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Kiel-Gaarden : Nach Missbrauch: Was die Behörden verändern wollen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein neues Konzept soll Schwachstellen bei den Behörden schließen - und unter anderem die Kommunikation verbessern.

shz.de von
erstellt am 11.Feb.2016 | 07:10 Uhr

Nach dem sexuellen Missbrauch von zwei Mädchen (5 und 7) im Kieler Stadtteil Gaarden wollen die Behörden bei ähnlichen Fällen künftig enger zusammenarbeiten. Bereits beim nächsten sexuellen Missbrauch eines Kindes soll sich eine Expertenkommission aus Vertretern von Staatsanwaltschaft, Polizei und Gesundheitsamt treffen. Dieses „Kieler-Konzept“ haben die Leiterin der Staatsanwaltschaft, Birgit Heß, der Chef der Polizeidirektion, Thomas Bauchrowitz, und Sozialdezernent Gerwin Stöcken am Mittwoch vorgestellt.

Nach den Missbrauchsfällen in Kiel-Gaarden stehen Polizei, Politik und Behörden in der Kritik. Vorgeworfen wird ihnen schlechte Kommunikation - denn es gab schon vor dem zweiten Missbrauch den Verdacht gegen den Mann.

„Die Sachbearbeiter werden sich mit ihren Akten an einen Tisch setzen und ihre Kenntnisse so weit wie möglich austauschen“, erklärte Bauchrowitz. Am Ende soll dann eine Entscheidung stehen: Wer hat eine Handhabe, wird wie tätig und mit welcher Unterstützung? Im Fall von Kinderschänder Nasib G. (30) hätte die Frage lauten können: Reicht die Vorladung des psychisch kranken Verdächtigen durch das Gesundheitsamt oder sollte er lieber zeitnah durch die Polizei vorgeführt werden?

„Wir sehen, dass wir bisher nicht schnell genug miteinander kommunizieren“, sagte Birgit Heß. „Das ist eine Schwachstelle.“ Aufgabe der Expertenkommission sei es nun, kurze Weg zu schaffen.

So ist auch angedacht, dass Sachbearbeiter des Gesundheitsamtes das Gremium selbst einschalten können. Sozialdezernent Stöcken: „Wenn ein Sachbearbeiter sieht, er kommt aus rechtlichen Gründen nicht weiter, soll er nicht mehr sagen: ,Ich kann nichts mehr tun.‘ Er soll eine Anlaufstelle haben, bei der er seine Informationen abladen kann.“ Die Kommission soll dann klären: Was müssen und können wir noch tun? Um dem Datenschutz gerecht zu werden, soll das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz mit ins Boot geholt werden. „Die größte Herausforderung ist es, den Datenschutz zu gewährleisten“, betonte Heß.

Die Arbeitsgruppe soll sich bereits in den kommenden Tagen treffen und auch unabhängig von aktuellen Krisen auffällige Sexualstraftäter auf dem Radarschirm haben.

Die Kommission sei „keine Garantie, dass das nie wieder passiert“, erklärte Stöcken. Er sei aber überzeugt, dass „sie ein Schritt ist, den uns viele nachmachen werden“. „Es gab eine Ausfahrt“, so Stöcken mit Blick auf den zweiten Missbrauchsfall. „Und jetzt pflastern wir sie.“

 

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