Oeversee-Marsch als Symbol deutsch-dänischen Miteinanders

Kränze erinnern an die Toten der deutsch-dänischen Schlacht bei Oeversee. Foto: Metzger
Kränze erinnern an die Toten der deutsch-dänischen Schlacht bei Oeversee. Foto: Metzger

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08. Februar 2011, 06:59 Uhr

Oeversee | "Wenn Deutsche, Dänen und Österreicher im gemeinsamen Gedenken hier zusammenkommen, so erinnert das nicht nur an die humanitäre Grundeinstellung hilfsbereiter Bürger vor annähernd 150 Jahren, sondern entspricht auch unserem heutigen Selbstverständnis von einem einträchtigen, respektvollen Miteinander."

Eine eindeutige Absage formulierte Bogislav-Tessen von Gerlach, Landrat des Kreises Schleswig-Flensburg, in seiner Ansprache während des Oeversee-Marsches: gegen nationale Überhöhung oder die Vergötzung des Heldentums. Deutsche, Dänen und Österreicher, Zivilisten und Soldaten, erinnerten mit dem gemeinsamen Marsch zum 147. Mal an den Weg Flensburger Bürger, die nach dem schweren Gefecht am 6. Februar 1864 auf das Schlachtfeld von Oeversee zogen, um Verwundete zu versorgen und Tote zu bergen.

Egal, ob dieser Marsch auf das Schlachtfeld eine Legende sei oder ob über die Zahl der Teilnehmer diskutiert werde - "überdauert hat in allen Jahren die zentrale Bedeutung der zivilen, menschlichen Fürsorge für die Leidenden ohne Ansehen ihrer Nationalität", betonte der Festredner.

Zuvor hatte von Gerlach auf den Wandel der Bedeutung der Denkmäler in Oeversee hingewiesen: von Monumenten des Sieges zu Heldendenkmälern mit dem Ziel der patriotischen Bewusstseinsschärfung - "der Heldentod als Opfer für das Vaterland" - bis zum Mahnmal für den Frieden, zur Versöhnung und Verständigung über die Gräber und als Brücke über nationale Grenzen.

Der Landrat schlug die Brücke in die Gegenwart: "Haben wir inzwischen die Lektion wirklich gelernt, an die hier gemahnt wird? Können wir uns in unserem jeweiligen Verantwortungsbereich an dem messen lassen, was wir tun und nicht nur, was zu tun wäre? Diese Fragen könne er nicht verbindlich beantworten, das werde wohl auch jeder, der daran Anteil habe, für sich tun müssen. Dennoch glaube er zumindest aus südschleswigscher Sicht dazu feststellen zu können:

Eine der wichtigsten Voraussetzungen zum menschlichen Näherkommen und zum gegenseitigen Vertrauen sei die gemeinsame Gründung der Region Sønderjylland-Schleswig" - völlig unabhängig von der aktuellen Diskussion über ihre Weiterentwicklung. "Damit sind wir als grenzüberschreitende Verbundpartner, die in vielfältiger Weise verflochten sind, seit 1997 in der Lage, gemeinsam unsere Interessen zu artikulieren und deutlich unsere Stimme zu erheben. Dass auf diesem Feld noch vieles mehr möglich ist, darf jedoch nicht den Blick auf das mit erheblichen Anstrengungen bereits Erreichte verstellen."

Und es wäre großartig, wenn es gemeinsam gelingen sollte, eine neue Hauptstadt in der Region zu bekommen", bezog sich von Gerlach auf die Initiative Sonderburgs, sich mit dem gesamten Grenzland im Schlepptau als Europäische Kulturhauptstadt 2017 zu bewerben. Der Landrat zeigte sich zuversichtlich, mit "unserer aller Unterstützung und unserem einmaligen kulturellen Erbe von Gottorf, Glücksburg und Flensburg auf Südschleswiger Seite die Kandidatur Sonderburgs als Kulturhauptstadt Europas 2017 gemeinsam erfolgreich zu befördern.

Dies alles widerlege den Vorwurf einer "Schlafregion" die sich bei genauem Hinsehen in der Realität in keiner Weise bestätige.

Bei seiner Ansprache im Tarper Bahnhofshotel stellte Hans Dethleffsen, Vorsitzender des Stammkomitees von 1864 - Organisator des Marsches - fest, dass die Zahl der Teilnehmer von Jahr zu Jahr größer werde. Über 500 wanderten diesmal mit. Der Oeversee-Marsch mit seinen verbindenden Elementen entwickle sich zu einem regionalen Ereignis.

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