Nur für Hunde - dieser Kindergarten!

Pause muss sein - Ruheecken gibt es viele.
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Pause muss sein - Ruheecken gibt es viele.

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14. August 2010, 06:54 Uhr

Flensburg | Zugegeben - auf den ersten Blick ist der Flensburger "Hundekindergarten" ein bisschen speziell: Wie im richtigen Kindergarten ziert den Eingangsbereich des modernen Neubaus eine Reihe bunter Haken. Doch hängen hier eben nicht Kindergartentaschen, sondern Hundeleinen oder auch schon mal ein Beutel mit Leckerchen. Und hinter der verschlossenen Glastür, die zum Innenbereich führt, ahnt der Besucher tierisches Leben. Dort bellt und hechelt es lautstark, wenn "Kundschaft" kommt. Und "Kundschaft" kommt häufig.

Der Erfolg war nicht geplant: Als die Flensburgerinnen Nadja Sorge und Steffi Grimm vor fünf Jahren ihren "Gassigeh-Club" gründeten, wollten die beiden jungen Frauen sich "eigentlich nur ein Zubrot verdienen. Aber wir hatten definitiv eine Marktlücke entdeckt", erinnert sich Steffi Grimm. Immer mehr Hundehalter gaben ihre Vierbeiner stunden-, tage- und später wochenweise in die Hände der Freundinnen. "Ohne unser Zutun wurde das Ganze zum Geschäft", berichtet Nadja Sorge. "Und dann kamen wir an den Punkt, an dem es hieß, entweder in neue, großzügige Räumlichkeiten zu investieren und professionelle Strukturen aufzubauen oder einen Rückschritt zu machen."

Die 32-Jährige zeigte viel Mut und wagte 2006 den Schritt nach vorn. Für eine große Halle, die sie in einen Hundehort inklusive Garten- und Poolbereich verwandelte, investierte sie rund 270 000 Euro. Heute betreibt Nadja Sorge als selbstständige Unternehmerin auf der Fläche von 3500 Quadratmetern Flensburgs ersten "Hundekindergarten"; und zwar so erfolgreich, dass Tierarzthelferin Steffi Grimm ihren ursprünglichen Job aufgeben und als Angestellte in die Firma ihrer Freundin wechseln konnte.

Durchschnittlich 30 Hunde treffen sich täglich hier. Zumeist "Tageshunde", die sich die Zeit mit Spazierengehen und Spielen vertreiben, während Herrchen oder Frauchen arbeiten müssen. "Aber es gibt natürlich auch Pensionshunde, die länger bleiben und Tiere, die ihr Zuhause verloren haben. Die versuchen wir dann weiterzuvermitteln", berichtet Nadja Sorge. Und dann sind da noch die eigenen Hunde. Sechs an der Zahl, und sie haben einen richtigen Job: "Sie unterstützen uns bei der Arbeit mit den anderen Tieren." Denn: Bei den vielen verschiedenen Temperamenten, die täglich aufeinander treffen, herrscht nicht immer eitel Sonnenschein. "Hunde sind zwar Rudeltiere, die in einer festen Rangordnung gut miteinander auskommen", erläutert die 29-jährige Steffi Grimm, "aber die Gruppe, die sich hier täglich trifft, ist kein gewachsenes Rudel". Und so gibt es auch keine Rangordnung, die für klare Verhältnisse sorgt. Das übernehmen die beiden Betreuerinnen - und eben ihre Hunde, die manches Mal mit der ganzen Autorität der Hausdame- oder des Hausherren für Ruhe sorgen. Erfolgreich. Steffi Grimm: "In den vergangenen fünf Jahren haben wir nur eine ernsthafte Auseinandersetzung zwischen den Hunden hier erlebt."

Bedeutet dieses tägliche, kurzfristige Miteinander nicht Stress für alle Vierbeiner? Tut man seinem Hund überhaupt einen Gefallen, wenn man ihn in den "Hundekindergarten" bringt? "Es kommt drauf an", sind sich die beiden Fachfrauen einig. Nicht alle Hunde seien für den "Kindergarten" geeignet. Manchen Tieren fehle eine ausreichende Sozialisation. Sie würden schnell Unruhe in die Gruppe bringen. Andere bekämen allein zwischen den vielen Artgenossen Stress. "In beiden Fällen würden wir die Hunde nicht aufnehmen." Aber: "Andere kommen rein, fühlen sich wohl und fügen sich ein. Und nicht wenige profitieren vom Umgang mit den Artgenossen und der täglichen Arbeit mit uns. Das ist ganz unterschiedlich." Und weil das so unterschiedlich ist, wird jeder Bewerber genau begutachtet, bevor er in die Gruppe kommt.

Tatsächlich aber haben die wenigsten Hunde Probleme im "Hundekindergarten". Nadja Sorge erläutert den Hintergrund: "Die Tiere werden nicht sich selbst überlassen. Wir arbeiten mit ihnen, sorgen für geistige und körperliche Auslastung." Neben regelmäßigen Spaziergängen - die beiden fahren die Hunde täglich mit Bussen auf ein Freilaufgelände, in den Wald oder an den Strand - gibt es zwischendurch Trainings, Gehorsamsübungen, Fährten, die ausgelegt werden, und Geschicklichkeitsspiele, die die Vierbeiner beschäftigen. "Die Leute bringen uns viel Vertrauen entgegen, wenn sie uns ihre Hunde überlassen. Und sie bezahlen dafür ", sind sich beide Betreuerinnen einig. "Also sehen wir die Verantwortung, die Tiere nicht nur unterzubringen, sondern sie auch zu fördern und zu unterhalten."

So arbeiten Nadja Sorge und Steffi Grimm ständig daran, ihr Angebot zu erweitern: Es gibt Pläne, die "Kindergarten"-Unterbringung durch Vorträge für Hundehalter zu ergänzen. "Aber wir sind keine Hundeschule, wir übernehmen nicht die Erziehungsarbeit", sagen sie bestimmt. "Das können nur die Halter selbst tun. Es ist die Basis für eine gute Mensch-Tier-Beziehung."

Amtliche Anmeldung und Haftpflichtversicherung: ein Muss

Impfausweis: Die Hunde sollten gegen Zwingerhusten, Tollwut, Staupe, HCC, Parvirose und Leptospirose geimpft sein. Um Ansteckungen in der Gruppe zu vermeiden, ist der entsprechende Impfschutz durch einen aktuellen Impfausweis nachzuweisen.

Leine: Hund und Leine gehören zusammen. Nur so können die Besitzer die Tiere kontrolliert bringen und abholen.

Futter: Jeder Hund hat seine individuellen Fressgewohnheiten, deshalb sollte er - jedenfalls bei einer längerfristigen Unterbringung in der Hundepension - sein gewohntes Futter bekommen.

Eigene Sachen: Auch wenn der Hund längere Zeit in einer Pension untergebracht ist, soll er sich zuhause fühlen. Deshalb: Geben sie ihm vertraute Dinge mit wie die eigene Decke, den eigenen Korb oder beliebtes Spielzeug.

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