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Forstwirte fürs Hochmoor : Nach 5000 Jahren äsen wieder Elche in Dänemark

vom
Aus der Onlineredaktion

In Lille Vildmose in Jütland wurden junge Elche ausgesetzt. Die Langnasen sollen der Natur einen wichtigen Beitrag leisten.

shz.de von
erstellt am 23.Nov.2015 | 14:14 Uhr

Lille Vildmose | Der Elch kommt dem „echten Norden“ immer näher: Knapp 5000 Jahre nach der Ausrottung wurde der größte aller Hirsche am vergangenen Donnerstag wieder in die dänische Natur eingegliedert. In der naturgeschützen Moorlandschaft Lille Vildmose – etwa 25 Kilometer südöstlich von Aalborg – laufen seitdem fünf Jungtiere. Sie wurden aus zwei Elchparks im südschwedischen Schonen ins Himmerland an der jütischen Ostseeküste gebracht.

Schweden, Norwegen und Finnland: In den meisten Ländern Nordeuropas leben Elche. Nun darf sich auch Dänemark auch wieder mit dem Status einer Elchnation schmücken.

Das Anlocken von Touristen in die entlegene Region am Kattegat ist nur eines der Ziele, die die dänische Umweltbehörde verfolgt. Die Hauptberufung der skandinavischen Symboltiere im größten Naturpark des Landes ist eine andere. Die Paarhufer sollen die Triebe von Bäumen und Büschen äsen und damit auf schonende Art und Weise dafür sorgen, dass die natürliche Mooslandschaft mit der flachwüchsigen Sträuchervegetation erhalten bleibt. Damit werden sie den Forstwirten, für die die moorige Gestrüpplandschaft mancherorts kaum durchlässig ist, eine große Unterstützung sein. Insgesamt ist die Auswilderung von zwölf Tieren geplant, der Bestand soll langfristig auf 30 bis 40 Tiere gedeihen.

Die fünf Kälber – darunter zwei Bullen – sind sechs Monate alt und werden in Zukunft in ein völlig freies Areal wechseln. „Wir wollen sie gerne so früh wie möglich an Lille Vildmose gewöhnen - und in einer Phase in ihrem Leben, in der sie von Natur aus am empfänglichsten für neue Eindrücke sind“, erklärte Jens Vinge von der Kommune Aalborg.

Ab dem Sommer sollen die Elche sich dann auf 21 Quadratkilometern frei bewegen. Ein 30-Kilometer langer Zaun hält sie von der Flucht gen Süden ab. Vieh-Roste wurden installiert, damit die Tiere nicht die Landstraße 541 aufsuchen, die das Areal im Osten durchkreuzt.

Die letzte Elch-Sichtung in Dänemark hatte es 1999 gegeben. „Helge“ war es gelungen, schwimmend über den Öresund auf die Hauptstadtinsel Seeland zu gelangen. Der Großhirsch wurde berühmt und erhielt sogar ein eigenes Elch-Warnschild. Nachdem er von einem Intercity-Zug gerammt wurde und starb, stellten die Veterinäre fest, dass Helge eigentlich eine „Helga“ war. In Schweden gibt es zwar laut Schätzung 350.000 Elche, doch die Auswanderung nach Dänemark blieb ein Einzelfall.

Der Elch in SH

Der starke Populationsdruck in Polen sorgt dafür, dass vermehrt Elche auch in Mecklenburg-Vorpommern zu sehen sind. Experten halten es für möglich, dass die Tiere sich in Zukunft auf diesem Wege auch wieder nach Schleswig-Holstein verirren werden. Sofern sie hier geeigneten Lebensraum finden, könnten sie auch bleiben. Lesen Sie hier mehr dazu.

 

Vor 45 Jahren sorgte ein junger Elch aus Polen in Schleswig-Holstein für Trubel. Er hatte es im Spätsommer 1970 über die DDR-Grenze geschafft und spazierte fünf Tage durch die Straßen Lübecks. Dann wurde er erschossen – wohl versehentlich – denn das Narkosemittel wollte nicht wirken. Erst nach dem achten Schuss sackte er zusammen - und starb wenig später an einem Kreislaufkollaps. Nur Wochen später wurde ein republikflüchtiger Jung-Elch im Todesstreifen der DDR-Grenze bei Lübeck-Herrnburg von drei Tretminen zerfetzt.

 

Insgesamt zählt die Statistik in Schleswig-Holstein sechs Elchsichtungen seit dem 20. Jahrhundert. Der letzte wilde Elch wurde vor 15 Jahren gesehen. Besagtes Tier marschierte 300 Kilometer durch Mecklenburg-Vorpommern bis nach Bäk im Kreis Herzogtum Lauenburg. Dort wurde es illegal, unter Missachtung der ganzjährigen Schonfrist, von einem Jäger erlegt. Somit konnten keine weiteren Rückschlüsse auf seine Bewegungen und Absichten auf dem gewählten Terrain mehr gesammelt werden.

 

Mit dpa

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