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„Blaulichtreport-Lübeck“ : Panik durch Facebook-Post: Polizei verfolgt „Fake News“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Weil er eine falsche Warnung vor einem Amoklauf verbreitete, drohen einem Lübecker jetzt Konsequenzen.

Lübeck | „Die Polizei sucht mit Spezialkräften einen Amokläufer“ – diese Falschmeldung kursierte nach einem Familiendrama in Reinsbek (Kreis Segeberg) in sozialen Netzwerken. Auf Facebook wurde sie 317 mal geteilt. Der Verfasser schrieb, die Polizei habe Anwohner gebeten, die Öffentlichkeit zu meiden. Das löste bei vielen Bürgern Panik aus.

Die Polizei von Schleswig-Holstein geht nun erstmals gegen den Urheber einer solchen „Fake News“ vor und betritt damit juristisches Neuland. „Wir wollen zeigen, dass eine Falschmeldung konkrete Folgen für den Verfasser haben kann“, erklärt Jürgen Börner, Sprecher des Landespolizeiamts.

Nachdem sich die Nachricht von einem vermeintlichen Amoklauf auf Facebook und Twitter verbreitete, begannen die Telefone bei der örtlichen Polizeiwache und in der Leitstelle zu klingeln. Börner: „Die Beamten mussten viele besorgte Bürger beruhigen. Das führte natürlich auch dazu, dass die eigentliche Arbeit behindert wurde.“

Um die Wogen zu glätten, seien zwei Beamte des Landespolizeiamtes in Kiel alarmiert worden, die noch in der Nacht versuchten, die Falschmeldungen in den sozialen Medien richtigzustellen.

„Die Landespolizei beabsichtigt jetzt, dem Urheber diese zusätzlichen Einsatzkosten aufzuerlegen“, erklärt Börner. Die Personalkosten für die Nachtschicht der Social-Media-Experten sollen sich auf mehrere Hundert Euro belaufen. „Strafrechtliche Ermittlungen sind aber nicht eingeleitet worden“, betont der Polizeisprecher. „Dafür gibt es keinen Anfangsverdacht.“

Dennoch ist das Motiv für die Falschmeldung unklar. Sie erschien auf der Facebookseite „Blaulichtreport-Lübeck“ und dem Twitter-Account gleichen Namens. Der Betreiber äußerte sich am Montag auf Nachfrage nicht zu seiner Motivation. Auf seiner Seite musste er bereits heftige Kritik für die falsche Meldung einstecken. Ein Kommentator schrieb: „Familienstreitigkeiten, kein Amokläufer. Einfach mal das erste Statement der Polizei abwarten.“ Der „Blaulichtreport Lübeck“ antwortete: „Das erste Statement war: Amoklage nach häuslicher Gewalt.“ Und fügte dann kleinlaut hinzu: „Gott sei Dank ist das nicht so.“

Bei dem Familiendrama am 20. März hatte ein junger Mann (19) Eltern und Bruder mit einem Beil und einem Messer verletzt. Er war zu Fuß geflüchtet, was eine große Fahndungsaktion auslöste. Wenig später stellte sich der Verdächtige in Hamburg.

Schon einmal hat eine Falschmeldung im Norden für Wirbel gesorgt. 2016 verbreitete sich die Nachricht, die Polizei warne vor „Horror-Clowns“, die in Neumünster ihr Unwesen treiben würden. Solche „Fake News“ könnten auch strafrechtliche Konsequenzen haben, warnt die Polizei. Je nach Inhalt und Wirkung seien Ermittlungen möglich, sagt Börner und weist auf eine weitere Gefahr der Echtzeitberichterstattung in sozialen Medien hin. „Durch Bilder von Polizeieinsätzen können unsere Maßnahmen gefährdet werden. Etwa, wenn Beamte ein Gebäude umstellen, in dem sich Straftäter verstecken. Diese könnten daraus Vorteile für ihre Flucht oder gar Angriffe auf Einsatzkräfte ziehen.“

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erstellt am 04.Apr.2017 | 09:37 Uhr

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