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Gefährlicher Spass : Mofa-Tuning: Eine Reise in die Vergangenheit

vom

Redakteur Stefan Petersen berichtet von den Tuning-Möglichkeiten im Jahr 1975. Und lachenden Polizisten. Denen ist heute aber nicht mehr zum Lachen zumute. Das zeigt eine Aktion in Dithmarschen.

shz.de von
erstellt am 20.Apr.2015 | 19:52 Uhr

Wir schreiben das Jahr 1975, die kleinstädtische Jugend war ab dem 15. Lebensjahr mit dem Mofa unterwegs. Ich nannte eine orangerote Peugeot 103 mein Eigen – ein Modell, das sich besonders durch seine hervorragenden Tuning-Möglichkeiten auszeichnete: Schon das Entfernen des drosselnden Schalldämpfereinsatzes im Auspuff brachte die Höchstgeschwindigkeit von den erlaubten 25 km/h auf weit über 40.

Aber natürlich war noch mehr herauszukitzeln, und das versuchte ich mit kleinen Veränderungen am Motor. So erkräftigt war es für das Gefährt natürlich kein Problem mehr, nicht nur mich zu transportieren, sondern auch noch einen Freund auf seinem Fahrrad mitzuziehen, der sich einfach mit einer Hand an meine Schulter hängte – Mitte der 70er ebenfalls ein durchaus übliches Verfahren.

Auf der Straße von Husum hinaus zum Dockkoog konnte man das Rennerle dann so richtig laufen lasse, was ich auch tat, mit dem Radler im Schlepptau. Nur dummerweise stand da plötzlich ein Polizeiwagen am Straßenrand nebst zwei Beamten, die höchst interessiert die eilig herannahende Fuhre beobachteten. Rapide Tempoverminderung war angesagt, also beide Handbremsen bis zum Anschlag ziehen, denn so toll war deren Wirkung nun auch nicht.

Aber immerhin stark genug, um erstens durch die abrupte Verlangsamung den Fahrradfahrer von der Schulter zu trennen, so dass er unvermindert weiter geradeaus schoss und einen Sturz nur mühsam vermeiden konnte. Und zweitens den durch die Vibrationen des mittlerweile ja recht hoch drehenden Motörchens gelockerten Halterungsschrauben den letzten Impuls zum Verlassen ihrer Bohrungen zu geben, was die Antriebseinheit beim Gewaltstopp krachend auf die Straße fallen ließ. Die Polizisten, die das Schauspiel mit wachsendem Erstaunen verfolgt hatten, bogen sich vor Lachen – und beließen es bei einer Verwarnung.   

Ernster Hintergrund: Der Kreis Dithmarschen und die Polizei rufen gemeinsam eine Kampagne gegen das Moped-Tuning ins Leben. Die Botschaft der Flyer, die an Schulen verteilt werden: Wer mit einem getunten Fahrzeug unterwegs ist, erhöht die Unfallgefahr und gefährdet sich selbst und andere. „Einen passiven Unfallschutz wie Knautschzone oder Sicherheitsgurt gibt es hier nicht“, sagt die Polizei.
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