zur Navigation springen

Kopenhagen : Offensive gegen den Gäste-Schwund

vom

Dänische Tourismus-Hochburgen planen gemeinsame Werbekampagne in Deutschland. Kontinuierlicher Rückgang der Gästezahlen.

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2013 | 07:30 Uhr

kopenhagen | Anstatt sich um die Reste zu streiten, schließen sich die jütländischen Touristenorte nun für eine Kampagne zusammen, um die Deutschen zurückzuerobern. Die Zahl deutscher Übernachtungen in Dänemark ist von knapp 20 Millionen pro Jahr Anfang der 90er Jahre auf rund 13 Millionen in den letzten Jahren gefallen.

"Manchmal sind wir selbst unsere schlimmsten Feinde", meint Lars Ramme Nielsen, Marketingchef der Tourismusorganisation "Visit Denmark" in Deutschland. "Wir konkurrieren gegeneinander - Hvide Sande mit Blåvand und das wiederum mit Lemvig. Die Deutschen kennen die einzelnen Ortsnamen nicht, aber sie kennen die Nordsee. Sie ist ein Produktname, und deshalb treten wir für sie jetzt mit einer gemeinsamen Kampagne an."

Die jüngsten Zahlen deuten bisher auf weitere Einbrüche hin. Ende März hatten deutsche Kunden rechnerisch gesehen für Mai, Juni, Juli und August 135 000 Ferienwochen im Königreich gebucht - gegenüber knapp 139 000 zum vergleichbaren Zeitraum 2012 und knapp 142 000 zum vergleichbaren Zeitraum 2011.

Die neue Nordsee-Marketing-Offensive in der Bundesrepublik kostet 1,5 Millionen Kronen (214 285 Euro). Sie soll die Bundesbürger auf das Einzigartige der dänischen Westküste aufmerksam machen und verlorene Marktanteile zurückgewinnen. "Im nächsten Jahr versuchen wir uns mit einer vergleichbaren Ostsee-Kampagne", kündigt Lars Ramme Nielsen an.

Colin Seymour, Tourismuschef bei "Destination Sydvestjylland", macht da rauf aufmerksam, dass die deutsche Ostseeküste in den letzten Jahren zu einer preiswerten Alternative zu den dänischen Sommerhäusern geworden sei. Dänemark könne mit den niedrigeren Mehrwertsteuersätzen südlich der Grenze nicht konkurrieren. "Dänemark hingegen wird als teures Reiseland aufgefasst. Deshalb bleiben mehr Deutsche zu Hause", sagt Seymour. Er betont: "Wir können etwas anderes. Wir sind unter anderem für Natur und Qualität bekannt. Das müssen wir sichtbarer machen, indem wir den Fokus auf die Zielgruppe richten, die danach sucht. Das sind primär junge Familien mit Kindern und Erwachsene ohne Kinder."

Jan Møller Jensen, Tourismus-Forscher an der Süddänischen Universität, prophezeit der Kampagne Erfolg. "Um Gäste anzulocken, ist es wichtig, genau zu wissen, wen man will, und was man anbieten kann - anstatt breit und unspezifisch aufzutreten. Dem trägt die Kampagne Rechnung." Etwa allein mit einem guten Strand zu werben, sei nicht genug. "Das gibt es an zu vielen Orten ebenfalls. Es geht darum, das Einzigartige für genau Deinen Ort zu finden."

Bei allen Sorgen über den deutschen Gäste-Schwund ist Dänemark noch immer nordischer Meister. "Bevor wir allzuviele Tränen vergießen, müssen wir die Zahlen und die Entwicklung in Relation sehen", meint Marketingchef Lars Ramme Nielsen. "Dänemark hat dreimal so viele Übernachtungen Deutscher wie Norwegen, Schweden, Finnland und Island zusammen." Ramme Nielsen sieht bei den Ursachen für den Rückgang auch einen kleinen Trost. "Seit dem Fall der Mauer sind an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern 500 Prozent mehr Unterkünfte gebaut worden. Mit anderen Worten: Die Deutschen sind nicht stärker als früher von den wärmeren Ländern oder den Niederlanden abgeworben worden - sie sind einfach im eigenen Land geblieben. Letztes Jahr gab es in Mecklenburg-Vorpommern 30 Millionen kommerzielle Übernachtungen. Wenn wir davon nur fünf Prozent zu uns umlenken könnten, wären wir wieder auf Wachstumskurs."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen