Waldsterben in SH : Mit Video: Wie geht es dem Wald?

Auf einem Waldspaziergang erklärt Udo Harriehausen der jungen Reporterin Nike Mumm, woran der Wald krankt.

Auf einem Waldspaziergang erklärt Udo Harriehausen der jungen Reporterin Nike Mumm, woran der Wald krankt.

Landesförster Udo Harriehausen fordert mehr Unterstützung für die Forstwirtschaft.

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14. April 2021, 15:21 Uhr

Umgestürzte, blattlose und verfärbte Bäume. Dem Wald geht es so schlecht wie noch nie – das sind Nachrichten, die jeden beunruhigen sollten. Doch was genau bedeutet das eigentlich? Was sind die Ursachen und wie können diese bekämpft werden? Hat die Pandemie zu einer Verbesserung beigetragen? Wie sieht der Wald der Zukunft aus?

 

All das beantwortet Udo Harriehausen (48), Förster der Schleswig-Holsteinischen Forsten und unter anderem für den Rehberger Forst in Satrup zuständig. Bei einem Rundgang zeigt er die konkreten Schäden und erklärt deren Ursachen sowie Zukunftspläne für einen gesunden und stress-resistenten Wald.

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Der Wald ist als eigenes Ökosystem das Zuhause vieler Tier- und Pflanzenarten, sowie ein wichtiger Faktor für weniger Treibhausgase in der Atmosphäre und die Speicherung von CO2. Auch in Zeiten von Corona spielt der heimische Wald für die Erholung und Gesundheit der Schleswig-Holsteiner eine besonders große Rolle. Damit dies auch noch lange so bleibt, ist vor allem das Aufforsten und Vermischen von Baumarten enorm wichtig, erklärt Udo Harriehausen. Schädlinge, wie der Borkenkäfer oder das Kleine Falsche Weiße Stängelbecherchen (ein Pilz), greifen einzelne Baumarten wie Fichte und Esche an und vernichten so ganze Wälder.

Wenn es einem Baum schlecht geht, ist das oft nicht so einfach zu sehen. Doch die dunklen Verfärbungen in der Borke zeigen, dass hier ein Pilz den Baum schädigt - das Falsche Weiße Stängelbecherchen.
Jette Mahne

Wenn es einem Baum schlecht geht, ist das oft nicht so einfach zu sehen. Doch die dunklen Verfärbungen in der Borke zeigen, dass hier ein Pilz den Baum schädigt - das Falsche Weiße Stängelbecherchen.

 

Die Fichte ist außerdem anfällig für Trockenheit und hat oft durch Schädlingsbefall keine tiefgreifenden Wurzeln mehr, sodass diese anfälliger für Stürme sind. Diese extremen Wetterverhältnisse sind dem Klimawandel zuzuschreiben. Hier lautet die Lösung: „Weg von Reinbeständen, hin zu Mischbeständen“. Mit Mischwäldern kann nämlich die großflächige Zerstörung eingedämmt werden, da andere Baumarten die gleichen Schädlinge nicht übertragen und nicht daran erkranken. So mischen Udo Harriehausen und seine Kollegen pro Jahr 200 bis 400 Hektar Nadelwald mit Laubbäumen. Hierbei sind auch die unterschiedlichen Höhen, die vom Alter der Bäume abhängig sind, wichtig. Alles in allem ist also eine horizontale und vertikale Vielfalt der entscheidende Punkt.

Bitte nicht aufräumen: An der Wurzel eines umgekippten Baumes wächst ein neuer Baum. Käfer und andere Tiere haben sich hier eingenistet.
Jette Mahne

Bitte nicht aufräumen: An der Wurzel eines umgekippten Baumes wächst ein neuer Baum. Käfer und andere Tiere haben sich hier eingenistet.

 

Des Weiteren garantiert eine Aufforstung neuen Lebensraum für alle Lebewesen des Waldes. Auf einem ehemaligen Acker direkt am Waldrand gedeiht eine Neupflanzung. Es wurden hier unter anderem Hainbuchen, Stieleichen, Linden und Kirschen gepflanzt, die von einem Zaun umgeben sind, der das Wild fernhalten soll. Der Förster erklärt, dass es ungefähr 100 bis 150 Jahre dauere, bis aus diesen maximal ein Meter hohen Sprösslingen richtige Bäume heranwachsen. Bis ein Wald mit seiner Artenvielfalt vorhanden sei, vergingen dann insgesamt 200 Jahre. Dabei ist natürlich ungewiss, ob Wetterereignisse oder politische Entscheidungen zu einer Zerstörung der Aufforstung führen.

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Der Waldanteil liegt in Schleswig-Holstein bei gerade einmal 11 Prozent, was im Gegensatz zum Beispiel zu Hessen mit 42 Prozent oder Berlin mit 37 Prozent sehr wenig ist. Laut Udo Harriehausen liegt das vor allem an der fehlenden Förderung der Forstwirtschaft. Für Landbesitzer ist die Landwirtschaft wirtschaftlich sinnvoller, weswegen er eine Prämie für das Umsteigen vom Ackerbau auf die Forstwirtschaft fordert. Dies sei auch für den Klimaschutz sinnvoll. Er erklärt das folgendermaßen: „Wir haben hier jetzt auf der Fläche etwas gleichzeitig für den Klimaschutz getan, weil durch das Baumwachstum CO2 in den Bäumen oberirdisch, aber auch in den Wurzeln unterirdisch gespeichert wird, mehr als auf dem Acker vorher.“

Udo Harriehausen hofft, dass die neue Begeisterung für den Wald auch mehr Bewusstsein für seine Bedeutung für die Umwelt schafft.
Victoria Lippmann

Udo Harriehausen hofft, dass die neue Begeisterung für den Wald auch mehr Bewusstsein für seine Bedeutung für die Umwelt schafft.

 

Bleibt die Frage, wie jeder von uns dem Waldsterben entgegenwirken kann. Udo Harriehausens Antwort ist simpel: „Jeder einzelne kann mit seinem Verhalten dazu beitragen, dass Treibhausgas-Emissionen reduziert werden und sich auch die weltweite Wirtschaft dahingehend umstellt, dass Wälder, die diese vielfältigen Funktionen erfüllen sollen, auch erhalten und geschützt bleiben.“ Er begrüßt außerdem das Entstehen einer neuen Beziehung und eines Bewusstseins der vielen neuen Waldspaziergänger zum heimischen Wald um die Ecke. Es braucht also Engagement und viel Geduld, damit auch in Zukunft schleswig-holsteinische Waldluft geschnuppert werden kann.
 

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