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Schleswig-Holstein

21. November 2017 | 20:11 Uhr

Niedrigzinsen sorgen für Bau-Fieber

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zahl der genehmigten Wohnungen steigt binnen eines Jahres um mehr als 30 Prozent – Verbände fordern dennoch mehr Flächen und Förderung

shz.de von
erstellt am 21.Mai.2016 | 16:07 Uhr

Experten schätzen, dass bundesweit derzeit rund 800  000 Wohnungen fehlen. Insofern spenden die Zahlen, die gestern das Statistische Bundesamt veröffentlichte, den vielen Wohnungssuchenden nur bedingt Trost. Selbst wenn das Tempo beibehalten wird, mit dem momentan neue Wohnungen geplant werden, bleibt die Angebotslücke noch über Jahre bestehen.

Im ersten Quartal wurden 30,6 Prozent oder knapp 20  000 mehr Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt, als im Vorjahreszeitraum. Zu dem Boom trug auch die Unterbringung Hunderttausender Flüchtlinge bei. Die Genehmigungen für Wohnungen in Wohnheimen, zu denen auch Flüchtlingsunterkünfte zählen, stiegen um 146,8 Prozent auf 5149. „Die Dynamik bei den Baugenehmigungen ist positiv, sie reicht aber immer noch nicht aus, um genügend bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“, sagte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW. In Deutschland müssten bis 2020 jährlich 400    000 Wohnungen und 140    000 mehr als noch 2015 gebaut werden. „Wir brauchen schnellstmöglich mehr Bauland, eine Verringerung der Baukosten und wirksame Förderinstrumente.“

Der Chef der Verbandes der Norddeutschen Wohnungswirtschaft NVW, Kiels Ex-Innenminister Andreas Breitner, sagte unserer Zeitung: „Hier spielt vor allem die Niedrigzinsphase eine Rolle. Sie passt auch zu den Bestrebungen des Landes, die Baukonjunktur kräftig anzukurbeln.“ Die Kehrseite des Booms: Vor allem in begehrten Regionen steigen die Preise. Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret warnte zuletzt vor einer Überhitzung: „Von einer Immobilienblase kann man noch nicht sprechen, allerdings sehen wir in einigen deutschen Städten durchaus Preisübertreibungen bei Wohnimmobilien.“

Kräftige Zuwächse bei Baugenehmigungen gab es im ersten Quartal bei allen Gebäudearten: Einfamilienhäuser (23 Prozent), Zweifamilienhäuser (26,8 Prozent) und Mehrfamilienhäuser (23,7 Prozent). Hier tanzt der Norden jedoch aus der Reihe: Bei Mehrfamilienhäusern wurden hier im März doppelt so viel Genehmigungen erteilt wie 2015, bei Ein- und Zweifamilienhäusern hingegen nur elf Prozent mehr. Entsprechend steigt die Zahl der neu geschaffenen Wohnungen hierzulande um 60 Prozent, die Zahl der Genehmigungen für Gebäude „nur“ um 23 Prozent.

Selbst bei Gebäuden, die nicht Wohnzwecken dienen, kam es im Norden im ersten Quartal zu einer Steigerung um knapp zehn Prozent. Bundesweit erhöhte sich das Bauvolumen in diesem Segment um 6,1 Millionen Kubikmeter auf 46,7 Millionen Kubikmeter. Die Bundesregierung rechnet durch Sonderabschreibungen für den Mietwohnungsbau mit einem weiteren kleinen Bauboom. Zwischen 2016 und 2021 geht man von 352  000 neue Mietwohnungen zwischen Flensburg und Garmisch aus. Das würde einer Wohnfläche „von 35 Millionen Quadratmeter entsprechen“, teilte das Bundesfinanzministerium mit.


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