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Schleswig-Holstein

21. November 2017 | 18:46 Uhr

Neues Gesetz macht Strom billiger

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Netzentgelte in Schleswig-Holstein sinken erstmals seit mehreren Jahren / Habeck: „Die Reform beginnt zu greifen“

shz.de von
erstellt am 04.Okt.2017 | 17:36 Uhr

Schleswig-Holsteins Stromverbraucher können aufatmen. Erstmals seit mehreren Jahren könnten die Strompreise im nördlichsten Bundesland wieder leicht sinken. Die Netzentgelte – die gut ein Viertel des Strompreises ausmachen – werden 2018 im Norden „um rund vier Prozent sinken“, das teilte die Schleswig-Holstein Netz AG gestern mit. Für einen durchschnittlichen Privatkunden würden die Netzentgelte dann bei 10,3 Cent pro Kilowattstunde liegen. Das verspricht zumindest eine minimale Entlastung.

Ein Durchschnittshaushalt (vier Personen, 3500 bis 4000 Kilowattstunden) in Schleswig-Holstein dürfte so nach Einschätzung von Experten rund 13 Euro im Jahr sparen – vorausgesetzt, die Stromversorger geben den Rückgang an die Kunden weiter. Es ist das erste Mal seit mindestens drei Jahren, dass die Entgelte in Schleswig-Holstein wieder sinken.

Die Ankündigung der Schleswig-Holstein Netz AG ist insofern überraschend, als dass der vorgelagerte Übertragungsnetzbetreiber Tennet, dessen Gebiet sich von Schleswig-Holstein bis nach Bayreuth erstreckt, zuvor noch angekündigt hatte, seine Netzentgelte um gut neun Prozent erhöhen zu wollen. Dass es in Schleswig-Holstein dennoch zu einer Entlastung kommt, ist einer gesetzlichen Neuregelung geschuldet. „Dieser Rückgang resultiert aus dem von uns seit langem geforderten Netzentgeltmodernisierungsgesetz vom Juli 2017“, sagte Matthias Boxberger, Vorstand der Schleswig-Holstein Netz AG. „Das Gesetz sieht eine Abschaffung der vermiedenen Netzentgelte sowie eine bundesweite Angleichung der Netzentgelte im Bereich der Übertragungsnetze vor.“ Davon profitierten auch in den nächsten Jahren insbesondere die Energiewenderegionen wie Schleswig-Holstein. Das Gesetz friert die Höhe der sogenannten vermiedenen Netzentgelte, die für Kraftwerke mit dezentraler Einspeisung gezahlt werden, zunächst auf dem Niveau von 2016 ein und schafft sie in den kommenden Jahren ab. Die eigentlichen Netzentgelte werden ab 2019 bundesweit angeglichen. Bislang werden sie regional umgelegt, wodurch Schleswig-Holstein mit dem starken Ausbau bei den erneuerbaren Energien besonders belastet wird.

Schleswig-Holsteins Energiewende-Minister Robert Habeck begrüßte die Prognose gestern. „Der Schritt zeigt, dass die Reform der Netzentgelte beginnt zu greifen“, sagte er unserer Zeitung. „Schade nur, dass die bundesweite Angleichung der Netzentgelte auf der Ebene der Übertragungsnetzbetreiber nur schrittweise kommt. Sonst hätten wir schon noch mal eine Verbesserung.“ Habeck übte damit auch Kritik an der schwarz-roten Bundesregierung, die sich – aus Rücksicht auf Nordrhein-Westfalen – lange gegen eine Vereinheitlichung der Netzentgelte gestellt hat.

Nicht nur bei den Netzentgelten können Stromkunden in Schleswig-Holstein nun auf eine Entlastung hoffen. Auch bei der Umlage für den Ausbau der erneuerbaren Energien (EEG) ging die Berliner Denkfabrik Agora Energiewende zuletzt von einem leichten Rückgang aus.

Die Zuwächse früherer Jahre werden mit dem Minus der Netzentgelte natürlich nicht ausgeglichen. 2016 lagen die Netzentgelte für Privatkunden im Land noch bei unter zehn Cent pro Kilowattstunde. Zudem ist die Prognose der Schleswig-Holstein Netz AG mit Unsicherheiten behaftet. So wurden für das vergangene Jahr beispielsweise ursprünglich Netzentgelte in Höhe von 10,4 Cent pro Kilowattstunden in Aussicht gestellt. Tatsächlich fielen sie mit 10,65 Cent am Ende aber deutlich höher aus.

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