Urteil im Prozess in Potsdam : 15 Jahre für Vater aus SH: Er flößte seiner Tochter Reinigungsmittel ein

Der Vater bestreitet bis zuletzt die Vorwürfe. Wegen versuchten Mordes muss er in Haft.
Vor dem Langericht Potsdam geht es im Prozess um die Vergiftung eines Mädchens.

Ein Vater soll seiner Tochter über Monate Desinfektions- und Reinigungsmittel verabreicht haben. Das Kind überlebte.

shz.de von
09. Juli 2015, 15:27 Uhr

Potsdam | Nach Gift-Attacken auf ein Kleinkind ist der angeklagte Vater zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht sprach den 37-Jährigen aus Schleswig-Holstein am Donnerstag unter anderem wegen versuchten Mordes schuldig. Die Anklage hatte ihm vorgeworfen, seiner Tochter mehrfach Desinfektionsmittel oder zitronensäurehaltige Reinigungsmittel verabreicht zu haben. Das Mädchen war damals acht Monate alt. Der beschuldigte Tierpfleger hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor lebenslange Haft für den Vater gefordert. Nach knapp vier Monaten Verhandlung vor dem Landgericht Potsdam hält sie den 37-Jährigen aus Seedorf in Schleswig-Holstein für überführt. Er sei des versuchten Mordes sowie der Misshandlung von Schutzbefohlenen und gefährlicher Körperverletzung schuldig, hieß es im Plädoyer am Donnerstag. Der Angeklagte habe Hassgefühle für seine Tochter entwickelt. Darum habe er der anfangs acht Monate alten Emelie von März bis Juni 2014 mehrfach einen Gift-Cocktail aus Desinfektions- und Reinigungsmitteln verabreicht.

Weil sie nicht mehr zunahm und wuchs, war das kleine Mädchen ab März 2014 immer wieder ins Krankenhaus gekommen. Erst in Neumünster, schließlich in Brandenburg an der Havel. Dort schöpften die Ärzte Verdacht: Der Zustand des Mädchens verschlechterte sich immer im Beisein der Eltern. Abgesehen von Medizinern und Pflegepersonal waren sie die einzigen, die Zugang zu dem Mädchen hatten.

Eine natürliche Ursache für die Lungenprobleme des Mädchens sei auch in Neumünster nicht gefunden worden. Oft sei das Kind in einem guten Zustand entlassen worden, Stunden später waren Mutter und Kind wieder im Krankenhaus, schilderte ein Mediziner. Auch während des Klinikaufenthalts sei es zu unerklärlichen Zwischenfällen gekommen. Er schloss nicht aus, dass die Verabreichung von Desinfektionsmitteln Ursache für die Gesundheitsprobleme des Mädchens waren.

Insgesamt zwölf Fälle der Giftverabreichung listete die Anklage auf. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wollte der Mann aus Seedorf sein Kind töten, weil es ihm bei einer neuen Beziehung im Weg stand.

Der 36-Jährige bestreitet die Vorwürfe. „Ich liebe meine Kinder“, sagte der Tierpfleger beim Prozessauftakt. Ohne die Mutter des Mädchens direkt zu bezichtigen, versuchte er, den Verdacht auf sie zu lenken. „Ich weiß, dass ich meiner Tochter nie etwas antun könnte“, erklärte er. Es bliebe nur seine Ex-Partnerin.

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