Öko-Landwirtschaft: Gift und Geiz als Beweggründe

'Gift und Geiz' sind zwei gute Gründe gewesen, warum er sich für den biologischen Kreislaufbetrieb entschieden hat, sagte Agraringenieur und Biobauer Dirk Kock-Rohwer aus Bönebüttel.  Foto: seiler
"Gift und Geiz" sind zwei gute Gründe gewesen, warum er sich für den biologischen Kreislaufbetrieb entschieden hat, sagte Agraringenieur und Biobauer Dirk Kock-Rohwer aus Bönebüttel. Foto: seiler

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18. Dezember 2009, 09:37 Uhr

Bönebüttel | Kann ökologischer Landbau eine Antwort auf die Probleme konventionell arbeitender Höfe sein? Diese Frage versuchte der Verband landwirtschaftlicher Fachbildung bei einer Veranstaltung in Bönebüttel zu beantworten. Biobauer Dirk Kock-Rohwer aus Bönebüttel stellte seine Arbeit vor.

Götz Daniel, Berater vom Ökoring Schleswig-Holstein, zeigte an Zahlenbeispielen, dass die Landwirte aus dem Fachverband durchaus im allgemeinen Trend schwimmen und immer noch wenige auf die Ökologische Landwirtschaft umsteigen. Der Bedarf ist da, meinte Daniel. Nicht nur die Nachfrage nach Biomilch ist deutlich gestiegen. Hier wird Milch aus Österreich oder Dänemark zugekauft, um den Bedarf auch bei Discountern zu decken. "Insgesamt ist der Bio-Umsatz allein vom Jahr 2000 bis 2006 um rund 124 Prozent gestiegen, der Anteil deutscher Bioflächen dagegen nur um 51 Prozent", erklärte Daniel.

Sein Fazit: Zu wenige Landwirte nutzen die Chancen der ökologischen Landwirtschaft. Dass diese durchaus eine gute Alternative zur konventionellen Ackerbestellung und Tierzucht sein kann, unterstrich Biobauer Dirk Kock-Rohwer. Immerhin ernährt der inklusive Pachtflächen 185 Hektar große Biohof nicht nur die Familie, sondern gibt auch noch vier Arbeitsplätze her. Seit 1991 wird der Hof biologisch bewirtschaftet. Warum? "Gift und Geiz", klärte Kock-Rohwer scherzhaft auf. Gift, weil er es nicht mag, und Geiz, weil der geschlossene Kreislauf eines biologisch bewirtschafteten Hofes auf teuren Mineraldünger und Pflanzenschutzmittel verzichten kann. Marienkäfer statt Spritze sind bei Läusebefall angesagt. Allerdings gehört dann auch die Hoffnung dazu, dass die Marienkäfer rechtzeitig aus der Winterruhe erwachen. Und auch die Kühe, die mit Kleegras, Lupinen und Getreide von den hofeigenen Flächen gefüttert werden, geben weniger Milch als ihre schwarzbunten Hochleistungsschwestern aus konventioneller Haltung. Mit Getreideerträgen von 90 Doppelzentnern pro Hektar kann der Biobauer ebenfalls nicht konkurrieren. Dafür gibt es mehr Geld für die Milch, bessere Preise bei Roggen, Hafer oder Dinkel, und auch der Ertrag aus dem Fleischverkauf ist rund 20 Cent pro Kilo besser als im konventionellen Bereich. Auf den Acker kommen nur Gründünger und Mist. Alle fünf Jahre darf der Biobauer Kalk ausbringen. Dass Getreidebau ohne den großen Chemiebaukasten auskommen kann, zeigt der Roggen auf den Feldern. Bis über zwei Meter hoch wiegen sich dessen Halme im Wind, ohne zu brechen. Halme moderner Hybridsorten brechen ohne Wachstumsbremse aus der Spritze.

"Es gab Rückschläge in den 18 Jahren", sagte Kock-Rohwer. Auch musste experimentiert werden, welche Fruchtfolgen auf seinem Land am besten funktionieren. Heute steht der Betrieb gesund da, und auch das freie Wochenende ist längst kein Fremdwort mehr.

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