Öko-Siegel : Ostsee-Hering verliert MSC-Siegel für nachhaltige Fischerei

Die Heringsfischer in der westlichen Ostsee dürfen ihre Fänge ab sofort nicht mehr als Öko-Fisch verkaufen.

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21. September 2018, 13:11 Uhr

Rostock/Sassnitz | Der Hering aus der westlichen Ostsee hat das MSC-Siegel verloren. Betroffen sind Fischer aus Deutschland, Dänemark und Schweden. Der Heringsbestand muss wieder gesunden, erst dann kann das Siegel wieder anerkannt werden.

Die Umweltorganisation Marine Stewardship Council (MSC) zertifiziert nachweislich nachhaltigen Fischfang und setzt sich für „gesunde Meere“ ein.

Die Heringsfischer in der westlichen Ostsee dürfen ihre Fänge nicht mehr als Öko-Fisch verkaufen. Am Freitag verloren die Fischer aus Deutschland, Dänemark und Schweden, die in der westlichen Ostsee Hering mit Schleppnetzen fangen, für ihre Fischerei das MSC-Siegel.

Fischereien ab sofort suspendiert

Der MSC-Umweltstandard verbiete die Befischung von Beständen, die keine nachhaltige Größe haben und in ihrer Regeneration beeinträchtigt seien, begründete Stefanie Kirse, Leiterin des MSC Deutschland, die Suspendierung der Fischereien.

Fischer hatten die Aberkennung des Siegels in den vergangenen Wochen immer wieder kritisiert. Auch die Fischverarbeitung befürchtet, dass damit Hering aus der westlichen Ostsee schwerer zu vermarkten ist.

Fischer fürchten Gewinneinbußen und Fangquoten-Reduktion

Den Fischern droht ein Preisverfall ihrer Ware. Im Frühsommer hatte der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) den Mindestwert für die notwendige Biomasse an erwachsenen Heringen in der westlichen Ostsee von 90.000 auf 120.000 Tonnen heraufgesetzt. Damit rutschte der Heringsbestand mit einer Größe von aktuell etwa 105.000 Tonnen unter den Referenzwert.

Den Heringsfischern steht eine schwierige Saison bevor. Nach dem Verlust des MSC-Siegels droht den Fischern zudem eine drastische Fangquoten-Absenkung. Die EU-Kommission empfiehlt für 2019 eine Reduzierung um 63 Prozent. Der ICES hatte sogar einen Fangstopp gefordert. Die Fischer müssten nun innerhalb von 90 Tagen einen Aktionsplan vorlegen, in dem sie Maßnahmen benennen, wie der Heringsbestand gesunden könne, sagte eine MSC-Sprecherin.

Schwache Nachwuchsproduktion gefährdet Fischbestand

Voraussetzung für eine Wiederanerkennung des Siegels sei, dass der Bestand den Mindestwert für die notwendige Biomasse an erwachsenen Heringen wieder überschreitet. Als eine wesentliche Ursache für die angespannte Situation des Heringsbestands gilt seine anhaltend schwache Nachwuchsproduktion.

Forscher des Rostocker Thünen-Instituts für Ostseefischerei gehen davon aus, dass sich wegen klimabedingt höherer Wassertemperaturen im Frühjahr in den Laichgebieten der Ostsee wie im Greifswalder Bodden die Larven nicht mehr optimal entwickeln. Die Fischer können diese biologischen Ursachen nicht beeinflussen. Zur Gesundung des Bestandes können sie nur mit Fangbeschränkungen beitragen.

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