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Stress im Büro : Nicht nur nett sein – zwölf Tipps für den Job

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Fallen Sie nicht auf das Lob vom Chef herein. Und netzwerken Sie. Das sagt ein Karriereexperte aus Hamburg.

Es ist einfach nur ärgerlich: Im Büro sind zumeist die Kollegen erfolgreich, die ihren Job auch nicht besser als die Mehrzahl der fleißigen und gewissenhaften Kollegen machen, aber sich beim Chef besser darstellen, anderen die Ideen klauen oder gar Arbeit erfolgreich abwälzen.

Im schlimmsten Fall gehen die Schikanen bis hin zum Mobbing. Mehr als jeder zehnte Arbeitnehmer im Norden ist laut dem Mobbing-Report der Initiative „Neue Qualität der Arbeit“ davon betroffen. Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein hat dies als „konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen“ definiert, „bei der die angegriffene Person unterlegen ist und von einer oder einigen Personen systematisch, oft und während einer längeren Zeit mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßens aus dem Verhältnis direkt oder indirekt angegriffen wird“.

Wie Sie sich dagegen wehren können, das hat Jens Weidner, Professor für Erziehungswissenschaften und Kriminologie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, erforscht. Er hält Vorträge und schreibt Bücher („Die Peperoni-Strategie“) für Menschen, die aggressiv ihre Ziele durchsetzen wollen. Sein letztes Buch erschien unter dem Titel „Hart, aber unfair“ – ein Ratgeber für vom Kollegen-Mobbing Betroffene.

Das sind zwölf seiner Tipps:

Taktisches Nein

Natürlich bittet der Chef nie die notorischen Nörgler und Neinsager, eine zusätzliche Aufgabe zu erledigen. Das ist ihm zu unbequem. Also: Wenn es Sie trotzdem erwischt, rechtzeitig „Nein“ sagen oder darum bitten, beim nächsten Mal jemand anders fragen.

Gerüchte streuen

Die Schaumschläger und Speichellecker liegen dem Chef beim Mittagessen oder in der Zigarettenpause natürlich mit ihren großartigen Leistungen in den Ohren. Halten Sie mit! Erzählen Sie drei Kollegen von ihren Qualitäten – zum Beispiel: „Unter Stress arbeite ich besonders gut“ – bis zum Ende des Jahres wird das auch dem Chef zugetragen.

Vorsicht vor Energie-Vampiren

Es gibt Kollegen, die lamentieren ewig über den Unsinn der Aufgabe, lästern über den Chef und rauben einem nur Zeit und Energie. Am Ende bleibt auch noch die ganze Arbeit an Ihnen hängen.

Menschen vom „Stamme Nimm!“

Diese Kollegen sind immer nett und charmant und  schaffen es so, Teile ihrer Arbeit auf andere abzuwälzen. Aber Vorsicht: Wenn man mal selbst Hilfe braucht, haben sie leider zu viel auf dem Zettel. Hier hilft nur konsequentes „Nein“-Sagen oder Gegenleistungen einzufordern.

Ausreichend stöhnen

Wenn Sie alle Aufgaben immer klaglos und perfekt erfüllen, merkt Ihr Chef gar nicht, wie viel Sie tun. Sagen Sie gelegentlich nur mürrisch etwas, seien Sie mal einen Tick langsamer und vergessen Sie auch mal was. Dann sind Sie nicht mehr die erste Adresse für plötzliche Aufgaben.

Konjunktiv ist tabu

„Könnten Sie sich vorstellen, mir mehr Gehalt zu zahlen?“ Diese Formulierung steht für Experten wie Jens Weidner auf dem Index. Nie im Konjunktiv sprechen, das ist für den Chef nur ein Signal, ihre Forderung problemlos noch lange Zeit auszusitzen.

Gesichtsverlust nicht hinnehmen

Wenn ein Kollege Sie öffentlich kritisiert und vor anderen klein macht, dann reagieren Sie zunächst kurz angebunden. Seien Sie vor den Kollegen unverbindlich und knüpfen Sie ihn sich später unter vier Augen vor. Dann traut er sich nicht so schnell wieder. Die anderen im Büro können ruhig mitbekommen, dass Sie den Typen maßgenommen haben, ohne dass jemand dabei war. 

Positionieren Sie sich

Kein Chef schätzt die Katze im Sack. Sagen Sie ihm und den Kollegen klar, wie Sie „ticken“, was Ihre Stärken sind und wofür Sie stehen.

Loben hilft

Loben Sie Ihre Kollegen und Chefs für gelungene Aktionen. In Deutschlands Büros, Firmen oder Amtsstuben wird zu wenig gelobt. Und: Es hilft beim Netzwerken.

Statusfallen

Vorsicht: Fallen Sie nicht auf das Lob vom Chef herein. Vor lauter Bauch-Gepinselt-Sein merken Sie nicht, dass er Ihnen nur noch mehr Arbeit und Verantwortung bei unveränderter Bezahlung aufbürdet.

Hinterhältiges Delegieren

Ebenfalls höchste Vorsicht ist geboten, wenn Kollegen Ihnen auch ihre ambitionierten Projekte übergeben wollen. Wahrscheinlich sind es Rohrkrepierer und sie selbst sind schon daran gescheitert. Wird es dank Ihres Einsatzes doch noch ein Erfolg, meldet sich der Kollege garantiert zurück und erinnert daran, dass dies sein Projekt war.

Netzwerken Sie

Wer ein gutes Netzwerk mit den Kollegen aufgebaut hat, dessen Ideen werden gelobt und dessen Arbeit wird gesehen. Netzwerke haben Gewicht, auch wenn Sie mal einen Fehler machen. Ein Einzelkämpfer wird schnell abgeschossen, wer viele Verbündete hat, ist auf der sicheren Seite.

 
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erstellt am 27.Sep.2014 | 19:35 Uhr

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