Normenkontrollklage : OVG Schleswig: Studienleiter arbeiten zu viel

Betreuern von Referendaren werden Fahrtzeiten nicht korrekt angerechnet. Das Land muss neue Regel schaffen.

Kay Müller von
23. Juni 2018, 14:52 Uhr

Schleswig | Die Freude ist Angela Grählert anzumerken. „Das ist ein großer Erfolg für mich und alle Kollegen“, sagt die Studienleiterin am Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH). Die 61-jährige Kielerin hatte Normenkontrollklage gegen das Land eingereicht, weil sie der Ansicht war, dass nach einer neuen Landesverordnung aus dem Jahr 2016 die über 300 Studienleiter zwar mehr arbeiten, dafür aber keinen adäquaten Ausgleich bekommen. Nun hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) Schleswig der Lehrerin in Teilen Recht gegeben.

Zwar hielten die Richter die Arbeitszeiten, die das Land mit Pauschalen veranschlagt hat, für rechtens. Allerdings wiesen sie das Bildungsministerium darauf hin, dass „der gesetzliche Rahmen der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit in Höhe von 41 Stunden zu beachten“ sei. „Vor allem aber wird die Zeit, die wir im Auto sitzen, nun besser angerechnet“, sagt Grählert. Bislang hatten die Studienleiter, die für die Fort- und Ausbildung von Lehrern im ganzen Land unterwegs sind, für Strecken nur pauschale Zeitansätze bekommen. „Wenn ich aber von Kiel nach Eckernförde fahre, brauche ich nicht 30 Minuten – so wie es die Pauschale vorsieht – sondern eben 45 oder auch mal mehr, wenn viel Verkehr ist“, sagt Grählert. Dass die Regel nun außer Kraft sei könne für manche Studienleitern eine Entlastung von mehreren Stunden Arbeit pro Woche ausmachen. Denn Grählert geht davon aus, dass sie jetzt jede gefahrene Minute abrechnen kann, zumindest bis das Ministerium – wie vom OVG gefordert – eine neue Regelung zu den Fahrtzeiten erlässt.

Das Bildungsministerium will die schriftliche Begründung des Urteils abwarten und auswerten. „Im Rahmen einer möglichen Neuregelung werden selbstverständlich alle Betroffenen beteiligt“, sagt Ministeriumssprecherin Beate Hinse.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat da schon einige Forderungen. „Die Arbeitsbelastung muss runter. Studienleiter arbeiten zu viel. Sie haben nicht genügend Zeit, um ihre Ausbildungsgruppen angemessen betreuen zu können“, sagt die GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke. Es gebe immer weniger Lehrer, die nebenamtlich für das IQSH als Studienleiter arbeiten wollen. „Die Entlastung für Studienleitertätigkeit ist zu gering, wenn eine normale Ausbildungsgruppe betreut werden soll“, bemängelt Henke. Auch Zeiten für eigene Fortbildungen, die Einarbeitung von Kolleginnen und Kollegen sowie die Arbeit in Teams würden zu wenig berücksichtigt.

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