Kabinettsbeschluss : Neue Landesdüngeverordnung: Grundwasser soll besser geschützt werden

Nitrate stammen meist aus Düngern der Landwirtschaft.

Nitrate stammen meist aus Düngern der Landwirtschaft.

Kürzere Einarbeitungszeiten und strengere Kontrollen sollen die Nitrat- und Phosphatbelastung in Gewässern senken.

shz.de von
03. Juli 2018, 14:44 Uhr

Kiel | Das Trinkwasser in Schleswig-Holstein soll künftig besser geschützt werden. Mit verschärften Maßnahmen im Rahmen der bundesweit geltenden Düngeverordnung, will das Land als Vorreiter fungieren. Als erstes Bundesland erlässt Schleswig-Holstein eine Landesdüngeverordnung mit strengeren Auflagen. „Der Schutz unseres Grundwassers und unserer Gewässer ist eine zentrale Aufgabe der Agrar- und Umweltpolitik, da wir in Schleswig-Holstein unser Trinkwasser vollständig aus dem Grundwasser gewinnen“, sagte Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck nach dem Beschluss des Landeskabinetts am Dienstag.

Mit der neuen Verordnung werden die bundesrechtlichen Vorgaben konkretisiert. Spezielle Regelungen, die über allgemeine Vorgaben hinausgehen, werden für den Umgang mit Düngemitteln bei der landwirtschaftlichen Flächenbewirtschaftung erlassen. Betroffen sind Gebiete, in denen hohe Nitrat- und Phosphatrückstände gefunden wurden.

<p>Die Grafik zeigt die betroffenen Gebiete.</p>
Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung

Die Grafik zeigt die betroffenen Gebiete.

Als belastete Gebiete gelten hinsichtlich der Nitratbelastung Grundwasserkörper, die sich in einem schlechten chemischen Zustand befinden. Grund hierfür ist in der Regel die Überschreitung des Schwellenwerts für Nitrat von 50 mg je Liter. Bezüglich einer Oberflächengewässerbelastung mit Phosphat werden Gebiete ausgewiesen, die dem jeweils betroffenen Einzugsgebiet oder einem Teil des betroffenen Einzugsgebiets eines langsam fließenden oder stehenden oberirdischen Gewässers entsprechen, in denen eine Eutrophierung durch erhebliche Phosphateinträge aus landwirtschaftlichen Quellen nachgewiesen wurden.

„Es geht kein Weg daran vorbei, die Einträge von Nitrat ins Grundwasser und von Phosphat in die Seen zu reduzieren. Das gilt auch gerade vor dem Hintergrund des kürzlich ergangenen Urteils des Europäischen Gerichtshofes, der die Klage der Europäischen Kommission wegen nicht richtlinienkonformer Umsetzung der Nitratrichtlinie durch die alte Düngeverordnung vollumfänglich bestätigt hat“, betonte Robert Habeck.

Einarbeitungszeit von Düngern reguliert

In der sogenannten Nitratkulisse besteht für die landwirtschaftlichen Betriebe zukünftig eine Untersuchungspflicht hinsichtlich der Nährstoffgehalte bei Wirtschaftsdüngern und Gärrückständen. Zudem müssen sie spezielle Düngemittel innerhalb von einer Stunde auf den unbestellten Äckern einarbeiten. Außerdem wird die Sperrfrist für stickstoffhaltige Düngemittel auf Grünland verlängert. Eine Verlängerung der Lagerkapazität von sechs auf sieben Monaten, wie sie die Naturschutzverbände angeregt haben, wurde verworfen, da eine implizite Sogwirkung für höhere Tierbestände entstehen würde.

Die Nitrat-Kulisse umfasst in Schleswig-Holstein rund 51 Prozent der Landesfläche, die Phosphat-Kulisse rund 13 Prozent. In der Phosphatkulisse gilt ebenfalls die Untersuchungspflicht für Wirtschaftsdünger und Gärrückstände sowie eine Beschränkung der Phosphatdüngung auf hoch versorgten Böden. Erstmals wurde zusätzlich eine Sperrzeit für die Ausbringung phosphathaltiger Düngemittel eingeführt.

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