie Türen und Fenster mit zusätzlichen Sicherungen. Balkontüren und Fenster sollten auch geschlossen werden, wenn man nur kurz das Haus verlässt.

Tipp 2 :Lampen mit Zeitschaltuhren täuschen Ihre Anwesenheit vor und schrecken Einbrecher ab.

Tipp 3: Briefkasten während des Urlaubs von Nachbarn leeren lassen.

Tipp 4: Einbruchsschutz bietet soziale Kontrolle in der Nachbarschaft. Melden Sie verdächtige Personen, Fahrzeuge und Beobachtungen der Polizei.

Tipp 5: Wertsachen nicht offen herumliegen lassen. Wichtige Dokumente und Schmuck in einem Bank-Schließfach  oder im Tresor aufbewahren.

Tipp 6: Eine Hausratversicherung ist ein Muss. Sie kommt für Schäden nach Einbrüchen auf. Versicherungen vergleichen und bei Abschluss auf Diebstahlsklausel achten.

Durch Ermittlungen nach dem neuen Fahrplan hat die Polizei in Schleswig-Holstein seit Herbst 2012 in 175 Fällen Täter oder Tätergruppen identifiziert und festgenommen. Wie viele einzelne Straftäter dahinter stehen, kann Gahrmann nicht beziffern. Nur soviel: Hinter den 175 Fällen stünden „etliche hundert Einbrüche“. 2013 ermittelte die Polizei zwischen Nord- und Ostsee insgesamt 764 Tatverdächtige für Wohnungseinbrüche. Zum Vergleich: 2012 waren es noch 864.

Stellenabbau weiter in Kritik

Umstritten ob dieser Zahlen bleibt der vom Innenminister angekündigte Stellenabbau bei der Polizei. Studt streicht 122 von insgesamt 8300 Stellen, dazu kommen weitere 160 Dienstposten, die schon heute unbesetzt sind. Die Gewerkschaft der Polizei sieht dies nach wie vor kritisch. Der Personalabbau im Bundesland mit der geringsten Polizeidichte führe „zu einer veränderten Sicherheitsarchitektur im Lande“. Laut Statistikamt hat Schleswig-Holstein schon heute mit 121 Euro pro Einwohner die geringsten Ausgaben für die Polizei bundesweit und weist mit 2,7 Polizisten pro 1000 Einwohner bereits jetzt die geringste Polizeidichte auf.

Das Land Brandenburg dagegen hat auf die steigende Zahl von Wohnungseinbrüchen reagiert. Dort hat sich die Anzahl der versuchten oder gelungenen Einbrüche seit 2009 fast verdoppelt. Nun korrigierte die Potsdamer Landesregierung ihre Polizeireform, die vorsah, die Zahl der Polizisten im Land bis zum Jahr 2020 auf rund 7000 Stellen zu senken. Die jetzt überarbeiteten Pläne sehen vor, dass die Marke von 7800 Polizisten nicht unterschritten werden soll.

„Gerade Wohnungseinbrüche bedeuten für die betroffenen Bürger einen massiven Eingriff in ihre Privatsphäre und berühren ihr Sicherheitsgefühl in besonderem Maße“, bilanziert Polizeisprecher Steffen Salow und rät nochmals: „Aufmerksamkeit ist wichtig, häufig wird die Wohngegend von den Banden vorher ausgekundschaftet.“ Auffälligkeiten sollten der Polizei gemeldet werden. Außerdem: „Wo Nachbarn gut zusammenhalten, haben es Einbrecher meist schwerer“, so der Hauptkommissar.

Blaulichtmonitor



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erstellt am 08.Feb.2015 | 11:56 Uhr

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