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Landtagswahl in SH : Monika Heinold (Grüne): Sie ist auch zu Hause Finanzministerin

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ihr eigentliches Thema ist die Sozialpolitik. Doch schnell merkte Spitzenkandidatin Monika Heinold: Die Schlüssel zur Politik liegen beim Finanzminister.

Kiel | Grün muss sein. Also trägt Monika Heinold eine quietschgrüne Wetterjacke, als wir uns am Leuchtturm Holtenau treffen. Wetterfest muss es auch sein. „Ich bin Schleswig-Holsteinerin, ich mag den Wind und das Meer, die frische Luft. Und für mich als Seglerin sind Leuchttürme das Sinnbild für Ankommen, für ganz weit weg und trotzdem nah. Leuchttürme geben Orientierung, sie stehen für Standhaftigkeit, und sie machen Mut. Es sind einfach schöne Orte.“

Orientierung geben, standhaft beziehungsweise verlässlich sein, Mut machen – sofort ist die Spitzenkandidatin der Grünen bei ihrem Politikverständnis. Obwohl sie sich selbst nie als Leuchtturm bezeichnen würde, dessen Funktion nimmt sie für sich an: „Ja, es macht mir Spaß, Linien vorzugeben, Diskussionen zusammenzufassen und zu sagen, so wollen wir das jetzt haben.“ Monika Heinold entspricht weder dem Klischee der auf Parteitagen strickenden Grünen noch dem der verständigen Erzieherin und schon gar nicht dem der im strengen Kostüm auftretenden Finanzministerin. Und dieses „anders sein“, das kann sie gut. „Ich bin keine Finanzministerin, die davon überzeugt ist, wenn ich jetzt noch einen Cent spare, dann wird die Welt besser“, beschreibt Monika Heinold ihr Berufsverständnis, nicht ohne hinzuzufügen: „Andere Finanzminister sind da anders.“

Monika Heinold sieht ihr Ministerium auch nicht als Hort der Excel-Tabellen, sondern als Gestaltungsministerium. „Es war eine klare Bedingung für eine grüne Beteiligung an der Küstenkoalition, dass wir starke Ministerien bekommen. Und ausdrücklich auch das Finanzressort.“ Ein Grund für dieses – wieder etwas andere – Verständnis von grünen Interessen liegt in ihrer Anfangszeit als Kommunalpolitikerin. „Ich war im Kreis Segeberg Erzieherin, soziale Gerechtigkeit war für mich Ziel und Motivation, mich im Bereich der Sozialpolitik zu engagieren. Dann hatten wir tolle Projekte geplant, Mehrheiten organisiert – und dann ging es nicht, weil das Geld fehlte.“ Seitdem weiß Monika Heinold, wo die Schlüssel zum politischen Gestalten liegen. Und sie weiß auch, dass sie Glück hatte. Glück mit der Konjunktur, Glück mit steigenden Einnahmen und Glück damit, die erste Kassenwärterin des Landes zu sein, die nach Jahrzehnten des Sparens und des Kürzens Geld ausgeben kann. Damit geht sie ganz selbstbewusst um: „Ich glaube, es gibt für Schleswig-Holstein Schlechteres als eine Finanzministerin, die glücklich ist. Darüber sollten sich eigentlich alle freuen.“

Herrscherin über elf Milliarden Euro

Doch die Politikgestalterin hat nicht nur Glück gehabt. Ganz bewusst hat die Koalition die Grunderwerbssteuer erhöht und so für zusätzliche 115 Millionen Euro im Landeshaushalt gesorgt. Von der Richtigkeit ist Monika Heinold überzeugt. „Die Alternative wäre gewesen, tiefe Einschnitte in den Landeshaushalt zu beschließen. Das wäre der schlechtere Weg gewesen. Ja, die Grunderwerbsteuer ist eine individuelle Belastung für die Hauskäufer, aber in der Regel kauft man sich nur einmal im Leben eine Immobilie. Und die niedrigen Zinsen sind eine Art Kompensation für die höheren Steuern.“

Gerade ein eigenes Haus, eine eigene Wohnung ist für Monika Heinold der etwas andere Umrechnungsfaktor, denn bis zu dieser Größenordnung haben die meisten Bürger eine Vorstellung von Geld. Was darüber hinaus in die Millionen oder gar Milliarden geht, ist für viele eine eher technische Größe. Als Ministerin „herrscht“ sie über einen Landeshaushalt von elf Milliarden Euro, viele Etats gehen in die Millionen oder Hunderttausende. Wenn es um die HSH-Altlasten geht, dann muss Monika Heinold sogar noch eine Stufe hochschalten. „Das ist echt anstrengend, und vor allem ist die Höhe erschreckend. Insbesondere, weil ich weiß, was wir an anderer Stelle mit solchen Summen machen könnten“, so die Ministerin. Damit zwischen den vielen Nullen nicht der Bezug verloren geht, zerlegt sie den Haushalt in konkrete Projekte. So viele Lehrerstellen, so viele Polizisten, so viele Universitätsgebäude könnte sie daraus finanzieren. Ähnlich wie der Häuslebauer sein Projekt zerlegt. So viele Quadratmeter, so große Fenster, den Kaminofen – oder eben nicht.

Bodenständig, standhaft, nicht abheben –  das nimmt man der Spitzenkandidatin ab, und das hilft ihr, wenn sie spontan auf Leute zugeht, mit ihnen ins Gespräch kommt. Ein junges Mädchen bittet um ein „Selfie“ mit der Ministerin, sofort entwickelt sich ein Plausch über Praktika, Zukunft und – natürlich – das Wählen. Schade, die Schülerin ist erst 14 Jahre alt. „Aber in zwei Jahren dann grün“, schließt die Spitzenkandidatin.

Natürlich ist eine, die so gut mit Zahlen und Geld umgehen kann, auch zu Hause die Finanzministerin. Auch wenn Monika Heinold ihr Privatleben von der Politik trennt und sich ihren Freundeskreis außerhalb des Kieler Landeshauses bewahrt hat. Die Spitzenkandidatin weiß, dass harte Tage vor ihr und ihrer Familie liegen. Gerade ist das Wahlkampfmobil mit Foto und Namen beklebt worden. Damit unterwegs zu sein, ist für ihren Lebensgefährten „eine Herausforderung“. Die das Paar aber meistern wird, schließlich ist das Ziel ambitioniert. Zweistellig soll es schon werden am 7. Mai und damit auch deutlich anders als beim Bundestrend, der die Grünen bei nur noch sieben Prozent sieht. Aber wie gesagt, mit dem Anders-Sein hat Monika Heinold kein Problem.

Weitere Porträts zur Landtagswahl

 

 

Daniel Günther

 

Porträts der weiteren Spitzenkandidaten für die Landtagswahl lesen Sie in den kommenden Tagen auf shz.de.

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erstellt am 12.Apr.2017 | 12:11 Uhr

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