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Prozess in Neumünster : Nach brutaler Hammerattacke: Frau bezeichnet Ex-Partner als Schläger

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Ein Mann soll seine Frau und eine seiner Töchter aus banalem Grund mit einem Hammer attackiert haben. Die Frau wird schwer am Hinterkopf verletzt. Vor Gericht wird deutlich: Es waren nicht die ersten Schläge.

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erstellt am 21.Feb.2017 | 13:46 Uhr

Neumünster/Büdelsdorf | Ein Mann muss sich seit Dienstag vor dem Amtsgericht Neumünster für eine Hammerattacke auf seine Frau und eine seiner Töchter verantworten. Zudem soll er eine andere Tochter mit einem Besenstiel verletzt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 58-Jährigen gefährliche Körperverletzung vor. Zu Prozessbeginn schilderte der Staatsanwalt mit knappen Worten, wie sich die Tat am 21. August 2016 in Büdelsdorf zugetragen haben soll.

Bereits am Mittag habe sich der Angeklagte über eine Bemerkung einer seiner Töchter geärgert und dieser mit einem Besenstiel wuchtig auf den Arm geschlagen. Am späten Abend gab es demnach wieder Streit mit der heute 16-Jährigen, weil diese mit ihrem Handy gespielt habe. Ihr Vater habe das Mädchen an den Haaren gerissen, bis sie zu Boden ging, sagte der Staatsanwalt. Dabei sei die Zahnspange der Jugendlichen zerbrochen.

Die Frau habe den Angeklagten von dem Mädchen weggezogen. Daraufhin soll der 58-Jährige einen Hammer aus seinem Zimmer geholt und mindestens vier Mal auf den Hinterkopf seiner Frau geschlagen haben.

Als die Frau ins Zimmer einer anderen Tochter geflohen sei, habe er auch diese Tochter mit dem Hammer geschlagen. Auch die Frau soll einen weiteren Schlag abbekommen haben.

Der Angeklagte habe lebensgefährliche Verletzungen zumindest in Kauf genommen, sagte der Staatsanwalt. Die Ehefrau soll durch die Schläge zwei große klaffende Platzwunden am Hinterkopf erlitten haben. Sie musste stationär im Krankenhaus versorgt werden. Der Tochter soll der Angeklagte durch die Hammerschläge unter anderem eine blutende Riss-Quetsch-Wunde am Hinterkopf zugefügt haben.

Der 58-Jährige, der in Untersuchungshaft sitzt, schwieg vor Gericht zu den Vorwürfen. Dafür redete seine Frau, die mittlerweile die Scheidung eingereicht hat. Sie zeichnete das Bild eines langen Leidensweges. Die 47-Jährige schilderte, dass ihr Mann, der wie sie vor Jahrzehnten aus dem Libanon nach Deutschland gekommen ist, sie „schon immer“ geschlagen und beschimpft habe. Sie habe zwar manchmal überlegt, ihn zu verlassen, „aber ich habe Kinder, wo soll ich hin“, sagte sie. Das Ex-Paar hat einen Sohn und sechs Töchter im Alter von sieben bis 18 Jahren.

Im Februar vergangenen Jahres habe sie versucht, die Sache zu beenden, und sei in ein Frauenhaus gegangen, sagte die 47-Jährige aus. Die meisten ihrer sieben Kinder folgten ihr. Doch auf Druck ihres Bruders und anderer Familienmitglieder ging sie einige Wochen später zu ihrem Mann zurück.

Auch die 16 Jahre alte Tochter berichtete vor Gericht von Schlägen und Beschimpfungen „seit klein auf“. Sie und ihre Geschwister hätten die Mutter oft versucht zu überreden, den Vater zu verlassen. „Sie wollte aber nicht, weil sie nicht wollte, dass wir ohne Vater aufwachsen.“ Dabei hätten sie ihrer Mutter immer gesagt, dies sei ihnen egal.

Nach der Rückkehr aus dem Frauenhaus riss sich der Mann den Darstellungen zufolge eine Zeit lang zusammen, schlug seine Frau nicht mehr. Doch dann kamen die Schläge und der Streit wieder. Am Tattag habe sie ihrem Mann nach dem Vorfall mit der Tochter gesagt, dass sie mit ihren Kindern alleine leben wolle, da er sich nicht gebessert habe, sagte die Frau vor Gericht. Daraufhin habe er den Hammer geholt und plötzlich zugeschlagen. Eine Waffe, die die Zeuginnen dem Mann nicht zutrauten. Er habe zwar auch mit Gegenständen geschlagen, „aber wir hätten nicht gedacht, dass er sie mit einem Hammer schlagen wird“, sagte die 16-Jährige. Auch die Frau sagte, sie habe gedacht, „er schlägt mich mit der Hand“. Der Prozess wird am 28. Februar fortgesetzt.

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