Rendsburg : 103 Dezibel ohne Vorwarnung

Tribünenplatz: Frauke Pugellies und Rainer Wiese erleben die Gleisbauarbeiten  aus nächster Nähe mit.  Foto: org
Tribünenplatz: Frauke Pugellies und Rainer Wiese erleben die Gleisbauarbeiten aus nächster Nähe mit. Foto: org

Sirenen schrillten durch die Nacht und rissen Rendsburger Anwohner aus dem Schlaf. Ganz ohne Vorwarnung hat die Bahn Sanierungsarbeiten an einer Brücke eingeläutet.

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10. August 2011, 09:37 Uhr

Rendsburg | Das vergangene Wochenende begann mit einem schrillen Missklang. "Gegen 22 Uhr wären wir fast vom Sofa gefallen", erzählt Frauke Pugellies, die im Apenrader Weg wohnt. Der Sirenenton kam mit 103 Dezibel wie aus heiterem Himmel - und wiederholte sich über das gesamte Wochenende alle zehn Minuten. "An Schlaf war nicht wirklich zu denken."
Die Ursache der Dauerstörung kam von der Bahnbrücke über den Sundewitter Weg, die gerade saniert wird. Noch bis zum 18. August werden Schienen und Schwellen zwischen Osterrönfeld und Owschlag ausgetauscht - und das sei leider mit Lärm verbunden, sagte Bahn-Sprecher Dirk Pohlmann auf Nachfrage des sh:z. An die Geräuschkulisse von der nahe gelegenen Strecke hat sich die Familie Pugellies längst gewöhnt. "Wer ein Haus an der Hochbrücke kauft, weiß, was ihn erwartet - das hören wir schon gar nicht mehr", sagt Frauke Pugellies, "was mich ärgert ist die Tatsache, dass uns niemand informiert hat."
Sirene vor dem Fenster einer Zweijährigen
Das sieht Nachbar Rainer Wiese, dessen Haus noch näher an der Baustelle liegt, genauso. Immerhin erreichte er durch ein Gespräch mit dem Bauleiter, dass die Sirene, die die Arbeiter vor nahenden Zügen warnt, nicht mehr direkt auf das Fenster gerichtet wurde, hinter dem die zweijährige Tochter Hanna schläft. "Das war ein nettes Entgegenkommen, aber wir hätten uns doch sehr gewünscht, über die Baumaßnahme vorher informiert zu werden."
Dirk Pohlmann entschuldigte sich im Gespräch mit dem sh.z bei den Anwohnern für dieses Versäumnis. "Das ist ein ärgerlicher Fehler, der bei uns liegt. Das geht natürlich gar nicht. Wir werden das noch einmal intern thematisieren und uns an die Anwohner wenden."
"Ruhestörende Geräusche auch nachts lassen sich leider nicht vermeiden"
Die Erneuerung von Schienen und Schwellen in der Schleife gehört zu einem Projekt, in das zwischen Neumünster und Flensburg insgesamt sieben Millionen Euro investiert werden. Die Abschnitte Osterrönfeld - Rendsburg und Rendsburg - Owschlag werden noch bis zum 18. August bearbeitet. In dieser Zeit kommen rund um die Uhr ein Schienenkran, Bagger und Arbeitszüge zum Einsatz. Signalhörner sorgen für die Sicherheit der Gleisbauarbeiter. "Trotz des Einsatzes moderner lärmgedämpfter Arbeitsgeräte lassen sich ruhestörende Geräusche auch nachts leider nicht vermeiden", erklärte Pohlmann, "wir bitten die Betroffenen um Verständnis für die Unannehmlichkeiten." Für Frauke Pugellies und Rainer Wiese kein Thema. "Natürlich müssen die Arbeiten sein. Man hätte uns nur rechtzeitig darüber informieren müssen.
Aber nicht nur die Anwohner in der Schleife, sondern auch die Bahnreisenden müssen noch länger mit den Auswirkungen der Bauarbeiten leben: Schon in dieser Woche fallen einige Fahrten zwischen Neumünster aus, nach dem Wochenende kommt der Bahnverkehr bis zum bis zum 26. August auf dieser Strecke fast komplett zum Erliegen. Die Züge werden durch Busse ersetzt, die Fahrzeit verlängert sich dadurch jedoch um bis zu 50 Minuten. Über geänderte Abfahrtszeiten und gestrichene Fahrten informiert die Bahn über Aushänge und Durchsagen in den Bahnhöfen sowie im Internet unter www.deutsche bahn.com/bauarbeiten.
(org, shz)

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