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Streit am Nord-Ostsee-Kanal : Neue Rader Hochbrücke: Scheitert der Bau an einem Ferienhaus?

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein Ehepaar auf der Rader Insel wehrt sich gegen den Brückenbau. Druckmittel ist ihr Grundbesitz unter der Brücke.

shz.de von
erstellt am 07.05.2016 | 00:00 Uhr

Rendsburg | Ein Rechtsstreit um Ferienhäuser auf der Rader Insel im Nord-Ostsee-Kanal bei Rendsburg könnte fatale Folgen für den Ersatzbau der Rader Hochbrücke haben. Im schlimmsten Fall verzögert sich das Vorhaben. Weil ein Ehepaar mit dem Kreis Rendsburg-Eckernförde im Clinch liegt, droht es damit, eine ganze Region in Geiselhaft zu nehmen. Denn es verfügt über Grundbesitz unterhalb des Bauwerks – und setzt dies nun als Druckmittel ein.

Die neue Rader Hochbrücke soll in zwei Etappen errichtet werden. Zuerst soll von 2023 bis 2026 neben der jetzigen Brücke eine der beiden neuen Richtungsfahrbahnen über den Kanal gezogen werden. Dann wird die bröckelnde alte Brücke abgerissen, die wohl nur noch zehn Jahre Stand halten würde. Das Bauende ist für 2030 anvisiert.

Über sein Yachtservice-Unternehmen gehören Friedrich Schreiber (93) die Flächen links und rechts der Brücke auf der Insel, die einst beim Bau des Kanals entstand. Er und seine Frau Uta Schreiber (63) streiten sich seit Jahren mit der Bauaufsicht des Kreises, unter anderem um in den 1950er-Jahren illegal auf der Insel errichtete Ferienhäuser. Die Verwaltung hat den Abriss verfügt und sich per Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Schleswig absichern lassen, weil sie sich außerstande sieht, die Bauten im Nachhinein zu legalisieren.

„Der Kreis muss das Urteil nicht durchsetzen, er hat durchaus Ermessensspielraum“, sagt hingegen Uta Schreiber. Deshalb habe sie Landrat Rolf-Oliver Schwemer deutlich gemacht, dass der Kreis eine Lösung finden müsse. Dabei geht es in erster Linie um das Ferienhaus ihres Mannes, aber auch um bis zu zehn weitere Bauten auf der Insel. Sie spricht zwar keine direkte Drohung aus, doch sie verweist auf ihr „gutes Gedächtnis“ und sagt mit Hinweis auf den Ersatzbau der Rader Hochbrücke: „Ich nehme an, dass Bedarf an unserem Besitz besteht. Es gibt zwar noch keine klare Ansage dazu, denn wir müssen erst das Planfeststellungsverfahren abwarten. Aber jede Baustelle braucht Platz.“

Sie sei sich zwar darüber bewusst, dass sie und ihr Mann enteignet werden könnten, weil es für den Neubau keine Alternative gebe. Doch das gelte nicht für Flächen, die für die Baustelleneinrichtung genutzt werden müssten. Deren Inanspruchnahme wäre „möglicherweise verhinderbar“, so Uta Schreiber. „Einsprüche im Planfeststellungsverfahren würden das gesamte Vorhaben verzögern“, fügte sie hinzu.

Dabei ist der Zeitplan für den Ersatzbau der Hochbrücke ohnehin eng getaktet. 2023 müssen die Arbeiten beginnen, damit der erste Teil 2026 fertig ist. Denn nur bis dahin hält das derzeitige, altersschwache Viadukt noch. „Ich stehe voll dahinter, dass der Bau möglichst schnell über die Bühne geht. Aber das Leben ist ein Geben und Nehmen“, so Schreiber.

 

Beim Kreis herrscht wegen der sturen Grundbesitzer inzwischen eine gewisse Verzweiflung. Juristisch gebe es in Sachen Ferienhäuser zwar keinen Spielraum, so Landrat Schwemer, doch: „Ich bin bereit, jeden Weg mitzugehen, den das Land als rechtmäßig erachtet. Ziel muss es sein, den Zeitplan für den Bau der Rader Hochbrücke nicht zu gefährden.“

Das Land verweist auf die staatseigene Autobahngesellschaft Deges, an die der Auftrag für den Bau ergangen ist. Dort haben die Mitarbeiter bereits von dem Konflikt gehört. Eine Lösung sei aber noch nicht gefunden worden, so Sprecher Michael Zarth. „Wir befinden uns noch in einem viel zu frühen Stadium des Planungsprozesses, um zu wissen, welche Flächen wir für die Baustelle benötigen“, sagte er. Es sei noch nicht einmal klar, wo die Brücke genau stehen wird.

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