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Konzert der „African Angels“ : Opernchor aus Südafrika kommt nach Hamburg

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Sänger kommen zum Teil aus ärmlichen Townships und konnten zu Beginn keine Noten lesen. In Hamburg präsentieren sie Verdi, Gershwin - und Klänge ihrer Heimat.

Hamburg | „Caro mio ben?“ Nein, von der berühmten Arie hatte Bukelwa Velem noch nie etwas gehört – und Italienisch verstand die Südafrikanerin schon gar nicht. Doch der Chorleiter drückte ihr die Kassette mit den Klassik-Hits von Giordano, Verdi & Co einfach in die Hand und riet der jungen Frau genau hinzuhören, um sich so auf die Auditions in Kapstadt vorzubereiten. „Ich wusste nicht, was Klassik ist, sondern war nur dankbar für diese Chance“, erinnert sich die heute 33-Jährige, die bis dahin lediglich im Chor in der Schule und der Gemeinde gesungen hatte. „‚Caro mio ben‘ habe ich dann einfach durchs Hören einstudiert – und jedesmal, wenn ich das Lied zu Hause übte, haben mich alle gefragt, was ich da denn eigentlich sänge …“

2013 wurden die „African Angels“ aus Südafrika zum Besten Opernchor der Welt gekürt. Die oftmals aus den Townships stammenden Sängerinnen und Sänger vermögen, einen „aufregenden, variationsreichen Klang“ zu erzeugen, der nun auch in Hamburg zu erleben sein wird.

Vergangenheit. Längst können nicht nur alle in der Familie Velem den Hochzeits-Klassiker trällern, sondern die dunkelhäutige Sopranistin singt inzwischen bereits seit über einem Jahrzehnt im Chor der Cape Town Opera (CTO). Klingt wie ein kleines Märchen oder die Geschichte einer wundersamen Entdeckung – und ist doch Normalität in Südafrika. Sofern sich denn angesichts von Slums, Aids, Hunger und windschiefen Baracken von Normalität sprechen lässt. Und doch können viele der „African Angels“, wie die 23 Chordamen und -herren im Volksmund genannt werden, solche und ähnliche Geschichten erzählen, denn der Gesang ist am Kap der guten Hoffnung ein Teil des Alltags, von der Geburt bis zum Tod.

„Singen gehört hier zum Leben wie das Atmen“, spitzt Michael Williams die Bedeutung noch zu – und der weiße Südafrikaner muss es wissen: Leitet der Mann mit dem imposanten, kahlen Schädel doch Südafrikas einziges Opernhaus mit ganzjährigem Spielbetrieb seit dessen Gründung 1999. „Es gibt hier eine wohl einzigartige Tradition des Chorgesangs“, sagt der Intendant. Keine Grundschule noch im kleinsten Dorf ohne nicht mindestens einen Kinderchor, keine Hochschule, an der es nicht gleich mehrere Ensembles gäbe – und in den Gemeinden haben die Kirchenchöre oft einen größeren Anteil an der Gestaltung der Gottesdienste als der Prediger. „Ohne dass deren Mitglieder jemals Gesangsunterricht gehabt hätten, ja, oftmals kennen sie noch nicht einmal Noten“, erzählt CTO-Chorleiter Marvin Kernelle. „Sie machen sich auch keine Gedanken um Technik – viel entscheidender ist für sie, Körper und Stimme in Harmonie zu bringen und sich zu ihren Gefühlen zu bekennen.“

Manch europäischer Gesangslehrer mag da die Stirn runzeln, doch das Ergebnis begeistert am Ende selbst westeuropäische Opernkenner: Es sei ein „bewundernswürdiger, variationsreicher und aufregender Klang“, der den CTO-Chor auszeichne, befand die Jury des International Opera Award und kürte die African Angels 2013 unter 1500 weltweit nominierten zum besten Opernchor des Jahres. Stolz? „Vor allem haben wir uns sehr gefreut, dass damit endlich mal eine positive Nachricht aus Afrika in die Welt gesandt wurde“, sagt Williams.

Zudem hat die Auszeichnung daheim den Vorbild-Charakter des Chores für viele Kinder und Jugendliche verstärkt: Reisen doch zehn Sänger jedes Jahr drei Wochen lang 2000 Meilen durchs Land, um ihre Begeisterung für die Oper in die Schulen zu tragen. Quer durch endlose Halbwüsten und Wüsten in die entlegensten Winkel, jenseits der attraktiven Städte hinein in die Townships, um auch dort die junge Generation für den Gesang und das Musiktheater zu gewinnen.

Wobei: Wirklich gewonnen werden muss hier niemand mehr. Nicht selten schmettern auf den Schulhöfen schon Teenager treffsicher Bravourarien, stimmen Halbwüchsige Mozart-Duette an oder bekennen im Ensemble ihre Leidenschaft für die angeblich überholte und angestaubte Oper. Und so sind denn bei diesen Tages-Gastspielen der CTO neben deren Aufführungen vor allem die Workshops der Profis heiß begehrt, brennen die Schülerinnen und Schüler nach Atemübungen oder ein paar Coaching-Tipps.

Denn, auch das ist bei aller Stimm-Verrücktheit klar: Oper bietet gerade für Kinder aus den Armenvierteln die Chance, sich „hochzusingen“. Selbst wenn die staatliche Unterstützung für das Musiktheater hier weit dürftiger ausfällt als etwa in Deutschland und Jobgarantien ein Fremdwort sind. „Doch eben das steigert den Enthusiasmus unserer Sänger für ihre Arbeit eher noch“, hat Williams festgestellt und aus der Not eine Tugend gemacht: Der Intendant entwickelte die Idee, die Oper und vor allem ihren Chor mit Inszenierungen und Shows auf Tour in alle Welt zu schicken. So finden sich im aktuellen Programm „African Angels“, mit dem der Chor im Februar auf Deutschlandtour ist, neben Verdi-Chören und Gershwin-Songs auch Gospels und typische südafrikanische Lieder.

Was all diese verschiedenen Genres verbindet, ist die Leidenschaft ihrer Interpretation: „In Südafrika leben wir die Musik und denken nicht darüber nach“, sagt Bukelwa Velem. Noch gut erinnert sich die Sängerin an ihre erste Gesangsstunde in der Ausbildung an der CTO: „Ich habe weder mit den Noten etwas anfangen können, noch mit den Erklärungen zur Technik – es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich verstanden habe, wie ich die Gesangstechnik für mich nutzen kann.“ Und ihre Sopran-Kollegin Busisiwe Ngejane fügt hinzu: „Europäische Sänger sind geprägt von der Stimmtechnik – bei uns steht die Leidenschaft im Vordergrund.“

Die „African Angels“ live: Mittwoch, 24. Februar, 20 Uhr, Hamburg, Laeiszhalle; Karten: 040/35766666.

 

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erstellt am 14.Feb.2016 | 17:08 Uhr

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