Ernte wie im Panzer : Nasse Felder: Immer mehr Landwirte wollen die Raupe

Die Böden sind vor Nässe aufgeweicht: Mit dem Raupenantrieb kommt der Maishäcksler besser voran.
Die Böden sind vor Nässe aufgeweicht: Mit dem Raupenantrieb kommt der Maishäcksler besser voran. 

So nass war es selten – doch geerntet werden muss trotzdem. Landwirte zeigen immer mehr Interesse für Kettenfahrzeuge.

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01. Februar 2018, 09:32 Uhr

Tingleff, Oldenhütten | Die Fahrzeug-Bestellungen für die nächste Ernte sind bereits voll im Gange. Und ein Trend zeichnet sich deutlich ab: Die Landwirte setzen vermehrt auf Raupenfahrzeuge. Die dauernassen Felder haben den Bauern in SH die Arbeit auf dem Feld erschwert – denn mit herkömmlichen Reifen war im weichen Matsch oft kaum ein Durchkommen.

Ein gefedertes Raupenlaufwerk an einem Mähdrescher.
Claas

Ein gefedertes Raupenlaufwerk an einem Mähdrescher.

„Getrieben durch das Wetter, aber auch durch die Gesetzgebung gibt es immer mehr Bestellungen von Lohnunternehmer und Landwirten“, sagt Lars Arens vom Zentrum für Claas-Landmaschinen in Bordesholm. Denn die Kettenfahrzeuge sind nicht nur auf nassen Feldern ein Vorteil: Bei erlaubten 3,50 Metern Maximalbreite im Straßenverkehr sind sie raumsparender. „Bei Großmaschinen sind Raupenantriebe schon die Regel“, sagt Arens.

Auch Dänische Landwirte wollen Raupen für die nächste Ernte

„Tatsächlich können wir ein verstärktes Interesse für Raupenmähdrescher und -feldhäcksler feststellen. Die Anfragen werden mehr“, sagt Hans Holm junior von der gleichnamigen Maschinenhandlung in Tingleff. Der verregnete Sommer 2017 hat selbst für Landwirte auf dem ansonsten sandigen Mittelrücken bedeutet, dass sie ihre Kartoffelfelder nicht komplett abernten konnten. Auch bei der Maisernte blieben auf einigen Feldern größere Flächen ungeerntet. Die großen Landmaschinen blieben schlichtweg stecken.

Die Raupenmaschinen sind rund 150.000 Kronen (ca. 21.000 Euro) teurer als ihre Kollegen auf Gummireifen. Das schreckt einige ab, andere wiederum sind der Meinung, dass das bei Preisen von über drei Millionen Kronen (403.000 Euro) dann auch nicht mehr auf die letzten paar hunderttausend ankommt. „Wir haben auch schon einige Bestellungen für Raupenmähdrescher für das kommende Jahr aufgenommen“, erzählt der Juniorchef des Tingleffer Vertragshändlers des deutschen Landmaschinenherstellers Claas, deren Raupenfahrzeuge besonders begehrt sind. „Der deutsche Produzent hat eine besondere Vollfederung entwickelt, die auch bei schnellerer Straßenfahrt einen deutlich verbesserten Komfort und eine sehr gute Richtungsstabilität garantiert“, sagt Holm junior.

„Dann sitzen wir eben in der Suppe“

„Wir haben es mal an einer Wetterstation hier in Dithmarschen überprüft: Nur einmal in 100 Jahren hatten wir im Oktober und November mehr Niederschläge als 2017. Dann kamen noch einige Starkregenfälle dazu, die die gesättigten Böden nicht aufnehmen konnten“, erklärt der dithmarscher Wasserwirtschaftsexperte Matthias Reimers. „Der Wind hat verhindert, dass wir genug ins Meer entwässern konnten – dann sitzen wir eben in der Suppe.“

Steuern wie im Panzer

Das Oldenhüttener Lohnunternehmen Hans Thun hatte schon bei der Maisernte zwei Häcksler mit Raupenantrieben ausgestattet.  „Wir können die Kettenlaufwerke ebenfalls an die Mähdrescher montieren. Dadurch sind wir nun auch in der Lage, im Sommer bei der Getreideernte auf nassen Böden flexibler zu sein“, erklärt die Tochter des Lohnunternehmers Saskia Thun, die mit ihrem Vater zusammen für die Maschinen- und Fahrereinteilung im Unternehmen zuständig ist.

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Rund 50.000 Euro kostet ein neuer Satz der gut dreieinhalb Tonnen schweren Raupenantriebe. „Die können wir nun wahlweise bei unseren Erntemaschinen gegen die Vorderreifen austauschen“, sagt die 25-Jährige. Da die Vorderreifen über eine Einzelradbremse verfügen, sei es auch möglich die Maschine damit zu steuern – wie bei einem Panzer. Bei dem werde ebenfalls durch das Abbremsen einer Kette gelenkt.

Gebrauchtraupe

Normalerweise kauft die Holmsche Maschinenhandlung Raupenmaschinen nur auf Bestellung. Bei der Hausmesse, die am Freitag und Sonnabend in Tingleff stattfindet, kann sie dennoch ein solches Raupenfahrzeug präsentieren. „Das ist eine Gebrauchtmaschine. Wir haben sie in Tausch genommen, weil der Landwirt eine neue gekauft hat“, erzählt Holm junior.

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