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Unfall im Regen mit Tempo 200 : Nach Crash auf der A215 – Bewährungsstrafe für 43-Jährigen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vier Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und der Führerschein ist weg: Der Angeklagte entschuldigte sich bei den Opfern.

shz.de von
erstellt am 02.Feb.2016 | 07:30 Uhr

Kiel | „Es tut mir leid, dass ich Ihr Leben kaputtgemacht habe.“ Unter Tränen richtet der 43-jährige Angeklagte aus Kiel-Friedrichsort diese Worte an das Unfallopfer im Sitzungssaal des Kieler Amtsgerichts. Mit fast 200 km/h war er im April vergangenen Jahres auf der A215 Höhe Mielkendorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) in das Fahrzeug des 59-Jährigen und seiner Ehefrau (53) gekracht – und einfach davongelaufen. Der Fahrer erlitt so schwere Verletzungen, dass er seinen Job bei der Post aufgeben musste, noch immer kann er seinen Arm nicht richtig bewegen. Vorm Autofahren hat das Ehepaar seitdem große Angst, zur Gerichtsverhandlung kam es mit dem Zug. Für den Unfall wurde der Angeklagte gestern zu vier Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Seinen Führerschein ist er für ein Jahr los.

Seine Hände zittern, die Stimme ist brüchig. Der arbeitssuchende Zimmermann wisse genau, dass er einen schwerwiegenden Fehler gemacht habe. Er möchte vor Gericht ein Geständnis ablegen und schildert, was am Abend des 25. Aprils geschah. Der 43-Jährige hatte sich ein Auto von einem Bekannten geliehen, einen nagelneuen Audi Q5 mit mehr als 300 PS. Seine Freundin habe er damit am nächsten Tag beeindrucken wollen, erzählt er. Doch zunächst lud er einen Kumpel auf eine Spritztour ein. „Ich wollte die Beschleunigung spüren“, verrät er der Vorsitzenden Richterin Elisabeth Bellmann. So etwas kannte er nicht, er selbst fahre schließlich „nur einen alten Passat“. Dass es stark regnete, habe ihn nicht daran gehindert, mit fast 200 Sachen über die A215 zu düsen, obwohl dort nur Tempo 120 erlaubt ist. Ein kurzer Blick zu seinem Kumpel auf dem Beifahrersitz, dann gab es einen lauten Knall. Auf der linken Spur krachte er ungebremst in einen Fiat Punto. Dieser wurde gegen die Mittelleitplanke geschleudert und kam am Seitenstreifen zum Stehen. Der Audi stieß mit einem weiteren Fahrzeug zusammen und landete in der Böschung. „Völlig in Panik“ flüchtete der Angeklagte, wie er berichtet. Die vier Insassen der anderen Fahrzeuge erlitten diverse Prellungen, Schädel-Hirn- und Wirbelsäulentraumata, eine Rippenfraktur sowie schwere Lungenverletzungen. Auch seinen Kumpel auf dem Beifahrersitz ließ der Zimmermann schwer verletzt zurück, er selbst hatte nur einige Prellungen abbekommen. Alle Autos erlitten Totalschaden.

Die Erinnerung des Angeklagten setzt erst wieder ein, als er sich in einem Waldstück wiederfand. „Es war dunkel, ich habe gefroren und war klitschnass. Ich hatte keine Ahnung, wo ich war“. Bei Freunden in Molfsee habe er schließlich Zuflucht gefunden. Erst Tage später stellte er sich der Polizei. „Ich hatte einfach Angst, ich war unter Schock“, antwortet er auf Nachfrage. „Ich hab die Leute einfach im Stich gelassen, ich war nicht da. Es tut mir so unendlich leid.“ Eine umfassende Entschuldigung richtet er auch an die drei Unfallopfer, die zum Prozess erschienen waren. Sie leiden alle noch heute unter den Folgen des Unfalls.

Mit dem Urteil hat die Richterin einen Monat mehr Strafe verhängt, als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Grund sei die Schwere der Tat mit den gravierenden Folgen für die Betroffenen. Außerdem sei der Angeklagte schon in der Vergangenheit im Straßenverkehr auffällig geworden. Alkohol am Steuer sowie Geschwindigkeitsüberschreitungen gehen auf sein Konto. Auf ihn können noch erhebliche Schmerzensgeldforderungen zukommen, so die Richterin.

 

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