Stadtwerke-Kooperation : Neumünster soll Fernwärme nach Kiel liefern

Die Stadtwerke Kiel haben nicht genug Wärme. Neumünster produziert zuviel. Jetzt soll Neumünster über eine 40-Kilometerleitung nach Kiel liefern. Damit wäre beiden geholfen.

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12. Mai 2011, 09:14 Uhr

Kiel/Neumünster | Wenn das tatsächlich funktioniert, könnte es ein echter Schritt für den Klimaschutz werden und die Basis für weitere Projekte. Die Stadtwerke Kiel und Neumünster wollen künftig enger zusammenarbeiten und planen ein gemeinsames, spektakuläres Projekt: Mit einer neuen, 40 Kilometer langen Leitung sollen die Neumünsteraner künftig Fernwärme nach Kiel liefern.
Die Ausgangslage rufe geradezu nach Kooperation, teilten die Oberbürgermeister Torsten Albig (Kiel) und Dr. Olaf Tauras (Neumünster) gestern mit: Das Gemeinschaftskraftwerk Kiel liefert pro Jahr 730 Gigawattstunden (GWh) Wärme, muss aber 2015 abgeschaltet oder mit hohem Millionenaufwand saniert werden. Neumünster erzeugt dagegen rund 680 GWh Wärme über den eigenen Bedarf hinaus; im Sommer kann die Wärme nicht in das Netz eingespeist werden und geht über den Kühlturm in die Atmosphäre.
Albig: "Das hat wirtschaftliche Vorteile und reduziert den Co2-Ausstoß"
Die 40 Kilometer können aber nicht mit Dampf überwunden werden, wie er derzeit in Neumünster an die Fernwärme-Kunden geliefert wird; der käme allenfalls lauwarm in Kiel an. Gebaut werden müsste eine 40 Kilometer lange Transportleitung für Heizwasser. Das ist nach einer ersten Prüfung technisch machbar; weitere Untersuchungen, die Trassenplanung und andere Details sollen jetzt schnell geklärt werden: Erst kommt eine Machbarkeitsstudie, dann eine Kostenaufstellung und ein Zeitplan für Genehmigung und Umsetzung. Fachleute taxieren den Bau einer solchen Leitung auf 50 Millionen Euro.
Wenn Neumünster nach Kiel liefert, wäre beiden Seiten geholfen: Neumünster lastet sein Kraftwerk aus und sichert Arbeitsplätze, und Kiel könnte auf die Verlängerung der Lebensdauer seines Kohlekraftwerks verzichten. Torsten Albig: "Das hat handfeste wirtschaftliche Vorteile und reduziert den CO2-Ausstoß in der gesamten Region." Wenn die Stadtwerke vernetzt sind, können Kapazitäten ständig ausgeglichen werden - in beiden Richtungen.
Weitere Entwicklungsstufen sind denkbar. "Entlang der Trasse können weitere Kommunen an die Fernwärme angeschlossen werden. Auch regenerative Anlagen können eingebunden werden", sagte Dr. Olaf Tauras. Sogar über den Bau eines neuen, gemeinsamen Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerks wird in Kiel und Neumünster schon nachgedacht. "Wo das dann steht, in Kiel oder Neumünster, ist bei einem solchen Fernwärmenetz dann völlig egal", sagte ein Rathaus-Insider.
(tg, shz)

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