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Mehr Schokolade, weniger Bier : Øl-Krise im Grenzhandel: Dänischer Konsum in Deutschland seit 2005 fast halbiert

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Aus der Onlineredaktion

Die Spendierlaune der Dänen hat sich gelegt. 2015 wanderte über eine Milliarde Euro weniger über die Grenze als vor zehn Jahren.

shz.de von
erstellt am 15.Jun.2016 | 11:49 Uhr

Flensburg/Kopenhagen | Die Übernachtungszahlen steigen, die Gier nach günstigen Bierpaletten geht zurück: So lässt sich der Wandel des Konsumverhaltens der Dänen südlich der Grenze zusammenfassen. 2015 ist der Anteil des Grenzhandels am gesamten Privatverbrauch der Dänen sogar erstmals unter ein Prozent gefallen, meldet die Zeitung „Jyllands-Posten“ am Mittwoch. Dieser Trend ist nicht neu. Wie frisch veröffentlichte Zahlen des dänischen Steuerministeriums zeigen, kaufen die nördlichen Nachbarn in Deutschland deutlich weniger ein als noch vor zehn Jahren. Demnach ist das Kaufvolumen der Dänen seit 2005 um 8,7 Milliarden Kronen (1,17 Mrd. Euro) zurückgegangen – das sind fast 50 Prozent weniger als zuvor.

Nicht nur für Bier und Soda, sondern auch für den Kauf von Dingen des täglichen Bedarfs kommen viele Süd-Dänen nach Deutschland – zum Leidwesen der dänischen Grenzstädte, die ausbluten. Allerdings zeigen die Zahlen, dass der Trend seit Jahren rückläufig ist.


Aus Sicht der Regierung hat zu dieser Änderung im Kaufverhalten der Dänen vor allem der sogenannte Wachstumsplan im Jahre 2013 beigetragen, der eine deutliche Abgabensenkung bei Bier (Dänisch „øl“) und Limonaden herbeiführte. Laut Bericht des Ministeriums ist das Grenzhandelsvolumen allein in den letzten beiden Jahren um rund drei Milliarden Kronen gesunken.

Bieranhänger auf der Puttgarden-Fähre.
Bieranhänger auf der Puttgarden-Fähre. Foto: dpa

Während vor allem der Handel mit Bier deutliche Rückgänge aufweist, ist der Einkauf von Schokolade in den Grenzläden jedoch gestiegen. Der Umsatz von Wein ist konstant geblieben. Die Chefberaterin der dänischen Handelskammer, Marie Louise Thorstensen, ist zwar zufrieden mit den neuen Zahlen, sieht aber einen Bedarf an weiteren Abgabensenkungen. Die Abgaben für Wein, Süßigkeiten und Schokolade sind 2015 gestiegen und sollen 2018 sogar noch erhöht werden. „Das müssen wir stoppen“, sagte sie laut Jyllands-Posten.

Steuerminister Karsten Lauritzen freut sich über die neuen Zahlen: „Je mehr Handel wir im eigenen Lande haben, desto mehr Arbeitsplätze können wir in Dänemark behalten“. Eine weitere Abgabensenkung ist nach seinen Worten zurzeit aus finanziellen Gründen nicht durchführbar, aber die Regierung will die komplizierte Abgabenstruktur in Dänemark vereinfachen.

Das Milliarden-Geschäft Grenzhandel ist seit dem Wegfall von Industriebetrieben wie Motorola, der Butterfahrt und Bundeswehr-Standorten eines der wichtigsten wirtschaftlichen Standbeine der grenznahen Städte und Dörfer auf der deutschen Seite. Ein großer Streitpunkt bleibt weiterhin die Regelung zum Dosenpfand, von der der Grenzhandel bislang widerrechtlich ausgenommen ist.

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