Rückkehr zu Abitur nach neun Jahren : Nur vier Schulen in SH behalten G8

Bietet beide Varianten an:  Das Barmstedter Carl-Friedrich-Von-Weizsäcker-Gymnasium hat sich für das G Y-Modell entschieden.
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Nur an vier Schulen in SH gibt es bald noch die Möglichkeit, Abitur nach acht Jahren zu machen.

Die meisten Gymnasien in Schleswig-Holstein bieten ab 2019 nur noch das Abitur nach 13 Schuljahren an.

Margret Kiosz von
06. Februar 2018, 21:45 Uhr

Kiel | „Es gibt keine Signale, dass jemand bei G8 bleibt“, erklärte der Chef des Landeselternbeirats der Gymnasien bei einer Anhörung im Bildungsausschuss des Landtags zur Gymnasial-Reform. Doch jetzt – acht Monate später – sieht die Schulwelt in Schleswig-Holstein etwas anders aus. Zwar geht der Trend landesweit zu G9 – die meisten der 99 Gymnasien im Norden werden also zum Abitur nach neun Jahren zurückkehren. Doch an vier weiterführenden Schulen wird es zumindest theoretisch die Möglichkeit geben, ein Turboabi nach acht Jahren zu machen.

  • Und zwar am Elsensee-Gymnasium in Quickborn (770 Schüler),
  • am Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Gymnasium in Barmstedt (790, beide Kreis Pinneberg),
  • am Thor-Heyerdahl-Gymnasium in Kiel (650)
  • und am Coppernicus-Gymnasium Norderstedt (Kreis Segeberg).

Wobei nur letztgenanntes ein reines G8 Gymnasium bleibt. Die anderen drei Schulen streben laut Beschluss der Schulkonferenz ein paralleles Angebot von G8 und G9 an. Dieses sogenannte Y-Modell gab es bereits seit 2011 an vier Schulen im Land, drei wollen es jetzt beibehalten, obwohl bei ihnen seit zwei und mehr Jahren keine G8-Klassen mehr zustande kamen.

 

Alle Schulleiter hoffen, dass ihre Schulen für Kinder, die schneller lernen, attraktiv sind und es genügend Anmeldungen über einen G8-Zweig gibt. Sie haben mit dem Turbo-Abi positive Erfahrungen gemacht und setzen jetzt auf das Alleinstellungsmerkmal G8. Die große Mehrheit von Schülern, Lehrern und Eltern sei dafür gewesen, die Wahlfreiheit beizubehalten.

Interessant ist übrigens der Fall des Kieler Thor-Heyerdahl-Gymnasiums. Hier wurde ursprünglich das Y-Modell damit begründet, dass Schüler in diesem Stadtteil mit hohem Migranten-Anteil mehr Zeit zum Abitur brauchen. Jetzt könnte es sein, dass bildungsbeflissene Eltern, die die G8-Variante für schnell lernende Schüler bevorzugen, ihre Kinder in den Problemstadtteil schicken.

Das Coppernicus-Gymnasium in Norderstedt wird nach aktuellem Stand der Abstimmungen das einzige reine G8-Gymnasium in Schleswig-Holstein bleiben. Die Schulkonferenz – sie besteht zu je einem Drittel aus Vertretern der Eltern, Lehrer und Schüler – stimmte kürzlich für den einmal eingeschlagenen Kurs und schaffte die hohe Hürde von 75 Prozent Zustimmung, die die Landesregierung für ein Pro-G8–Votum vorgeschrieben hat. Dabei muss man wissen, dass das Coppernicus-Gymnasium schon seit Jahren als Kompetenzzentrum für besonders begabte Schüler gut etabliert ist, und aus diesem Reservoir bei den Anmeldungen für die 5. Klassen schöpfen kann.

Dass ausgerechnet Schulen am Hamburger Rand mit der G8-Variante liebäugeln, kommt dabei nicht von Ungefähr: Sie stehen in direkter Konkurrenz zu Gymnasien in der Elbmetropole, an denen (noch?) das Turboabitur gilt.

Hartes Ringen im Hamburger Umland

Da die G8-Mittelstufe in Hamburg nach Klasse zehn endet – und nicht nach Klasse neun wie bisher in Schleswig-Holstein – könnte es manchen Schüler reizen, die verkürzte Oberstufe (zwei statt drei Jahre) in Hamburg zu absolvieren. Entsprechend hart wurde auch in andern Schulen im Hamburger Speckgürtel um den zukünftigen Bildungsweg gestritten. Während die meisten Gymnasien im nördlichsten Bundesland das Thema Rückkehr zu G9 nicht einmal auf die Tagesordnung der Schulkonferenzen setzten, sondern die G9-Rückwärtsrolle der Regierung ohne Votum übernahmen, war dieses zum Beispiel in Elmshorn, Uetersen, Pinneberg oder Trittau ganz anders. Hier wurde abgestimmt und um die 75-prozentige Zustimmung gerungen. In Trittau zum Beispiel waren die Schüler für die Beibehaltung von G8, die Eltern und Lehrer für die Rückkehr zu G9.

Noch sind die Würfel zwar nicht endgültig gefallen, da Schulkonferenzen noch bis zum 27. Februar abstimmen können. Doch wegen der Aufnahmegespräche für angehende Sextaner wird dieses Zeitfenster nicht voll ausgeschöpft. Auch die Zustimmung des Landes zu den vier G8-Beschlüssen ist laut Ministeriumssprecher Thomas Schunk nur eine Formalie. „Es wird allein die Rechtmäßigkeit der Beschlüsse geprüft.“

Zum Schuljahr 2019/20 wird dann flächendeckend G9 eingeführt: Bisher war G8 die Regel, G9 die Ausnahme. Künftig ist dies umgekehrt.

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