Weltnaturerbe Wattenmeer : Muschel-Sterben: Dürre-Sommer stresst das Wattenmeer

Es gibt wohl keinen Lebensraum, der so nass und feucht ist wie Schleswig-Holsteins Wattenmeer und die Salzwiesen. Doch lange Dürre und sengende Sonne ließen den Boden in den Salzwiesen aufreißen.

Es gibt wohl keinen Lebensraum, der so nass und feucht ist wie Schleswig-Holsteins Wattenmeer und die Salzwiesen. Doch lange Dürre und sengende Sonne ließen den Boden in den Salzwiesen aufreißen.

Die Sommer-Dürre hat auch im Watt und in den Salzwiesen ihren Tribut gefordert. Millionen Herzmuscheln starben.

Avatar_shz von
03. November 2018, 20:10 Uhr

Husum | Schleswig-Holsteins Wattenmeer und die Salzwiesen sind ein nasser Lebensraum – doch die lange Dürre und die sengende Sonne in diesem Sommer ließen den Boden in den Salzwiesen aufreißen.

Gräben und Tümpel waren knochentrocken. Muscheln und Würmer hatten keine Chance und auch viele Pflanzen vertrockneten. Selbst im Watt, das zweimal pro Tag überflutet wird, gab es den Hitzetod: Dort wurde es bei Ebbe zum Teil so heiß, dass Millionen Herzmuscheln starben, wie Christof Goetze von der Schutzstation Wattenmeer sagte.

Tausende große, alte Herzmuscheln lagen erschöpft auf der Wattoberfläche. Die hatten sich in Panik ausgegraben, weil sie irgendwie weg wollten. Rainer Borcherding, Schutzstation Wattenmeer
 

Sein Kollege Rainer Borcherding hatte so ein Massensterben der Muscheln bereits vor einigen Jahren erlebt: „Tausende große, alte Herzmuscheln lagen erschöpft auf der Wattoberfläche. Die hatten sich in Panik ausgegraben, weil sie irgendwie weg wollten. Jetzt lagen sie völlig schlapp auf der Oberfläche, sie zuckten nur noch ein bisschen“, erinnert sich der Biologe.

Denn Herzmuscheln haben einen „Fuß“, mit dem sie sich ein- und ausgraben können. „Und sie können mit seiner Hilfe auch horizontal auf dem Wattboden 'kriechen'“, sagte Borcherding. Doch unter der brennenden Sonne gelang ihnen die Flucht nicht.

Für Silbermöwen, Austernfischer, und Eiderenten bedeutete der millionenfache Muschel-Tod einen reich gedeckten Tisch. Sie fraßen die sterbenden Muscheln, berichtete der Biologe.

Die schwarze Krähenbeere.
B. Gliwa/Wikipedia.org

Die schwarze Krähenbeere.

 

Doch nicht nur Tiere, auch Pflanzen haben unter dem extrem trockenen Sommer gelitten. Zum Beispiel die Sylter Krähenbeere. Die tannengrünen Pflanze war teilweise komplett vertrocknet. „Etwa fünf Prozent sind abgestorben. Und das macht uns Sorge, weil wir nicht wissen, ob die vertrockneten Pflanzen wieder neu austreiben oder ob sie wirklich tot sind.“

Ob der Dürre-Sommer bleibenden Auswirkungen hinterlassen hat, werden man erst im Frühjahr sehen: „Wenn das Gebiet wieder kartiert wird“, sagte Biologe Christof Goetze.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen