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Insel- und Halligkonferenz 2016 auf Sylt : Notruf Halligkante: Wie die Warften um ihren Rettungsdienst kämpfen

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112 gewählt, doch wegen schlechten Wetters kommt niemand? Die Insel- und Halligkonferenz diskutiert über die Notfallversorgung im Watt. Hooges Bürgermeister Piepgras fordert unter anderem mehr Telemedizin.

Wenningstedt | Hooges Bürgermeister Matthias Piepgras hat eine bessere medizinische Notfallversorgung der Halligen gefordert. Im Vorfeld der 37. Insel- und Halligkonferenz (IHK) in Wenningstedt auf Sylt am Donnerstag sagte der SPD-Politiker: „Wir sind keine rettungsfreie Zone auf den Halligen, erst recht nicht bei den Zehntausenden Gästen, die wir haben.“

Die medizinische Versorgung in Schleswig-Holstein ist ein Dauerthema. Zu zu wenig Ärzten auf dem Land und Krankenhausschließungen kommt die schwierige medizinische Versorgung auf den Halligen.

Denn während auf den Inseln und dem schleswig-holsteinischen Festland nach spätestens zwölf Minuten der Rettungswagen vor Ort sein sollte, kann ärztliche Hilfe im Wattenmeer länger auf sich warten lassen - vor allem, wenn das Wetter schlecht ist. Was das bedeutet, hat Bürgermeister Piepgras 2015 am eigenen Leib erfahren.

Mit Verdacht auf Herzinfarkt habe er in ein Krankenhaus gemusst, berichtet er. Doch weil ein Helikopter wegen Nebels nicht fliegen konnte, habe eine fünfstündige Odyssee begonnen, ehe er in Husum ankam. Denn auch die Seenotretter konnten den Hafen auf dem Festland wegen Ebbe zunächst nicht anlaufen, die Feuerwehr holte den 60-Jährigen schließlich vom Schiff.

„Aufgrund von Nebel, Eisregen oder wenig Wasser haben wir immer mal wieder Probleme, Patienten von der Insel zu bekommen“, ergänzt Krankenpfleger und Rettungsassistent Thomas Frank, der sich auf Hooge um Patienten kümmert - ein Arzt kommt nur alle zwei Wochen im Wechsel. Und für eigene Rettungswachen sind die Halligen nach Angaben der Kreisverwaltung zu klein.

Damit im Notfall dennoch Hilfe kommt, wird viel getan: Insgesamt rund 60 Freiwillige hat der Kreis Nordfriesland seit 2008 schon zu Hallig-Rettern ausgebildet, die in rund 30 bis 40 Notfällen pro Jahr die medizinische Erstversorgung übernehmen - zehn davon auf Hooge.

Für schwierige Notfälle gibt es außerdem eine Hotline zu Ärzten auf dem Festland, die per Ferndiagnose am Telefon helfen können, wie ein Sprecher der Kreisverwaltung mitteilte.

Auf der Insel- und Halligkonferenz 2016 wollen knapp 30 Bürgermeister und Gemeindevertreter nun mit Experten diskutieren, wie die Versorgung noch verbessert werden kann. Piepgras, selbst im Vorstand der Konferenz, erhofft sich unter anderem Hinweise, wo die Rettungsinfrastruktur der Offshore-Windindustrie noch besser genutzt werden könnte.

Denn angesichts der jüngsten Diskussion über die Schließung von Krankenhäusern und Geburtsstation im Kreis sagt er: „Wenn ich mir vorstelle, eine Schwangere müsste solch einen Rettungsweg absolvieren wie ich, dann ist das nicht akzeptabel.“ Unter anderem soll über Erfahrungen mit dem neuen Rettungshelikopter des privaten Betreibers NHC gesprochen werden, der laut Kreisverwaltung zuletzt in die Rettungskette integriert worden ist.

Das heißt: Sollten die Hubschrauber aus Niebüll oder Rendsburg nicht können, alarmiert die Leitstelle den NHC-Heli in St. Peter-Ording anstatt den der Marine, die mit ihrer Militärmaschine häufig mehr als eine Stunde zum Einsatzort braucht. Als 2015 eine Fähre gegen die Kaimauer auf Amrum geprallt war, kam der für die Offshore-Industrie angeschaffte Rettungshubschrauber bereits zum Einsatz.

Auch den Ausbau der Telemedizin findet Piepgras sinnvoll. Und deren Rolle könnte noch weiter wachsen: „Bei unklaren Beschwerden könnten die Gemeindehelfer auf den Halligen ihren Patienten (...) einem Arzt auf dem Festland vorstellen, der dann die Untersuchung anleiten kann, um eine Diagnose zu stellen“, schlägt auch der Kreissprecher vor.

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erstellt am 14.Apr.2016 | 07:01 Uhr

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