Landeskriminalamt Schleswig-Holstein : Neuer LKA-Chef Bauchrowitz: Bisher keine Disziplinarverfahren in Rocker-Affäre

Kiels leitender Polizeidirektor Thomas Bauchrowitz.

Thomas Bauchrowitz, hier noch als Kiels leitender Polizeidirektor.

Der neue Chef will ein offenes Klima mit flachen Hierachien im Landeskriminalamt etablieren.

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28. November 2018, 17:09 Uhr

Kiel | Er hat das Landeskriminalamt (LKA) in unruhigen Zeiten übernommen: Mittlerweile ist Thomas Bauchrowitz (53) als neuer Direktor der Behörde seit knapp 100 Tagen im Amt, zog am Mittwoch eine erste Bilanz. Er setze auf ein offenes und vertrauensvolles Miteinander mit den 700 Mitarbeitern. „Jeder kann mich bei Problemen unabhängig von der Hierarchie ansprechen“, sagte Bauchrowitz. „Ich will mir Vertrauen erarbeiten und glaube nicht, dass es noch alte Seilschaften gibt.“

Montag beginnt der Parlamentarische Untersuchungsausschuss mit seinen öffentlichen Vernehmungen zur Rocker-Affäre. Der LKA-Chef betont, es gebe bei der Polizei in dieser Sache bislang keine Straf- oder Disziplinarverfahren. „Trotzdem beeinflussen die unbewiesenen Vorwürfe natürlich die Stimmung“, so Bauchrowitz. Es gelte die Ergebnisse des Untersuchungsausschusses abzuwarten, bevor man urteilen und Schlüsse ziehen könne.

Ausgangspunkt des Skandals war eine Messerstecherei zwischen „Bandidos“ und verfeindeten „Red Devils“ im Januar 2010 in einem Subway-Restaurant in Neumünster. Nach der Festnahme von „Bandidos“ beklagten zwei Beamte der Soko Rocker, Vorgesetzte hätten sie daran gehindert, entlastende Aussagen einer Quelle aus dem Rockermilieu vollständig zu protokollieren – wegen des Informantenschutzes. Sie fertigten trotzdem einen Vermerk, gaben ihn an die Staatsanwaltschaft. Danach seien sie gemobbt und gegen ihren Willen versetzt worden.

Was den Umgang mit vertraulichen Quellen angehe, seien als Konsequenz der Ereignisse bereits Abläufe geändert und Regelungen zur Vertraulichkeit angepasst worden, erklärte Bauchrowitz ohne näher ins Detail gehen zu wollen. Der V-Mann-Führer beim „Bandidos“-Fall soll sein Wissen einfach so in den Raum geworfen haben – und steckte danach in der Klemme: Weil die beiden Soko-Ermittler seinen Informanten nun als Zeugen sahen, was den Rocker enttarnt und damit in Lebensgefahr hätte bringen können. Wie Klaus Buß, Sonderbeauftragter der Landesregierung zur Rocker-Affäre, in seinem Bericht feststellte, soll der V-Mann-Führer deshalb einen inhaltlich falschen und unvollständigen eigenen Vermerk abgeliefert haben.

Im November 2017 feuerte Innenminister Hans-Joachim Grote die Spitze der Landespolizei: Landespolizeidirektor Ralf Höhs und den Leiter der Polizeiabteilung im Innenministerium, Jörg Muhlack. Der Vorgänger von Bauchrowitz, Thorsten Kramer, kam seiner Abberufung zuvor, ging freiwillig in den Ruhestand. Grote forderte für die Landespolizei ein neue Führungskultur. Bauchrowitz erklärte gestern, die Kommunikation innerhalb des Hauses und mit der politischen Hausspitze habe sich vertrauensvoll und gut entwickelt.

Was sind die Top-Themen, die das Landeskriminalamt auf dem Schirm hat?

„Der gesamte Bereich Cybercrime ist die Herausforderung der Zukunft“, sagte der LKA-Chef. „Wir schaffen gerade ein neues Sachgebiet für digitale Spuren. Dabei geht es nicht um die Auswertung von Handy und Computern, sondern um Daten, die sich in smarten Geräten verbergen und bei der Aufklärung schwerer Verbrechen helfen könnten.“ Auch der Staatsschutz sei ein Aufgabenbereich, der ausgebaut werden müsse. Zudem lege man den Fokus auf Seniorendelikte, am Wochenende habe es wieder 80 Anrufe von falschen Polizisten gegeben. „Weiter ein großes Thema ist auch die Rockerkriminalität“, sagte Bauchrowitz. „Um nach den Verboten in Ruhe ihren Geschäften nachgehen zu können, verzichten die Rocker auf Selbstdarstellung. Aber sie sind noch da.“

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