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Schleswig-Holstein

13. Dezember 2017 | 14:41 Uhr

Nord-CDU kürt Liebing zum Albig-Gegner

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ingbert Liebing soll es richten für die nordelbische CDU, soll die Partei im Mai 2017 nach dann fünf Jahren in der Opposition wieder an die Regierung bringen. Seine Partei will das so, hat ihn dafür gestern mit 91,86 Prozent zum Spitzenkandidaten gewählt. „Einfach schlichtweg Danke“, gab sich der Kandidat gerührt und nahm die Wahl an.

Mit einer 45 Minuten langen Rede hatte sich Liebing zuvor für den Job beworben. Pflichtgemäß kritisiert er die Regierung von Ministerpräsident Torsten Albig, die bis zur Wahl „kein einziges Projekt“ mehr habe. Und Liebing steckt seine Ziele bis zum Jahr 2022 ab, „die nachprüfbar sein sollen und sein werden.“ Den Unterrichtsausfall an den Schulen will er beseitigen, mehr Straßenbau, neue Gebäude für die Hochschulen, die Integration von Zuwanderern zum Erfolg machen, mehr Sicherheit durch mehr Polizei in der Fläche. Ein Fünftel seiner Rede verwendet er auf solche Ankündigungen. Der Zwischenapplaus bleibt spärlich – vielleicht auch deshalb, weil vieles von dem, was Liebing als seine „klaren Vorstellungen“ propagiert, deutlich im Ungefähren bleibt. Und wie der Kandidat in der ersehnten Rolle des Regierungschefs seine Ziele erreichen will, diese Frage lässt Liebing offen.

Vielleicht brandet auch deshalb so richtig Beifall erst auf als der Kandidat trotzig ausruft. „Wir wollen stärkste Partei werden, mit Abstand vorne liegen.“ Soll heißen: Gegen die CDU soll keine Regierungsbildung in Kiel möglich sein. Ob die Rechnung aufgeht, ist offen. Nach jüngsten Umfragen rangieren Union und SPD Kopf an Kopf bei bescheidenen 28 Prozent. Alles scheint derzeit möglich. Von der großen Koalition – unter welcher Führung auch immer, zur Ampel und Jamaika.

Als Liebing zu Ende geredet hat, brandet dann doch Beifall auf. Minutenlang und stehend beklatschen die rund 260 Delegierten ihren Parteivorsitzenden. 237 wählen ihn dann zu ihrem Spitzenkandidaten, 18 Nein-Stimmen gibt es, drei Enthaltungen.

Das Ergebnis, so scheint es, soll glänzen, soll sich abheben vom Rest des politisches Establishments in den eigenen Reihen. Kaum anders erklären Delegierte die nicht einmal 80 Prozent, die Landtagsfraktionschef Daniel Günther bei der Wahl auf Listenplatz zwei erhält. Nicht anders geht es Parteivize Katja Rathje Hoffmann und Landtagspräsidenten Klaus Schlie, die auf den Plätzen drei und vier folgen.

Mehr Junge, mehr Frauen und mehr Städte sollten sich auf der Liste wiederfinden. Optisch ist das gelungen. Jeder dritte Platz ist für eine Frau reserviert. JU-Chef Tobias Loose hat sich Platz gesichert, Lübecks Kreisvorsitzende Anette Röttger Platz neun. Ob diese Plätze eh zum Zuge kommen, steht auf einem anderen Blatt. Bei der Wahl vor vier Jahren hatte die Union 22 Mandate geholt, ausnahmslos in ländlichen Wahlkreisen. Die gelten als schwarze Hochburgen. Die Liste zog nicht ein einziges Mal – mit politisch fatalen Folgen: Der Spitzenkandidat und Landesvorsitzende Jost de Jager verpasste den Einzug in den Landtag, hat sich inzwischen aus der Politik komplett abgemeldet. Opfer auch: Der damalige CDU-Landtagspräsident Torsten Geerdts, der seinen Wahlkreis Neumünster an eine SPD-Kandidatin verlor.

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