Nospa: "Alle Risiken von damals sind klar mit abgeschirmt"

In der Nospa hofft man, dass man durch

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28. August 2012, 03:59 Uhr

Flensburg/Husum/Schleswig | Keiner mag es so recht zugeben, doch das Thielert-Urteil des Flensburger Landgerichts hat Kommunalpolitiker wie Banker in der Nord-Ostsee-Sparkasse gleichermaßen erstaunt: "Das kam für mich genauso überraschend wie für alle anderen", sagt ein Verantwortlicher, der lieber nicht zitiert werden möchte.

Es geht um gewaltige Summen, das räumt der Vorsitzenden des Nospa-Verwaltungsrates ein, Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen. Immerhin hat das Landgericht Flensburg den in der Schweiz lebenden Investor Marco Hahn und die Nord-Ostsee-Sparkasse am Freitag zu Zahlungen in zweistelligen Millionenhöhe verurteilt (wir berichteten). Dass die Nospa jetzt im schlimmsten Fall mit bis zu 51 Millionen Euro haftet, beunruhigt Harrsen nicht: "Alle Risiken von damals sind klar mit abgeschirmt", erklärte Harrsen gestern auf Anfrage. Hintergrund: Die Nospa war Anfang 2010 selbst zum Stützungsfall geworden, nachdem sie zwei Jahre zuvor mit der vor der Pleite stehenden Flensburger Sparkasse fusioniert hatte. Mit 181 Millionen Euro mussten die deutschen Sparkassen seinerzeit einspringen.

Dass jetzt nach dem spektakulären Schadensersatzprozess neuerliche Probleme auftauchen, steht nach Aussagen von Dieter Harrsen nicht zu befürchten: "Die Restrisiken sind vom Stützungsgeber schon anerkannt", der seinerzeit ausgehandelte Höchstbetrag nicht ausgeschöpft. Im Übrigen verwies Dieter Harrsen darauf, dass noch eine Berufung möglich sei gegen das "überraschende" Urteil, das den Investor und die Nospa zur Zahlung von insgesamt 65 Millionen Euro an den Hamburger Unternehmer Frank Thielert verurteilt. Nach dem positiven Geschäftsergebnis für das Vorjahr mit mehr als sechs Millionen Euro Gewinn sieht der Verwaltungsrats-Vorsitzende die Nospa nach "einem gewissen Tal" zudem auf dem Sanierungsweg: "Die Ergebnisse sind besser als geplant."

Wann indes von den Nospa-Gewinnen wieder etwas an die Kreise und Kommunen abgeführt werden kann, steht in den Sternen. Und Gewerbesteuern, die die Nospa vor der Fusion mit den Flensburgern (2008) je nach Zahl der Arbeitsplätze entrichtete, werden wohl auf Jahre hinaus ausbleiben. Ein Beispiel: Vor der Zwangsehe flossen allein an die Stadt Schleswig pro Jahr rund 800 000 Euro.

An diesem Donnerstag wird sich der Nospa-Verwaltungsrat mit den Auswirkungen des Urteils befassen, am Mittwoch kommender Woche tagt in Schleswig dann die Versammlung des Nospa-Zweckverbandes. Auch Clemens Teschendorf, Sprecher des Flensburger OB Simon Faber, zeigte sich gestern wenig beeindruckt: "Wir haben ja den Schutzschirm durch den Sanierungsvertrag des Sparkassenverbandes, der mit bis zu 100 Millionen Euro greift." Wobei Teschendorf nicht falsch verstanden werden will: "Natürlich ist es ein ganz schöner Batzen, und das Urteil muss in der Gesamtgeschichte der Flensburger Sparkasse nachdenklich stimmen."

Auch der Schleswiger Landrat Wolfgang Buschmann sieht durch das Urteil keinerlei Auswirkungen auf die Finanzen der Kreise und Städte, die die Nospa tragen. Was ihm allein zu denken gibt: der neuerliche Imageschaden durch den Richterpruch.

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