Nach Einsturz in Genua : Nur eine Brücke in SH ist in „ungenügendem Zustand“

An der Rader Hochbrücke gibt es halbjährlich Sonderkontrollen.
An der Rader Hochbrücke gibt es halbjährlich Sonderkontrollen.

Burkhard Kötter vom Landesbetrieb Straßenbau spricht im Interview über die Haltbarkeit von Brücken in SH.

Kay Müller von
15. August 2018, 11:59 Uhr

Kiel | Nach dem Einsturz der Autobahnbrücke im italienischen Genua haben die Behörden für den Norden Entwarnung gegeben. In Schleswig-Holstein ist nach Behördenangaben nur eine einzige der 2506 Brücken in „ungenügendem Zustand“. Es handle sich dabei um die „Eiderbrücke Pahlen“, eine Klappbrücke, teilt der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr auf Anfrage am Mittwoch mit. Die Brücke werde aber bereits instandgesetzt. Zudem bedeute die Klassifizierung „ungenügender Zustand“ nicht zwangsläufig, dass die Standsicherheit gefährdet sei. In „nicht ausreichendem Zustand“ sind in Schleswig-Holstein 74 Brücken. Das heißt, es müssen „in näherer Zukunft“ Instandsetzungsmaßnahmen erfolgen. Alle anderen Straßenbrücken seien in „sehr gutem“ bis „ausreichendem“ Zustand.

Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) betonte, dass die Fachleute die Brücken im Norden – auch die mehr als 50 Jahre alten – als „absolut sicher“ einstufen. Mit regelmäßigen Kontrollen und einem klaren Regelwerk werde sichergestellt, dass so etwas wie in Genua „bei uns nicht passieren kann“, sagte Buchholz in einem vom Ministerium auf der Internetplattform YouTube verbreiteten Beitrag. Werden Mängel festgestellt wie zum Beispiel bei der Rader Hochbrücke auf der A7, würden Maßnahmen ergriffen, um die volle Belastbarkeit wiederherzustellen oder für weniger Belastung zu sorgen, sagte Buchholz.

In Genua war während eines schweren Unwetters am Dienstagmittag die sogenannte Morandi-Brücke der Autobahn 10 in mehr als 40 Metern Höhe auf einem etwa 100 Meter langen Stück eingestürzt. Autos wurden in die Tiefe gerissen, Lastwagen stürzten in den Fluss Polcevera.

Burkhard Kötter vom Landesbetrieb Straßenbau spricht im Interview über die Haltbarkeit von Brücken in SH:

Herr Kötter, im Norden gibt es viele Brücken aus den 60er- und 70er-Jahren – kann ein Unglück wie in Genua auch hier passieren?
Nein, unsere Brücken sind absolut sicher – und zwar auch die, die älter als 50 Jahre sind. Alle Brücken in Schleswig-Holstein sind individuell geplant und den örtlichen Gegebenheiten angepasst. Und sie werden laufend kontrolliert.

Wie oft?
Jedes Jahr gibt es Beobachtungen, dazu alle drei Jahre einfache Prüfungen. Fällt dabei etwas auf, wird in die handnahe Prüfung gewechselt, die ohnehin alle sechs Jahre stattfindet. Das bedeutet, dass jedes Brückenteil mit der Hand abgeklopft wird – dabei würde ein Schaden immer auffallen.

Wie bei der Rader Hochbrücke, die bis 2026 halten soll?
Dort gibt es sogar halbjährlich Sonderkontrollen. Die Haltbarkeit der Brücke ist anhand des Materials und der Belastung berechnet worden, das hat mit der Sicherheit nichts zu tun.

 

Sind Brücken anfällig für Unwetter wie in Italien?
Den Brücken im Norden macht der Wind nichts aus. Sperrungen gibt es nur, um die Autofahrer zu schützen.

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Burkhard Kötter ist Dezernatsleiter für Brückenbau beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein.
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