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Prozess gegen Terrorverdächtige : Nach SH im Auftrag des IS – Zeuge berichtet vom Vorgehen der Terrororganisation

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Drei junge Syrier haben sich in SH als Flüchtlinge ausgegeben. Beim Prozess gegen die Männer beschreibt ein Zeuge seinen Weg.

shz.de von
erstellt am 12.Sep.2017 | 16:18 Uhr

Hamburg | Im Prozess gegen drei mutmaßliche Mitglieder des Islamischen Staates (IS) in Hamburg hat ein Zeuge am Dienstag Details über die Vorgehensweise der Terrororganisation berichtet. Der 30-jährige Algerier wurde nach eigenen Angaben im Herbst 2015 von der Terrororganisation in Syrien nach Frankreich geschickt. Sie seien zu viert über die Türkei und Griechenland gereist, sagte der Zeuge über eine Videoschalte vor dem Staatsschutzsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts. „Die haben mich geschickt. Ich hatte einen Auftrag“, übersetzte eine Dolmetscherin. Was er genau machen sollte, wollte der 30-Jährige nicht sagen. Ein Zwillingspaar, das mit ihm aus der syrischen Stadt Rakka gekommen sei, habe sich in Frankreich in die Luft gesprengt. Er selbst sei in Österreich festgenommen worden.

Die Bundesanwaltschaft wirft den drei Angeklagten vor, sie seien ebenfalls vom IS nach Deutschland geschickt worden. Die Syrer im Alter von 18, 19 und 27 Jahren sollen am 11. November 2015 mit Hilfe eines vom IS organisierten Schleusers und falschen Pässen in die Türkei gelangt sein. Von dort seien die drei Männer auftragsgemäß zunächst über Izmir nach Griechenland und weiter über die sogenannte Balkanroute nach Deutschland gereist. In der schleswig-holsteinischen Erstaufnahmeeinrichtung von Boostedt hätten sie sich wiedergetroffen und sich einander der Treue zum IS versichert. Vor einem Jahr waren sie in Flüchtlingsunterkünften in Großhansdorf, Ahrensburg und Reinfeld (alle Kreis Stormarn) festgenommen worden und sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

Der Zeuge beschrieb genau den gleichen Reiseweg. Der IS habe ihm 3000 Dollar und ein Handy mit Telefonnummern und einem vorinstallierten Messenger-Dienst gegeben. Mit Hilfe von Schleusern sei er am 3. Oktober 2015 auf einer griechischen Insel angekommen. Dort sei er zunächst 24 Tage in Haft gewesen und dann über Mazedonien, Serbien, Kroatien und Slowenien weitergereist. Ein Kontaktmann in der IS-Hochburg Rakka habe ihm für die Reise weitere 1000 Dollar geschickt. Nach seiner Festnahme in Österreich habe er zunächst falsche Angaben gemacht. „Wir sollten uns so verhalten wie die Flüchtlinge“, sei ihm vom IS gesagt worden. Doch dann habe er sich entschlossen, mit den österreichischen Behörden zu kooperieren. In einer weiteren Vernehmung habe er von seinem IS-Auftrag erzählt und Namen seiner Helfer genannt.

Ob und wie der Zeuge und dessen Gruppe in Verbindung zu den Angeklagten standen, blieb bei der Befragung unklar. Nach österreichischen Medienberichten waren der 30-Jährige und einer seiner Begleiter im Juli 2016 an Frankreich ausgeliefert worden. Der jetzt in einem Gefängnis bei Lyon sitzende Zeuge steht unter Terrorismusverdacht, ist aber nach eigenen Angaben noch nicht verurteilt worden. Im November 2015 hatte eine verheerende Anschlagserie Paris erschüttert, 130 Menschen starben. Im Prozess in Hamburg wird das Urteil für Anfang November erwartet.

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