Plastikmüll in der Nordsee : Modellprojekt: Plastikfreier Urlaub an der Küste

In Müllboxen wie diese können Besucher ihre eigenen und gefundene Abfälle werfen.
In Müllboxen wie diese können Besucher ihre eigenen und gefundene Abfälle werfen.

Naturschützer suchen nach Lösungen zur Müllvermeidung an der Nordsee – ein Modellprojekt bezieht die Vermieter mit ein.

shz.de von
15. Februar 2018, 10:57 Uhr

Tönning | Netzreste, Luftballons, Chipstüten und Plastikflaschen: Im Spülsaum an den Nordseestränden findet sich unzähliger Müll vor allem aus Kunststoff. Jährlich 20.000 Tonnen Müll werden schätzungsweise allein in die Nordsee eingetragen. Den Plastikmüll wollen Naturschützer mit verschiedenen Projekten und Aktionen reduzieren. Auf einer Fachtagung im Multimar Wattforum in Tönning trafen sich Naturschützer und Vertreter regionaler Organisationen wie der Insel- und Halligkonferenz, um Strategien zur Vermeidung von Plastik zu diskutieren. Im Mittelpunkt stand das BUND-Projekt „Plastikfrei wird Trend“ auf Föhr.

Das regionale Modellprojekt macht sich für die Vermeidung von Plastikmüll im Meer und für die Etablierung von plastikfreien Alternativen stark. „Wichtig ist uns, dass die Maßnahmen auf andere Regionen übertragbar sind“, sagte Projektleiterin Angela Ottmann am Mittwoch in Tönning.

Dazu gehört zum Beispiel die Zertifizierung von Ferienunterkünften, die bewusst wenig Plastik einsetzen. Etwa indem die Vermieter auf Kunststoffdekoration und Plastikbecher verzichten oder als Begrüßungsgeschenk eine wiederverwendbare Naturtasche für Obst und Gemüse bereitlegen. In den Unterkünften finden die Gäste zudem Tipps zur Vermeidung von Verpackungsmüll und Hinweise auf Föhrer Geschäfte, die verpackungsfreies Einkaufen ermöglichen. Mittlerweile sind 250 Unterkünfte zertifiziert, darunter auch ein Hotel.

Ottmann glaubt, dass Föhr ein idealer Ort für viele Menschen ist, um sich mit einem nachhaltigeren Umgang mit Ressourcen und der Vermeidung von Müll zu beschäftigen. Im Alltagsstress gehe das Thema oft unter. „Aber im Urlaub hat man eher die Muße, sich damit zu beschäftigen. Gerade wenn man wie hier an der Nordsee das Problem täglich vor die Füße gespült bekommt.“

Aber nicht nur auf Föhr, auch über die nordfriesische Insel hinaus gibt es ein Bewusstsein für den Meeresschutz, sagte Dorothea Seeger vom Meeresschutzbüro des BUND. Dazu gehören etwa die Clean-up-Days in Kiel und Neustadt, alternative Strandreinigungsmethoden in Zingst oder Aktivitäten an Flüssen im Binnenland, die ins Meer münden. Auch stehen an vielen Stränden und Deichen an Nord- und Ostsee Strandmüllboxen, in die Urlauber und Einheimische angeschwemmten Müll werfen können. Solche „best-practice“-Beispiele müssen nach Ansicht Seegers weiter gesammelt werden und die Akteure müssten sich noch stärker vernetzen.

In den Blick genommen werden sollten zudem die Möglichkeiten, die Kommunen haben. Etwa indem sie mit Bußgeldern gegen das bewusste Liegenlassen von Müll vorgingen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen